Bietigheim Steelers SCB vermöbelt desolates Kaufbeuren

Von Niklas Braiger
Tim Schüle (unten links) sorgt für das 1:1 nach zehn Minuten. Für Brett Kemp (oben) ist es der erste von vier Scorerpunkten am Sonntagabend. Foto: Alexander Keppler/Baumann

Dank einer Gala der Import-Spieler Brett Kemp, Jack Dugan, Cole Fonstad und Marek Racuk zerlegen die Steelers den ESV in die Einzelteile.

Mit 9:3 feiern die Bietigheim Steelers gegen den ESV Kaufbeuren den bis dato deutlichsten Saisonsieg und zerlegen die Gäste phasenweise nach Strich und Faden. Trotz der Dominanzleistung mahnt SCB-Coach Alexander Dück aber an: „Ich würde nicht sagen, dass es unser bestes Spiel war. Lange war es durchschnittlich. Ich bin mit dem ersten Drittel gar nicht zufrieden mit der Spielweise.“

Denn der Trainer muss schon nach sechs Spielminuten mit ansehen, wie sein Team in Rückstand gerät. Die Joker, die eine turbulente Deutschland-Cup-Pause inklusive Trainerwechsel hinter sich haben, kommen durch Maximilian Hadraschek früh in Führung, sein Schuss von der blauen Linie an der Bande zieht an Freund und Feind vorbei, wird wohl noch von einem Bietigheimer Schläger leicht abgefälscht und landet im langen Eck. 

Kemp mit drei Assists am Stück

Doch davon lassen sich die Ellentäler nicht beunruhigen: Fünf Minuten später beginnt die Brett-Kemp-Show. Nach dauerhaftem hohem Forechecking forciert der SCB einen Scheibenverlust, der Kanadier geht allein auf das Gäste-Netz zu und legt im letzten Moment auf Tim Schüle quer, der nur noch zum 1:1 einschieben muss. Auch in der Folge bleiben die Steelers spielbestimmen, in einer Überzahl nagelt Jack Dugan erst den Puck ans Gebälk, unmittelbar danach ist Marek Racuk die Endstation einer Kemp-Kombination – 2:1 (13.). Und damit noch nicht genug. 12 Sekunden vor der Drittelpause bringen Kemp und Racuk erneut das Hartgummi in die gefährliche Zone, dort steht Mike Fischer. Der Sturmkollege hat bei seinem Schuss Glück, dass Tyson McLellan ihn mit dem Schlittschuh unhaltbar über Goalie Rihards Babulis hinweg in die eigenen Maschen zum Bietigheimer 3:1 lupft.

Ohne den 25-Jährigen auf dem Eis will nichts klappen, Dugan, Benjamin Zientek und Cole Fonstad lassen gute Chancen aus. Dafür dürfen sich die Steelers bei Goalie Olafr Schmidt bedanken, der ihnen Mitte des zweiten Drittels den Vorsprung rettet. Nach einem Scheibenverlust mitten im Wechsel ist der Deutsch-Kanadier aber machtlos, als Jonas Fischer ein Solo zum Anschlusstreffer vollendet (32.).

Kemp weckt die Steelers auf

Es braucht nun also wieder einen Hallo-Wach-Effekt und den bringt Kemp, wer sonst. Er weckt die Hausherren mit einem guten Solo wieder auf und bringt sie damit aus der schläfrigen Phase – auch wenn das Tor hier noch ausbleibt. Dafür stellt erst Dugan in der 35. Minute den alten Vorsprung per platziertem Abschluss wieder her, keine 80 Sekunden später nagelt Fonstad den Puck aus spitzem Winkel ins lange Eck und sorgt mit dem 5:2 schon einmal für die Vorentscheidung. Beim ESV kochen anschließend die Emotionen hoch, Benedikt Jiranek und Mike Fischer liefern sich einen Faustkampf mit Alec Zawatsky und Max Oswald, für den Jiranek und Oswald jeweils für zwei Minuten ausdampfen dürfen.

Wieder keine drei Minuten später, noch vor der zweiten Drittelpause, legt Fonstad sogar noch einen oben drauf. Bei einem Konter umkurvt Dugan das ESV-Netz, hat eigentlich selbst die Chance auf den Schuss, legt aber lieber noch einmal auf den mitgelaufenen Sturmkollegen quer, der keine Mühe zum 6:2 hat. Ganz übel wird es für Kaufbeuren nach 43 Minuten, als McNeely in Überzahl das siebte Tor erzielt und in der Folge die Joker-Ultras die Halle verlassen. Den Support hatten sie zuvor schon eingestellt, mehr als 15 Minuten vor Schluss packen sie ihre Trommeln und Fahnen ein und begeben sich frühzeitig auf den Heimweg.

Kemp trifft auch noch selbst

Und nach einer halben Stunde ohne Scorerpunkt hat Brett Kemp dann auch wieder Bock, sich noch einmal in die Statistik einzutragen. Der Kanadier darf in der 48. Minute auch selbst noch einen Treffer bejubeln, erneut ist der SCB in Überzahl und erneut bekommt Kaufbeuren keinen Zugriff. Der rabenschwarze Tag für die Joker setzt sich aber auch danach fort, als zehn Minuten vor Schluss auch noch Goalie Babulis nach einem Check von Dugan verletzt vom Eis muss. In einer Schlägerei im Anschluss wird aufgeräumt, insgesamt sechs Spieler werden des Eises verwiesen und bekommen eine spontane Aggressions-Therapie in der Strafbox.

Feierabend ist zu dem Zeitpunkt aber noch nicht angesagt, denn nicht nur in Über-, sondern auch in Unterzahl schlägt Bietigheim noch einmal zu. Nach einer Spieldauerstrafe gegen Jiranek enteilen plötzlich Alexander Preibisch und McNeely, die das 9:2 erzielen (58.), 61 Sekunden vor Schluss gelingt Bast noch einmal ein Ehrentreffer, Jubel ist allerdings kaum zu hören, da die Kaufbeurer Fans beinahe komplett schon auf dem Heimweg sind.

 
 
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