Zum ersten Mal im Playoff-Halbfinale zwischen den Bietigheim Steelers und den Kassel Huskies endet ein Spiel mit mehr als einem Tor Unterschied. Dennoch ist die 1:3-Pleite aus Sicht der Ellentäler ein enorm enges und umkämpftes Duell. Im Fokus stehen hierbei die beiden Schlussmänner. Olafr Schmidt aufseiten der Schwaben und Philipp Maurer bei den Huskies liefern sich ein Fernduell mit grandiosen Paraden, der Kasseler Goalie sichert sich am Ende dank 31 Saves den Sieg, die 3:2-Serienführung und damit auch den ersten Matchpuck für Spiel sechs am Sonntag in Bietigheim.
Bietigheim Steelers SCB verzweifelt an Maurer: Matchpuck für die Huskies
Dank des 3:1-Heimsiegs kann Kassel am Sonntag die Halbfinal-Serie für sich entscheiden. Die Steelers lassen mal wieder zu viele Chancen liegen.
„Die Jungs haben viel gearbeitet, aber leider war es heute nicht genug. Wir hatten unsere Chancen, aber Maurer hat gut gespielt“, zollt Schmidt nach der Partie seinem Gegenüber Respekt. Maurer resümiert: „Wir haben eine Antwort gezeigt. Im Fünf-gegen-Fünf waren wir das bessere Team.“
Chancen hüben wie drüben
Die Partie beginnt auch gleich mit viel Dampf auf beiden Seiten. Filip Reisnecker verpasst nach 60 Sekunden das frühe 1:0 für den SCB, bei seinem Schuss nach einem Abpraller verliert er die Balance und bekommt so keinen Druck hinter den Versuch. Auf der Gegenseite setzt sich wenig später Yannik Valenti mit Leichtigkeit gegen Tim Schüle durch, der Abschluss des Kasselers landet aber nur am Gestänge.
Ansonsten stehen beide Defensivreihen aber stabil, Bietigheim überzeugt mit einer guten Besetzung in der eigenen Zone, das Haus steht sicher. Die Huskies hingegen sind nach Scheibenverlust wach und zeigen ein gutes Backchecking. Nach neun Minuten kommt dann die Scheibe mal gut durch die letzte Reihe der Schlittenhunde und sie setzen sich fest. Über Tim Schüle landet der Puck bei Arne Uplegger. Der Verteidiger versenkte bereits in Spiel zwei und vier und trifft auch jetzt zum 1:0 aus der Halbdistanz.
Wie schon am Mittwoch trifft Uplegger und wie schon am Mittwoch gehen die Schwaben früh in Führung. Und wie schon am Mittwoch ist die Körpersprache der Steelers gut. Maurer muss nach schlechtem Rückzugsverhalten seiner Vorderleute eine Glanztat auspacken. Er hechtet sich nach einem guten Querpass auf Jack Dugan quer durch seinen Torraum und vereitelt das zweite Tor. Statt des 2:0 steht vier Minuten vor der Drittelpause dann überraschend 1:1. Valenti schickt einen Schuss von der blauen Linie in Richtung SCB-Netz und Olafr Schmidt. Direkt vor dem Goalie steht Verteidiger Benedikt Jiranek, der das Hartgummi unglücklich mit dem Schlittschuh noch an den rechten Innenpfosten lenkt. Von dort aus trudelt die Scheibe über die Linie.
Baugleicher Führungstreffer
Nun ist auch die Probonio-Arena wieder voll da. Angefeuert von den 4538 Fans in der Halle öffnen beide Teams wieder das Visier. Doch die Huskies gehen nicht nur mit dem Momentum des Ausgleichs in die Drittelpause, sondern sogar mit der Führung im Rücken. Nur neun Sekunden vor dem Gang in die Kabine ist es eine Replik des 1:1: Bode Wilde schickt einen Distanzschuss in Richtung Schmidt, dieses Mal ohne Kontakt rauscht die Scheibe an den linken Innenpfosten und tuckert ins Netz. Schmidt ist gerade auf dem Weg in die andere Ecke und kommt nicht mehr dran.
„Wir haben Kassel das Spiel diktieren lassen. Wir haben mehr reagiert und nicht selbst agiert“, kritisiert auch SCB-Verteidiger Benedikt Jiranek in der Drittelpause am Mikrofon bei sporteurope.tv. Das gelingt aber nur mäßig. Nach einer guten Chance durch Cole Fonstad haben die Huskies wieder das Spiel im Griff. Jake Weidner und Tyler Benson verpassen aus guten Positionen das dritte Tor für die Hausherren.
Die Scheibe will nicht rein
Bei den Steelers zeigt sich in der Zwischenzeit wieder das gewohnte Problem, das sie schon im Laufe der Playoffs begleitet hat: Die Chancenverwertung lässt zu wünschen übrig. Brett Kemp scheitert komplett allein vor Maurer (28.). Auch im ersten Powerplay des Spiels verpassen die Schwaben den Ausgleich aus aussichtsreichen Positionen. Und so haben die Gäste Glück, dass Kassel nicht erneut Sekunden vor der Pause trifft. Ein Distanzschuss in Überzahl der Huskies wird noch abgefälscht und knallt ans Lattenkreuz. Nach Ansicht der Videobilder bestätigen die Referees, dass der Puck nicht hinter der Linie war.
Trotz gleich zwei Hochkaräter von Valenti im gleichen Powerplay zum Start des dritten Drittels überleben die Steelers die Unterzahl schadlos und bleiben am Leben. Doch die Ellentäler bleiben zu ungenau mit der Scheibe an der Kelle, verlieren zu oft den Puck und übergeben Kassel damit die Spielkontrolle. Wenn die Bietigheimer sich doch mal durchkombiniert bekommen, ist spätestens bei Maurer Endstation.
Da die Steelers drücken und Kassel hinten weitestgehend gut steht, kommen die Gastgeber immer wieder zu Kontergelegenheiten. Doch auch die Nordhessen spielen ihre Angriffe unsauber aus, scheitern immer wieder schon am letzten Pass oder an Schmidt. So auch bei Tristan Keck, der drei Minuten vor Schluss die Entscheidung auf dem Schläger hat, einen überfallartigen Konter allerdings nicht verwerten kann und im Slot eingelaufen am Deutsch-Kanadier verzweifelt. Inzwischen versucht es der SCB mit dem Kopf durch die Wand. Am Ende sind es 14 Schüsse, die die Schwaben im Schlussabschnitt auf Maurer abfeuern, hinzu kommen zahlreiche Versuche neben den Kasten, die die DEL2 nicht wertet.
Empty-Net geht nach hinten los
80 Sekunden vor Schuss nimmt SCB-Coach Alexander Dück Schmidt vom Eis, geht auf den sechsten Feldspieler und setzt alles auf eine Karte. Doch das fliegt den Steelers prompt um die Ohren. Mit 54 Sekunden auf der Uhr klaut sich Hunter Garlent die Scheibe und versucht es von der Mittellinie. Der Schuss des Goldhelms geht zwar noch Zentimeter am Kasten vorbei, die zurückkommende Scheibe verwertet aber dann Darren Mieszkowski zum 3:1 und der Entscheidung.
