„Hängt den Schiri an unser Viadukt“ hallt es noch Minuten nach dem entscheidenden Tor zum 4:3-Overtime-Sieg für die Kassel Huskies gegen die Bietigheim Steelers durch die Ege-Trans-Arena. Der Unmut der SCB-Fans fokussiert sich nach der Schlusssirene über die bittere Pleite im zweiten Spiel des Playoff-Halbfinals auf das Team Stripes, das sich in der Verlängerung des Spiels keine Freunde im Ellental macht. Denn erst schicken sie nach Ansicht der Videobilder Jack Dugan für zwei-plus-zwei Minuten auf die Strafbank nach einem hohen Stock.
Bietigheim Steelers Schiri-Ärger nach Overtime-Drama
Nach dem Sieg in Spiel eins verlieren die Steelers auf heimischem Eis.
Schon hier kochen die Gemüter hoch, endgültig eskaliert es dann, nachdem Kaspars Daugavins in diesem Powerplay einen geblockten Schuss zum 4:3 verwertet und die Huskies damit die Serie ausgleichen. Denn Dominic Turgeon gibt Mike Fischer – nachdem die Scheibe bereits im Tor ist – einen Cheap-Shot mit dem Stock mit, in der Folge eskaliert das Geschehen auf dem Eis zu einem Handgemenge und einer Schlägerei, in der auch beide Bänke beteiligt sind. Turgeon und Tyler Benson auf Kasseler Seiten, sowie Benedikt Jiranek bei den Steelers bekommen nachträglich noch große Strafen für einen Faustkampf aufgebrummt.
Fehlverhalten der Fans
Die Steelers-Fans verschaffen ihrem Unmut Luft, jedoch in der falschen Art und Weise. Als die Unparteiischen am Schiedsgericht das letzte Tor und die finalen Strafen durchgeben, werden sie mit Klatschpappen und Bier beworfen. Das könnte dem Klub nun teuer zu stehen kommen. Coach Alexander Dück resümiert nach dem Spiel: „Ich werde es nicht weiter erläutern, aber ich kann den Frust definitiv verstehen. Das ist kein Geheimnis, aber mehr sage ich dazu nicht.“ Dabei liefert seine Mannschaft zuvor über 60 Minuten mal wieder eine absolute Eishockey-Show für die 4282 Zuschauer.
Schon nach dreieinhalb Minuten klingelt es das erste Mal, die berüchtigte Powerplay-Reihe der Hausherren schlägt früh zu. Nach einem Beinstellen gegen Bode Wilde bringt Arne Uplegger die Scheibe von der blauen Linie vors Tor, dort steht Brett Kemp, der die Kelle reinhält und für die Führung sorgt. In der Folge können sich die Schwaben aber bei Goalie Olafr Schmidt und der Defensive bedanken. Denn ein minutenlanges Drei-gegen-Fünf überleben die Gastgeber unbeschadet, da sich Schmidt Mal um Mal in die Schussbahn wirft und große Chancen vereitelt.
Mit dem knappen Vorsprung gehen die Steelers in Durchgang zwei, dort wendet sich das Blatt aber blitzschnell. Innerhalb von nicht einmal vier Minuten stellen die Gäste aus Nordhessen auf 3:1. Erst versenkt Hunter Garlent einen Abpraller von Schmidts Schoner zum Ausgleich (22.), drei Zeigerumdrehungen vollendet Turgeon einen Wrap-Around um das SCB-Netz zur Führung, die Yannik Valenti nur 37 Sekunden später erneut nach einem Abpraller geistesgegenwärtig ausbaut.
Uplegger mit gutem Auge
Die Ellentäler müssen sich an die eigene Nase fassen, denn sie nutzen ihre guten Gelegenheiten währenddessen nicht und verwandeln Schmidt-Pendant Philipp Maurer zu einer Zielscheibe. Erst Uplegger gibt den Bietigheimern zwei Minuten vor Drittelende wieder Hoffnung – erneut in Überzahl. In Stürmer-Manier läuft er an den zweiten Pfosten, ein Querpass von Jack Dugan leitet Kemp genial weiter, sodass der Verteidiger nur noch einschieben muss.
Im Schlussdrittel drängen die Steelers dann auf den Ausgleich, scheitern aber immer wieder an Maurer. Erst sieben Minuten vor dem Ende steht Filip Reisnecker nach Gewusel vor dem Goalie am zweiten Pfosten komplett blank und trifft nach Querpass von Tamas Kanya zum 3:3. In der Overtime verpassen die Ellentäler dann zu Beginn in eigener Überzahl die Entscheidung, ehe Kassel im achten Versuch erstmals selbst im Powerplay zuschlägt und Daugavins den Deckel draufmacht.
