Bietigheim Steelers Schlusslicht verliert Krisenspiel Not gegen Elend

Von Niklas Braiger
Ein gewohntes Bild bei den Bietigheim Steelers: hängende Köpfe. Auch gegen die Lausitzer Füchse verliert das Team aus dem Ellental, bei der 1:3-Niederlage zeigen sie ihr gewohntes Bild. Foto: Ralf Poller/Avanti

Gegen die Lausitzer Füchse kassiert der SCB die nächste Niederlage. Die Hausherren gehen bei der 1:3-Pleite leer aus.

Sowohl die Bietigheim Steelers als auch die Lausitzer Füchse stecken im Vorfeld des 41. Spieltags des DEL2 in einer Krise. Die Schwaben sind abgeschlagen Tabellenletzter und brauchen ein Eishockey-Wunder, um sich noch von den Playdown-Plätzen zu befreien. Die Sachsen haben acht der vergangenen neun Spiele verloren. Vor Selbstvertrauen strotzen also beide Mannschaften nicht unbedingt, was auch bei der 1:3-Niederlage für den SCB – die dritte gegen Weißwasser in dieser Saison – merklich auf dem Eis zu sehen ist.

Vom Eröffnungsbully weg spielen beide Teams auf einem Niveau, was die Partie zwar nicht hochklassig, aber spannend gestaltet. Der SCB leistet sich in der Anfangsphase viele Unsauberkeiten: Zahlreiche Pässe kommen nicht beim Mitspieler an und wenn doch, dann vergessen die Steelers meist das Spielgerät mitzunehmen. Nennenswerte Chancen gibt es kaum, die ersten Abschlüsse sind allesamt keine Gefahr für Olafr Schmidt im Netz der Hausherren und seinen Gegenüber Matthew Galajda. „Es sieht so aus, als hätten wir acht Stunden im Bus verbracht“, sagt Trainer Daniel Naud über den trägen Beginn.

Mit der Kufe, statt dem Schläger

Da es mit dem Eishockeyspielen teilweise nicht zu klappen scheint, probieren sich die Steelers zwischendurch wohl an anderen Sportarten: Ryan Gropp spielt einen Querpass im Füchse-Drittel mit der Kufe weiter, Lewis Zerter-Gossage pflückt kurz darauf die Scheibe im Stile eines Handballers aus der Luft. Auch Neuzugang Marek Racuk zeigt gute Kontrolle des Hartgummis mit dem Fuß: Er spielt in höchster Bedrängnis einen Pass mit der Hacke.

Erst in der 15. Minute wird es zum ersten Mal brenzlig vor dem Tor von Schmidt und es klingelt prompt. Nach einem eigenen Angriff der grün-weißen erobern die Gäste den Puck und zünden den Turbo. Sam Ruopp treibt die Scheibe entlang der rechten Bande und legt in die Mitte, wo Ilja Fleischmann vor dem Goalie cool bleibt und einschiebt. Schmidts Vordermänner sind allesamt zu langsam im Rückwärtsgang und kommen nicht hinterher. Erschreckend für alle Steelers-Fans: Die Füchse spielen zwar nicht gut, ihr SCB allerdings noch schlechter.

Zum Ende des Durchgangs finden die Gastgeber dann aber endlich zum Tempospiel, ein Konter von Alexander Preibisch wird mit einem Halten von Lane Scheidl noch kurz vor dem Tor unsanft beendet. Sekunden vor der Drittelpause haben die Steelers dann den Ausgleich auf dem Silbertablett: Nachdem Scheidl für sein Foul in die Kühlbox geschickt wird, rutscht Ruopp in der eigenen Zone aus. Die gute Gelegenheit für ein Drei-gegen-eins spielen Preibisch, Zerter-Gossage und Jackson Cressey auch sauber aus, den freien Schuss pariert dann aber Keeper Galajda stark.

Starke Torhüter auf beiden Seiten

Auch im zweiten Drittel sind die Torhüter die entscheidenden Faktoren. In der 27. Minute bekommt Schmidt irgendwie noch die Stockhand vor den Abschluss von Ville Järveläinen – Cole MacDonald hatte zuvor leichtfertig die Scheibe vertändelt. Dann zeichnet sich Galajda mehrfach aus: Erst hält er einen abgefälschten Versuch von Spencer Berry mit der Schulter, dann knallt MacDonald einen Schuss zu zentral genau auf den Oberkörper des US-Amerikaners. Diesen Aufwind spüren sowohl die Fans, als auch die Spieler selbst, die jetzt mit breiterer Brust agieren, aber weiterhin das Runde nicht ins Eckige bugsiert kriegen. Ab der 30. Minute ist es ein Chancenwucher für den SCB. Zweimal Racuk und einmal Preibisch, die Gastgeber verfehlen teils das leere Tor.

Kurz nach Start des dritten Abschnitts ist es dann aber Preibisch, der die rund 2500 Fans in der Ege-Trans-Arena erlöst. Fast aus dem nichts schiebt er an Galajda vorbei zum 1:1 (43.). Der Ausgleich gibt den Hausherren Mut, immer wieder tauchen die Männer in grün vor dem gegnerischen Goalie auf und testen ihn, es fehlt aber immer die letzte Genauigkeit.

Genau diese Drangphase nutzen die Füchse aus. Fast eins zu eins wie vor dem 0:1 wird ein SCB-Angriff zum Bumerang, Kristian Blumenschein hat erneut freie Bahn auf rechts, skatet bis tief in die gegnerische Zone und legt dann quer auf Christoph Kiefersauer. Der 26-Jährige darf unbedrängt an Schmidt vorbei einnetzen (57.). Die Steelers nehmen den Deutsch-Kanadier anschließend vom Eis, um die Verlängerung zu erzwingen, doch auch damit schießen sie sich ins eigene Knie. Scheidl umkurvt den letzten Mann MacDonald, der das Unheil irgendwie zu verhindern versucht, doch der Verteidiger ist machtlos.

Traineraussage wie gewohnt

Trainer Naud predigt nach dem Spiel die alte Leier: „Solange es mathematisch noch möglich ist, muss man dran glauben. Wir arbeiten hart, die Jungs werden irgendwann diese 60 Minuten bringen.“ Doch vielleicht ist „irgendwann“ einfach mittlerweile zu spät. Neun Punkte Rückstand sind es auf Platz 13. Das rettende Ufer – der zehnte Rang – ist inzwischen fast utopisch weit weg. Aktuell hat Freiburg diesen inne, 16 Punkte trennen sie vom SCB.

 
 
- Anzeige -