Bietigheim Steelers Schwere Maurer-Verletzung überschattet 1:7-Debakel

Von Niklas Braiger
Hier ist Philipp Maurer (rechts) noch auf dem Eis, im zweiten Drittel muss er aber verletzt runter. Bis dahin hat ihn Brett Kemp (links) ein Mal überwinden können. Foto: /Oliver Bürkle

Der Goalie der Kassel Huskies muss nach einem heftigen Zusammenprall mit Bietigheims Jack Dugan vom Eis und ins Krankenhaus. ECK-Coach Woodcroft gibt nach dem Spiel aber Entwarnung.

Nicht nur das Stimmungsduell zwischen den Bietigheim Steelers und Kassel Huskies geht am Sonntagnachmittag an die Gäste aus Hessen. Das Spitzenteam der DEL2 reist mit einem Sonderzug ins Ellental, macht mächtig Lärm und sorgt dafür, dass die Ege-Trans-Arena ausverkauft ist. Mit einer blauen Wand im Gästeblock vor dem Spiel und permanentem Support stellen sie sogar die Enztalkurve in den Schatten und machen das Spiel im Schwabenland zum Heimspiel. Dabei gibt es auch viel zu feiern für die Huskies, die das Auswärtsspiel im Ländle am Ende mit 7:1 gewinnen und lange nach der Schlusssirene noch lautstark feiern. Für den SCB ist diese Schmach die bisher höchste Saisonniederlage.

Entwarnung bei Maurer

Nach 25 Minuten wird es jedoch trotz voller Hütte kurzzeitig totenstill. SCB-Stürmer Jack Dugan kollidiert bei einem Schussversuch hart mit Kassels Goalie Philipp Maurer. Der Torhüter bleibt regungslos liegen und muss lange behandelt werden, währenddessen kann man schier eine Stecknadel auf das Eis fallen hören. Als Maurer letztlich von den Sanitätern auf einer Trage vom Eis gefahren wird, bricht aber wieder lauter Applaus aus. Kassel-Coach Todd Woodcroft bedankt sich nach der Partie bei den Helfern, Sanitätern und gibt Entwarnung: „Philipp geht es den Umständen entsprechend gut. Er ist wach, er hat mit uns gesprochen und das ist das einzige, was wichtig ist.“

Dugan erhält für diese Aktion eine große Strafe inklusive Spieldauer, zum Unverständnis der Steelers-Fans. Für die gibt es zu Beginn nach nicht einmal drei gespielten Minuten allerdings bereits die kalte Dusche: In eigener Überzahl spielt Arne Uplegger die Scheibe direkt in die Kelle von Tristan Keck. Der ECK-Stürmer nimmt Anlauf, lässt Uplegger aussteigen und verwandelt durch die Schoner von Goalie Florian Mnich zum frühen 1:0. Vielleicht auch angetrieben von der überragenden Kulisse machen die Huskies auch nach dem Führungstreffer genau da weiter. Bietigheim wirkt teilweise unsicher, leistet sich hier und da Fehler im eigenen Drittel und lädt Kassel zu Chancen ein.

„Wir waren nicht schnell genug in unseren Entscheidungen. Gegen einen harten Forecheck muss die Scheibe schnell hinten raus. Wenn du dann anfängst, nach Mitspielern zu suchen, geht es meistens schief“, erklärt SCB-Coach Alexander Dück nach der Partie. Seine Männer überleben aber eine Unterzahl, entweder ist noch ein entscheidender Stock dazwischen, oder Mnich am Posten. Mitte des ersten Abschnitts werden die Gastgeber dann stärker, Sören Sturm sorgt in der achten Minute für die erste Doppelchance nach einem guten Zuspiel von Jack Dugan, bleibt aber an Maurer hängen.

Zwei Zeigerumdrehungen später ist der dann aber machtlos, dieses Mal nutzt Bietigheim die eigene Überzahl nach einem harten Bandencheck gegen Filip Reisnecker aus. Wie schon am Freitag gegen Weißwasser setzt Brett Kemp zum Solo an und wie schon beim Auswärtsspiel in Sachsen, als er so zum Gamewinner in der Verlängerung traf, setzt er den Puck unnachahmlich in die Maschen. Den Ausgleich bezahlen die Steelers aber teuer, Reisnecker kommt nach dem vorausgegangenen Bandencheck nicht mehr aufs Eis. Hierzu kann Dück noch keine Updates geben, auch Reisnecker ist nach dem Spiel ins Krankenhaus gebracht worden.

Das Tor gibt den Bietigheimern Mut, die zwar defensiv weiterhin zwischen Genie und Wahnsinn agieren, vorne aber nun immer besser vors Tor kommen. Bis zur Drittelpause ändert sich am Spielstand aber erst einmal nichts, was hauptsächlich am starken Mnich im SCB-Kasten liegt. Der fährt nach 23 Minuten noch den Schoner in einer Eins-gegen-Drei-Situation aus, kann wenig später aber nicht mehr gegen Bode Wilde retten. Erneut in Special Teams – dieses Mal in Kassler Überzahl – ist der Verteidiger zur Stelle, trifft zunächst noch das Aluminium, macht es zehn Sekunden später aber genauer zum 2:1 (25.).

Das Debakel nimmt seinen Lauf

Nach der Dugan-Maurer-Kollision nutzt Kassel erneut die personelle Mehrheit, dieses Mal ist es Jake Weidner, der aus dem Rückraum die Scheibe zum 3:1 unter die Latte knallt (28.). Als Bietigheim dann wieder vollzählig ist, sind sie vom Frust angetrieben und drängen schier ohne Ende auf den Anschlusstreffer, der bleibt ihnen aber verwehrt. Joshua Rust, Sören Sturm, Brett Kemp, Cole Fonstad und Mike Fischer lassen allesamt gute Chancen liegen, auch Tyler McNeely und Alexander Preibisch verpassen es im Alleingang direkt vor Ersatz-Goalie Oleg Shilin zu treffen.

Und so bestrafen die Schlittenhunde den SCB eiskalt, fünf Minuten vor der Pause wird Mitchell Hoelscher im Zentrum sträflich alleine gelassen und hat erneut wenig Probleme mit dem vierten Tor für den ECK. Dieser Schlag ist der endgültige Genickbrecher für die Steelers, die in der Folge verunsichert wirken und kaum mehr aus dem eigenen Drittel kommen. Zu Beginn des Schlussabschnitts kommt es dann ganz übel, Wilde bekommt auf der rechten Seite zu viel Platz und Zeit und nagelt das Hartgummi über Mnichs Fanghand hinweg direkt unter den Querbalken zum 5:1 (43.). Zwei Minuten später erhöht Yannik Valenti gleich noch auf 6:1, beinahe jeder Schuss des ECK ist gut platziert und findet direkt den Weg ins Netz. Auf der Gegenseite wirkt das Tor wie verhext.

Nur die Kassel-Fans am Feiern

In der Schlussphase ist inzwischen fast nur noch der Gästeblock zu hören, die Steelers-Fans trommeln zwar hier und da noch leise mit, wirklich Stimmung kommt aber nicht auf. Und die müssen dann auch noch mit anschauen, wie die Husky-Fans das 7:1 von Michael Bartuli bejubeln (48.). Einige Minuten vor dem Ende verlassen zahlreiche SCB-Fans bereits frühzeitig die Arena, verpassen aber keine spannenden Szenen mehr.

 
 
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