Bietigheim Steelers Tyler McNeely ist geteilter Rekord-Scorer der DEL2

Von Niklas Braiger
In diesem Moment wird Geschichte geschrieben. Tyler McNeely (in weiß) legt kurz vor der ersten Drittelpause das 1:0 ins Krefelder Netz. Foto: /Duckwitz/PIX-Sportfotos

Der Deutsch-Kanadier trifft zum zwischenzeitlichen 1:0 beim Auswärtssieg in Krefeld. Mann des Abends wird aber Goalie Florian Mnich mit einer überragenden Leistung.

Es war nicht die Frage, ob, sondern wann Tyler McNeely den Rekord für die meisten Scorer jemals in der DEL2 brechen wird. Mit 496 Toren und Assists in der Hauptrunde stellte bislang die Steelers-Legende Matt McKnight die Bestmarke, am Freitagabend ist es jedoch soweit. Beim Auswärtsspiel der Bietigheim Steelers erzielt McNeely kurz vor der ersten Drittelpause das 1:0, wird von seinen Mitspielern auf dem Eis umringt und geherzt, fährt dann aber ohne die großen Jubelstürme wieder zur Bank. Denn der Job ist da noch nicht getan, am Ende ist der Führungstreffer aber der Grundstein für den 2:1-Auswärtssieg und damit den vierten Erfolg des Ellentäler in Serie.

Lob an die Mannschaft

„Die Jungs haben es mich in der Kabine wissen lassen, dass ich den Rekord habe. Es fühlt sich toll an, ich habe viele Jahre investiert“, erklärt der Routinier nach dem Spiel, ergänzt aber: „ Aber am Ende des Tages liegt es aber am Team und an den Jungs, die mit mir auf dem Eis stehen.“ Denn Matchwinner beim Spitzenreiter wird nicht er, sondern Goalie Florian Mnich, der überraschend für den eigentlich starken Stamm-Keeper Olafr Schmidt zwischen den Pfosten steht. Er entschärft nämlich 33 Schüsse, teils in höchster Not und zudem noch einen Penalty der Gastgeber im Schlussdrittel.

Von Anfang an liefern Mnich und sein Gegenüber Fabian Bick ab. Die beiden Keeper zeigen den 6816 Fans in der Krefelder Yayla-Arena eine Gala, Bick pariert innerhalb der ersten fünf Minuten gleich zwei Mal gegen den komplett freien Brett Kemp und dazu noch gegen Marek Racuk. Mnich bekommt nach vier Minuten Szenenapplaus in der Eishalle, als er spektakulär gegen David Cerny rettet. Ein Pass bekommt der KEV-Stürmer am zweiten Pfosten nicht sauber kontrolliert, daher kann sich Mnich noch schnell genug drehen und per Hechtsprung den Puck von der Linie kratzen.

So sehr die ersten Minuten von Spektakel und Torchancen im Überfluss geprägt sind, so sehr flacht das Geschehen zur Mitte des ersten Abschnitts wieder ab. Strafen dominieren eine lange Phase, in der erst einmal der Spielfluss flöten geht. Aus einer Überzahl heraus fällt dann aber McNeelys Tor: Mit einem Mann mehr auf dem Eis kommt ein guter Pass von Ex-Pinguin Mike Fischer in den Slot zu Alexander Preibisch. Der legt mit einem Geniestreich durch die eigenen Beine auf seinen Sturmkollegen ab, weiß blind, wo der Deutsch-Kanadier steht und dieser muss nur noch die Kelle hinhalten (19.).

Das bleibt nicht der letzte Nackenschlag vor der Pause für die Hausherren aus Krefeld. Mit der Sirene jubeln die Heim-Fans nämlich, ein Schuss von Max Newton zappelt im Netz. Doch nach Überprüfung des Videobeweises stellen die Schiedsrichter fest, dass die Pausensirene wenige Momente zuvor ertönte, bevor die Scheibe die Linie überqueren konnte.

SCB spielt Krefeld schwindlig

Damit geht Krefeld mit einem knappen Rückstand in die Pause, den Kemp nach eineinhalb Minuten im zweiten Drittel erhöht. Durch überragendes Kurzpassspiel und Tiki-Taka im Stile des FC Barcelona kommt das Hartgummi über Fischer, Racuk und wieder Fischer zu Kemp, der sich die dritte Chance frei vor Fabian Bick nicht nehmen lässt. Dieses Mal schlägt sein Schuss unhaltbar zum 2:0 neben dem Pfosten ein (22.). „Wir müssen Defensiv so weitermachen und schauen, dass vorne noch ein, zwei reingehen“, war SCB-Verteidiger Maximilian Sölls Ansage noch in der Drittelpause am Mikrofon bei sporteurope.tv, das geht direkt auf.

Doch Krefeld drückt weiter, zwar bleiben die Hochkaräter – anders als noch zu Spielbeginn – beidseitig aus, die Pinguine bekommen aber nach und nach wieder mehr vom Spiel. Vier Minuten vor der zweiten Pause schlägt der KEV dann auch zu – nicht unverdient. Nach einem Distanzschuss flippert die Scheibe durch die gefährliche Zone vor Mnich. Am Ende behält Matthew Santos die Übersicht und schiebt ein, Bietigheims Goalie streckt sich vergebens. Mitten in den Jubel hinein haben die Krefelder Fans dann Glück, dass McNeely nicht direkt wieder den alten Abstand herstellt. Nach einem Abpraller steht er im Slot blank, sein Schuss trifft aber nur den Querbalken (37.).

Penalty-Save des Goalies

Beflügelt vom Anschlusstreffer drängen die Gastgeber im Schlussdrittel endgültig auf den Ausgleich. Mnich muss mehrfach eingreifen, streckt und reckt sich von Pfosten zu Pfosten und kann noch retten. Auch gut zehn Minuten vor Schluss gibt es viel Aufregung vor seinem Kasten, erneut liegt die Scheibe im Netz, erneut winken die Schiedsrichter aber ab. Denn es gibt stattdessen einen Penalty, zuvor war Newton der gesamten SCB-Defensive enteilt und nur per Foul gestoppt worden. Den Penalty vergibt Daniel Bruch dann aber gegen Mnich, zum Unmut der KEV-Fans, die nun zu einem lauten Pfeifkonzert ansetzen. Das gibt den Pinguinen aber auch nicht die nötige Kraft. Krefeld wirkt in den Schlussminuten platt vom ständigen Anrennen gegen das SCB-Bollwerk. Mit letzter Kraft und dem leeren Tor wirft der KEV alles nach vorne, doch es wirkt wie verhext. Mnich vernagelt seinen Kasten und nimmt so den Auswärtssieg mit in den Mannschaftsbus nach Bietigheim.

 
 
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