Bietigheim Steelers verlieren 0:3 in Nürnberg Aufsteiger zahlt Lehrgeld

Von Andreas Eberle
Voller Körpereinsatz an der Bande: Der Nürnberger Tim Fleischer (links) knöpft sich in diesem Zweikampf den kanadischen Steelers-Neuzugang Brendan Ranford vor. ⇥ Foto: Thomas Hahn/Eibner-Pressefoto

Die Bietigheim Steelers kassieren am zweiten Spieltag ihre erste Niederlage in der DEL. Beim 0:3 in Nürnberg schlägt sich das Naud-Team lange prächtig und bricht erst im Schlussdrittel ein.

Exakt 236 DEL-Spiele hat Tim Schüle zwischen 2010 und 2015 für die Nürnberg Ice Tigers bestritten. Im Trikot seines Heimatvereins Bietigheim Steelers lief der 30-jährige Verteidiger am Sonntag an seiner einstigen Wirkungsstätte auf. Eine Rückkehr, die letztlich nicht von Erfolg gekrönt war: Der Neuling aus dem Ellental kassierte bei den Franken mit dem 0:3 (0:1, 0:0, 0:2) die erste Niederlage im deutschen Eishockey-Oberhaus. Bei der Premiere hatte sich der SCB am Freitag zu Hause gegen den ERC Ingolstadt noch überraschend mit 5:4 durchgesetzt. Für Nürnberg, das zum Auftakt in Iserlohn mit 1:4 verloren hatte, war es der erste Saisonerfolg.

Zufrieden mit dem Saisonstart

Trotz der Niederlage sprach SCB-Trainer Daniel Naud von einem „guten ersten Auswärtsspiel“. „Das war für viele Leute in der Mannschaft ja etwas ganz Neues“, fügte der kanadische Aufstiegstrainer hinzu. Verteidiger Max Renner zog nach den ersten 120 Erstliga-Minuten ebenfalls ein positives Fazit: „Wir wissen jetzt, dass wir den einen oder anderen definitiv ärgern können. Mit drei Punkten am ersten DEL-Wochenende kann man zufrieden sein.“

Coach Naud war bei seiner Formation vom Freitag geblieben, sprich Norman Hauner – immerhin der MVP in den DEL2-Playoffs – und Yannick Wenzel standen als überzählige Stürmer nicht im Kader. Die Schwaben machten im Frankenland zunächst nahtlos dort weiter, wo sie gegen Ingolstadt aufgehört hatten. Sie traten erneut selbstbewusst und couragiert die Flucht nach vorne an. Das aggressive Bietigheimer Forechecking, das schon die Panther aus Ingolstadt verstört hatte, zähmte nun auch die „Eistiger“.

Die 3418 Fans in der schwülen und stickigen Nürnberger Arena, darunter 300 aus Bietigheim-Bissingen, bekamen zwei Drittel lang ein enges Duell zu sehen. Die Steelers waren mindestens ebenbürtig, ehe ihnen im Schlussabschnitt der Saft ausging und Nürnberg dem tapferen Aufsteiger den Rest gab.

Zu viele Strafzeiten und Fehler

Ein Problem, das Naud schon nach dem Auftaktduell moniert hatte, trat erneut auf: die Strafzeiten. Am Ende waren es wieder deren fünf gegenüber zwei der Ice Tigers. Hinzu kamen einige Konzentrationsfehler zu viel. „Wir haben es uns selbst schwergemacht. Wir hatten zu viele unnötige Scheibenverluste, haben zu viele Strafen gezogen und zu viel Unterzahl gespielt. Dann hat man im letzten Drittel nicht mehr genügend Körner“, legte Renner den Finger in die Wunde.

Gleich das erste Powerplay der Hausherren hatte zum Erfolg geführt: Neuzugang Tyler Sheehy fälschte einen Fernschuss von Nicholas Welsh zum 1:0 ab (4.). Bietigheim hielt die Partie aber offen und gab in den ersten beiden Dritteln sogar meist den Ton an. Der Ausgleich wollte aber trotz bester Chancen nicht fallen. Denn zum einen hatte Nürnbergs Torhüter Niklas Treutle einen Sahnetag erwischt. Zum anderen fehlten bei Daniel Weiß’ Lattentreffer sowie Riley Sheens Pfostenschuss die berühmten Zentimeter Genauigkeit.

Im Schlussdrittel dominierten allerdings die Franken. Sie ließen die Gästeabwehr immer wieder alt aussehen. Etwa, als Tim Fleischer mit Markus Kojo und C.J. Stretch gleich zwei Gegenspieler auf sich zog und dann klug zum freistehenden Center Ryan Stoa passte, der SCB-Goalie Sami Aittokallio aus Nahdistanz überwand (52.). Oder in der 58. Minute, als Nürnbergs Kapitän Patrick Reimer, inzwischen 38 Jahre alt, dem gut acht Jahre jüngeren Schüle leichtfüßig davonrannte. Das Zuspiel des DEL-Rekordtorschützen nutzte Christopher Brown zum 3:0-Endstand.

Am Freitag sind die Steelers nun erst mal spielfrei und können sich von den Strapazen erholen. Am Sonntag (19 Uhr) gibt dann Vizemeister Grizzlys Wolfsburg im Ellental seine Visitenkarte ab.

Stimmen zum Spiel

Daniel Naud, Trainer der Bietigheim Steelers: Beim ersten Gegentor wurden wir in Unterzahl gleich kalt erwischt. 40 Minuten waren wir sehr gut im Spiel. Durch individuelle Fehler haben wir dann noch zwei Tore kassiert. Daraus müssen wir lernen. In der DEL2 machst du fünf Fehler und bekommt dann vielleicht ein Tor. In der DEL ist die Qualität eine andere. Wir müssen es 60 Minuten durchziehen, so wenig Fehler wie möglich zu machen.

Frank Fischöder, Coach der Nürnberg Ice Tigers: Es war das erwartet schwere Spiel. Bietigheim ist eine Mannschaft, die mit viel Speed nach vorne spielt. Wir wussten, dass wir eng an den Gegenspielern dranbleiben müssen. Wir waren zu Beginn sehr nervös, auch nach dem Tor haben wir keine Ruhe gefunden.  Das hat sich erst Mitte des zweiten Drittels gelegt. Hinten heraus haben wir es souverän gespielt und nicht mehr viel zugelassen. Das Erfolgserlebnis war wichtig für die Jungs.

Max Renner, SCB-Verteidiger: Summa summarum geht der Nürnberger Sieg in Ordnung, wenn auch nicht in der Höhe. Der Gegner war einen Tick cleverer als wir. Wir können in der DEL mit unseren Tugenden mithalten – das heißt, wenn wir schnell spielen und viel laufen. Wir haben absolut schnelle Stürmer und müssen das Spiel einfach halten.

Tim Fleischer, Nürnberger Stürmer: Der wichtigste Faktor für uns war heute die Rückkehr der Fans. Es ist unbeschreiblich, nachdem wir so lange ohne Publikum spielen mussten. Die Fans waren der siebte Mann auf dem Eis. Das hat uns brutal geholfen. Es hat Spaß gemacht.

 
 
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