Bietigheim Steelers „Wir werden bis zum Ende kämpfen“

Von Andreas Eberle
Steelers-Coach Pekka Kangasalusta sieht seine Mannschaft auf einem guten Weg und hat die Hoffnung auf den Klassenerhalt in der DEL noch nicht aufgegeben. „Jeder weiß, dass wir jetzt einige Siege brauchen“, sagt der 45-jährige Finne. Foto: /Martin Kalb

Steelers-Trainer Pekka Kangasalusta spricht im BZ-Interview über den Abstiegskampf in der DEL, die Unterstützung der Bietigheimer Fans und die schwierige Suche nach Verstärkungen.

Seit fünf Wochen steht Pekka Kangasalusta als Trainer beim DEL-Schlusslicht Bietigheim Steelers an der Bande. Seine bisherige Bilanz ist mit neun Punkten aus 13 Partien durchwachsen. Trotz der prekären Situation im Abstiegskampf verbreitet der 45-jährige Finne vor dem Heimspiel gegen Wolfsburg an diesem Freitag (19.30 Uhr) Zuversicht. Im Interview mit der BZ verrät Kangasalusta, warum er nicht auf die Tabelle guckt, weshalb die Suche nach Verstärkungen bisher erfolglos war – und ob er sich vorstellen kann, über die Saison hinaus im Ellental zu bleiben.

Haben Sie es inzwischen schon mal bereut, im Dezember bei den Steelers als Trainer eingestiegen zu sein?

Pekka Kangasalusta: Nein, überhaupt nicht. Natürlich bin ich mit einigen Dingen konfrontiert worden, die ich vorher nicht gewusst habe. Aber letztlich ist es derselbe Job wie überall. Klar ist die Situation nicht einfach, wenn man die ganze Saison Letzter ist. Aber ich mag Herausforderungen und war von Tag eins an bereit für den Kampf um den Klassenerhalt.

Sind Sie zufrieden mit der Entwicklung der Mannschaft?

Es gibt noch viel zu verbessern, doch wir sind auf dem richtigen Weg. Die taktischen Veränderungen fruchten allmählich und werden uns helfen, Spiele zu gewinnen. Die taktischen Fehler, die dem Team am Anfang unterlaufen sind, kommen kaum noch vor. In jedem Spiel machen wir aber immer noch individuelle Fehler und treffen auf dem Eis falsche Entscheidungen. Wir wollen manchmal zu viel und es erzwingen. Dadurch bringen wir uns dann selbst in Schwierigkeiten. Manchmal ist weniger mehr. In gewissen Situationen müssen wir schlauer sein.

Was ist aus Ihrer Sicht die größte Baustelle im Teamgefüge?

Wir haben bisher zu wenig gescort und müssen viel effektiver sein. Wenn du eine gute Struktur im Spiel hast, kommst du auch in gute Positionen zum Scoren. Die Kunst ist es, die richtige Balance zu finden und adäquat auf jede Spielsituation zu reagieren – wann man also schnell spielen muss und wann man das Tempo eher rausnehmen sollte. Kein Team hat so viel Energie, um 60 Minuten Vollspeed zu spielen.

Hand aufs Herz: Glauben Sie wirklich noch an den Klassenerhalt?

Alles ist möglich. Jeder weiß, dass wir jetzt einige Siege brauchen. Wenn du gewinnst, gibt dir das mentale Stärke und Energie. Wir werden bis zum Ende kämpfen. Solange wir die Möglichkeit haben, in der Liga zu bleiben, werden wir alles geben. Darauf kann sich jeder verlassen.

Realistisch ist aber wohl allenfalls noch der vorletzte Platz 14, den aktuell Augsburg mit sieben Punkten Vorsprung vor Bietigheim belegt.

Ich gucke nicht auf die Tabelle, sondern will immer nur das nächste Spiel gewinnen. Wenn du dir dauernd Gedanken machst, was passiert, wenn du gewinnst oder wenn du verlierst, leidet darunter der Fokus – auf den nächsten Wechsel oder das nächste Spiel. Darum sollten wir uns als Mannschaft auch nicht mit dem beschäftigen, was nach dem letzten Hauptrundenspiel passiert. Wir müssen einen Schritt nach dem anderen machen und uns Stück für Stück verbessern. Nur so können wir erfolgreich sein.

Wie erleben Sie die Stimmung in der Kabine?

Trotz der vielen Niederlagen haben wir eine sehr gute Atmosphäre im Team, und das macht mir Hoffnung. Ich bin ein Typ, der intern auf eine positive Stimmung Wert legt. Ich gebe allerdings durchaus auch negatives Feedback. Nur wenn ich ehrlich zu den Spielern bin, kann ich ihnen helfen, sich zu verbessern und weiterzuentwickeln. Eine Saison ist immer auch ein Lernprozess.

Trotz der oft dürftigen Auftritte und der trostlosen Tabellenlage stehen die Fans voll hinter dem Team. Wie empfinden Sie die Unterstützung?

Ehrlich gesagt bin positiv überrascht von dieser Unterstützung. Die Fans geben uns in den Heimspielen jede Menge Energie und sind sogar auswärts immer zahlreich dabei. In Finnland gibt es so eine Fankultur wie hier nicht. Wie uns die Fans unterstützen, ist unglaublich. Wir wollen ihnen unbedingt etwas zurückgeben.

Schon seit Wochen suchen die Steelers nach Verstärkungen. Warum tut sich der Klub auf dem Transfermarkt bisher so schwer?

Es sind momentan nicht viele Spieler auf dem Markt. Wie wir stehen gerade viele Klubs unter Druck und sind auf der Suche nach guten Spielern. Das erschwert die Aufgabe. Unser Interesse gilt Spielern, die sowohl in unser System als auch in unsere Mannschaft passen – und die scoren können. Wir arbeiten hart daran, die Mannschaft noch zu verstärken und wollen so früh wie möglich entsprechende Personalien verkünden. Aber eine Deadline kann ich nicht geben.

Wo schauen Sie sich konkret um?

Überall. Nach den vergangenen beiden Covid-Jahren scheuen viele Spieler aus Nordamerika den Sprung nach Europa. Natürlich habe ich gute Beziehungen nach Finnland zu allen Teams dort, den Agenten und Spielern – und kann diese auch direkt kontaktieren. Die Nationalität ist mir aber egal. Ich suche keinen finnischen oder schwedischen Spieler, sondern einen Steelers-Spieler.

Wie viele Profis haben Sie bisher denn schon kontaktiert?

Die genaue Zahl weiß ich nicht, aber es waren viele.

Unter der Woche hat der Verein öffentlich gemacht, auch einen neuen Torhüter zu suchen. Was ist mit Stammgoalie Sami Aittokallio los?

Ich bin kein Arzt und auch nicht befugt, über persönliche Dinge zu reden. Nur soviel: Sami hat eine Unterkörperverletzung, und ich weiß nicht, wie lange es dauert, bis er wieder einsatzfähig ist. Es ist keine leichte Situation, weder für ihn noch für die Mannschaft.

Dem Duo Cody Brenner und Leon Doubrawa trauen Sie den Job als Aittokallio-Ersatz im Tor nicht zu?

Beide haben zweifellos gut gespielt. Sami ist seit der vergangenen Saison unser Stammgoalie. Es ist schwer, ihn eins zu eins zu ersetzen. Deswegen halten wir gerade auf dem Markt nach einem erfahrenen Mann Ausschau. Dieser würde auch dabei helfen, den Druck von unseren jungen Torhütern zu nehmen.

Wäre es mit Blick auf den sich abzeichnenden Abstieg nicht klüger, das für Verstärkungen zusammengekratzte Geld in den Kader für die neue Spielzeit zu investieren – statt jetzt noch ins aktuelle Team?

Ich verschwende keinen Gedanken daran, dass wir das Geld für die kommende Saison sparen sollten. Wie ich schon sagte: Solange wir noch die Chance auf den Klassenerhalt haben, mobilisieren wir alles, was möglich ist und kämpfen mit allen Mitteln, die uns zur Verfügung stehen. Niemand weiß, was noch passiert.

Können Sie sich denn vorstellen, über die Saison hinaus in Bietigheim zu bleiben – eventuell auch bei einem Abstieg in die DEL2?

Ich hoffe, dass wir in der DEL bleiben und kann mir eine Zukunft bei den Steelers gut vorstellen. Mir gefällt es am Standort Bietigheim, ich fühle mich hier sehr wohl. Verein und Umfeld haben mich sehr gut aufgenommen. Jetzt geht es aber erst einmal darum, diese Saison erfolgreich zu beenden. Danach ist Zeit für weitere Entscheidungen.

Angstgegner Grizzlys Wolfsburg kommt am Freitag ins Ellental

Seit dem DEL-Aufstieg haben die Bietigheim Steelers noch keinen einzigen Punkt gegen die Grizzlys Wolfsburg geholt. Sechs Spiele, sechs Niederlagen – so lautet die bisherige Bilanz gegen die derzeit fünfplatzierten Niedersachsen, die an diesem Freitag (19.30 Uhr) im Ellental gastieren. 2021/22 blieb der SCB sogar in beiden Heimpartien ohne Torerfolg – 0:4 lautete jeweils das Ergebnis. In der laufenden Runde verloren die Steelers auswärts mit 1:6 und 1:3. „Diese Statistik kannte ich bisher nicht“, sagte Coach Pekka Kangasalusta, angesprochen auf die schwarze Serie. Dennoch will er die Flinte nicht ins Korn werfen. „Wolfsburg ist ein harter Gegner, aber wir haben in jedem Spiel eine Siegchance. Wenn wir mit einer guten Mentalität und viel physischer Energie antreten und einen guten Start hinlegen, sehe ich keinen Grund, warum wir nicht gewinnen sollten.“ Nach dem Hammerprogramm mit sieben Partien in 14 Tagen hatte Kangasalusta dem Team zu Wochenbeginn zwei Erholungstage gegeben. „Wir haben am Mittwoch und Donnerstag gut trainiert. Mein Eindruck ist, dass die Spieler wieder volle Akkus haben“, sagte der Finne. Mit Goalie Sami Aittokallio und Verteidiger Josh Atkinson fallen zwei Kontingentspieler weiter verletzt aus. Zudem fehlt Max Prommersberger: Der Routinier hat sich beim 1:6 in München eine Hand gebrochen

 
 
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