Bietigheim und Markgröningen im Rennen Schusterbahn: Die Region fährt zweigleisig

Von Uwe Mollenkopf
Ob die Schusterbahn einmal nach Bietigheim... Foto: Helmut Pangerl

Bei den Plänen für den Ausbau der Schusterbahn sollen sowohl ein Ast nach Bietigheim als auch einer nach Markgröningen geprüft werden. Dies beschloss der Verkehrsausschuss. Für die weiteren Untersuchungen stellt der Regionalverband insgesamt 55 000 Euro zur Verfügung.

Im Vorfeld hatte es noch anders geklungen. Die vom Regionalverband in Auftrag gegebene Untersuchung des Verkehrswissenschaftlichen Instituts Stuttgart GmbH (VWI) und der DB E&C über einen Ausbau der sogenannten Schusterbahn war zu dem Schluss gekommen, dass eine Linie Bietigheim-Bissingen – Esslingen mit ihren Untervarianten zu den aussichtsreichsten Ergebnissen kommen würde.

Dagegen sei das Ergebnis bei einem Endhalt in Markgröningen nur moderat, da sich dadurch zwar gute verkehrliche Wirkungen ergeben würden, im Gegenzug jedoch sehr viel Infrastrukturaufwand betrieben werden müsse (die BZ berichtete). In seiner Sitzung am Mittwoch entschied der Verkehrsausschuss der Region aber gleichwohl, dass beide Äste – der Korridor von Esslingen nach Bietigheim-Bissingen wie auch der Korridor von Esslingen nach Markgröningen – vertieft betrachtet werden sollen. Die Region fährt also erst einmal weiter zweigleisig.

55 000 Euro für Untersuchungen

Für die weiteren Untersuchungen stellt der Regionalverband auf einstimmigen Beschluss des Ausschusses insgesamt 55 000 Euro zur Verfügung. „Wir sehen jetzt die Chance, eine langfristige, große Lösung greifbarer zu machen“, äußerte sich Dr. Jürgen Wurmthaler, leitender Direktor für Wirtschaft und Infrastruktur beim Verband Region Stuttgart, in der Sitzung. 

Dafür, dass eine Linie nach Markgröningen im Rennen bleibe, hatten sich sowohl der Zweckverband Stadtbahn Ludwigsburg als auch der Verkehrsclub VCD ausgesprochen. Der Zweckverband hatte sogar einen eigenen Vorschlag vorgelegt. Seitens des Regionalverbands wird in einer Mitteilung zu der Sitzung und deren Ergebnis indes darauf hingewiesen, dass das Gutachten nur einen Zwischenstand wiedergebe.

Entscheidend wird nun sein, inwieweit die weiteren Prüfungen eine Wirtschaftlichkeit der verschiedenen Linien und ihrer Untervarianten ergeben. Für den Korridor von Esslingen nach Bietigheim-Bissingen konzentrieren sich die infrastrukturellen Herausforderungen laut Regionalverband auf den Abschnitt zwischen Esslingen und Ludwigsburg. Ab Ludwigsburg könne in Richtung Bietigheim-Bissingen die bestehende Verkehrsinfrastruktur mitbenutzt werden, heißt es in der Mitteilung des Regionalverbands. Um diesen Korridor voranzutreiben, sollen bei den weitergehenden Untersuchungen sowohl für eine S-Bahn- als auch für eine Regionalbahnvariante ein vereinfachter Nutzen-Kosten-Indikator ermittelt und die betrieblichen Aspekte näher betrachtet werden.

Gespräche mit Zweckverband

Bei einer alternativen Verlängerung der Schusterbahn in Richtung Markgröningen könnte die Linienführung durch den Rangierbahnhof Kornwestheim geleitet werden, um so größere Maßnahmen im Bereich Ludwigsburg zu vermeiden. Hierzu seien weitere Gespräche mit den Beteiligten, insbesondere mit dem Zweckverband Ludwigsburg, vorgesehen, so der Regionalverband Stuttgart.

Laut Wurmthaler muss „die Weiterverfolgung dieser größeren Lösungen nicht bedeuten, dass lange nichts passieren wird“. Sofern einer dieser Lösungen überzeuge, könne diese in mehreren Stufen realisiert werden. Der Fokus der ersten Ausbaustufen könne dann auf Bausteinen liegen, die schnell umsetzbar seien.

Die Schusterbahn, benannt nach den Beschäftigten der Salamanderwerke in Kornwestheim, die sie früher benutzten, verkehrt aktuell zwischen Stuttgart-Untertürkheim und Kornwestheim und dient in erster Linie dem Güterverkehr zur Umfahrung des Stuttgarter Hauptbahnhofs.

Ergebnisoffen vorgehen

Im Ausschuss sagte die Ludwigsburger Regionalrätin Elke Kreiser (CDU/ÖDP), es sei „eine tolle Entwicklung“ von der „Insider-Bahn“ Schusterbahn hin zu einer Strecke mit viel Fahrgastpotenzial. „Unsere jetzige Infrastruktur ist nicht für so viele Menschen ausgelegt, entsprechend sind Aktivierungen zwingend wichtig.“ In diesem Zusammenhang setze man auf ein ergebnisoffenes Vorgehen.

Michael Lateier (Grüne) lobte, dass die Untersuchungen in alle Richtungen weitergehen. „Für uns ist Markgröningen durchaus relevant.“ Wichtig sei, zu einer schnellen Umsetzung zu kommen. Er hoffe, dass bereits kleine Verbesserungen möglichst früh realisiert werden könnten.

Bernhard Maier (Freie Wähler) betonte indes, dass es wichtig sei, sich auf die endgültige Lösung zu einigen, bevor erste Schritte umgesetzt würden.

Laut Thomas Leipnitz (SPD) ist eine enge Abstimmung mit dem Zweckverband Stadtbahn Ludwigsburg wichtig für das weitere Vorgehen. Erst nach der nächsten Untersuchung wisse man, wohin die Reise gehe.

Über 7000 Fahrgäste täglich prognostiziert

Das Gutachten zur Schusterbahn geht in seiner Prognose für 2030 davon aus, dass 7400 Personen pro Tag eine Linie Bietigheim-Bissingen – Esslingen nutzen würden. Bei einer Verbindung Markgröningen – Esslingen wären es sogar 7600. Doch diese Variante sei technisch schwieriger zu realisieren.

 
 
- Anzeige -