Während am Silvesterabend des vergangenen Jahres um ihn herum gefeiert wurde, stellte sich Dominik Stroh einer ganz besonderen Herausforderung. Der 25-Jährige startete am Abend des 31. Dezembers um 20 Uhr mit einem 50 Kilometer langen Lauf rund um die Berliner Siegessäule. Als allerorts der Countdown zum neuen Jahr angestimmt wurde, hatte Stroh noch gut acht Kilometer vor sich. „Aber es war ein schönes Gefühl, ins neue Jahr gleich mit einem Erfolgserlebnis zu starten“, erinnert sich Stroh zurück. Nicht nur die Schlagzeilen der Berliner Presse waren dem Bietigheimer dank der Aktion sicher. Mit dem öffentlichkeitswirksamen Ultramarathon sicherte er sich auch den ersten persönlichen Sponsor und damit den ersten Baustein für den Aufbau der eigenen Marke.
Bietigheimer Extremsportler Dominik Stroh: Ein Mann fürs Extreme
Der Bietigheimer Dominik Stroh hat sich dem Laufsport verschrieben. Mit öffentlichkeitswirksamen Aktionen sorgt er für Aufsehen und will mit seiner Leidenschaft andere inspirieren.
Im Verlauf des Jahres sorgte er mit weiteren Aktionen bei Laufveranstaltungen für Aufsehen. So nahm er für einen Textilhersteller als große Socke verkleidet am Berlin Marathon teil. Im Deo-Dose-Kostüm lief er den Hamburg-Marathon. „Ich bin erst Anfang des Jahres nach Berlin gezogen und habe seitdem rund um die Uhr gearbeitet“, schildert Stroh die Mühen der vergangenen Monate. „Doch es entwickelt sich alles sehr positiv weiter.“
Früher Torwart bei den Kickers
Für sein neues Leben als Extremsportler in der Bundeshauptstadt hat der 25-Jährige zwei andere Lebensabschnitte hinter sich gelassen, die sich für ihn mittlerweile „wie aus einem anderen Leben anfühlen“. Als Jugendlicher stand Dominik Stroh für die Fußballer der Stuttgarter Kickers zwischen den Pfosten und spielte bis zur U17 in der Junioren-Bundesliga. Seinem Vorbild Oliver Kahn nacheifernd träumte er von einer Karriere im Profifußball. Doch bei den Blauen saß er schließlich zu oft auf der Ersatzbank. „Bei den Kickers war ich nur der zweite Torwart hinter Diant Ramaj, der mittlerweile bei Borussia Dortmund spielt. Ich kam nicht so zum Zug, wie er sich das vorgestellt hatte und zusätzlich stand das Abitur und die Vorbereitung auf ein Studium an“, erinnert sich Stroh zurück.
Die Torwarthandschuhe landeten folglich in der Schublade und Stroh krempelte die Ärmel hoch, um internationale Wirtschaftsinformatik zu studieren. Während des dritten Jahrs seines Dualen Studiums fungierte er als Mitbegründer einer erfolgreichen Firma in Mannheim, die in den sozialen Netzwerken für Partner Werbung platziert. Innerhalb von nur zwei Jahren konnten von der Firma siebenstellige Gewinne erwirtschaftet werden. Doch Stroh spürte ab einem gewissen Punkt, dass er sich verändern und den Fokus voll auf den Sport setzen wollte. „Noch einmal etwas ganz Neues zu wagen, hat wirklich Mut gekostet“, betont er. „Aber ich bin meiner Leidenschaft gefolgt und es hat funktioniert. Im Prinzip bin ich schon immer gelaufen. Schritt für Schritt habe ich mein Pensum angehoben und bin 2023 in Paris meinen ersten Marathon gelaufen“, schildert er die Entwicklung zum Ausdauerläufer.
Laufen und Geschäftserfahrung
Neben dem Laufen balanciert Stroh den Aufbau von zwei Firmen. Zum einen ist er Mitgründer einer Berliner Sports-Community mit Lauf-Fokus, eines Athleten Managements, sowie einer Sport-Eventagentur, alles vereint unter einem Dach. Über einen Onlineshop bietet er zudem Eisbäder und Dampfsaunas an. Für die Fußballprofis von Hertha BSC hat er bereits Eisbäder für das Trainingslager bereitgestellt, gerade spricht er mit Bayern München.
Stroh geht es nicht nur darum, seine eigene Leidenschaft für den Lauf- und Extremsport ausleben zu können. Mit der Identität eines Leistungssportlers und dem geschäftlichen Hintergrund im Business erhofft sich der frühere Schüler des Sachsenheimer Lichtenstern-Gymnasiums „all die Leute erreichen zu können, die zwar überall zum Laufen motiviert, aber nirgends so richtig abgeholt werden.“
Aus einem Berliner Run-Club, dessen Mitglieder sich morgens um 7 Uhr zum gemeinsamen Laufen getroffen haben, ist eine Gruppe von Leuten geworden, denen Stroh gemeinsam mit einem Geschäftspartner aufzeigt, wie sie sich verbessern können.
„Vor allem möchte ich meine Erfahrungen weitergeben und eine Plattform bieten, bei der man sich austauschen kann. Und das findet alles – im Gegensatz zu Social Media - vor Ort gemeinsam statt“, erklärt Stroh seinen Ansatz. Der Run-Club soll dabei immer kostenfrei bleiben, Mitglieder zahlen nur für einzelne Events, bei denen Stroh die Läufer und Hersteller von Supplements oder anderen spezifischen Firmen zusammenbringt. „Wir können durch unser Netzwerk Kurse im Bereich der Atemübung oder mit Eisbädern anbieten und arbeiten mit sehr spannenden Firmen zusammen“, beschreibt Stroh einen Geschäftsansatz, den er als einzigartig bezeichnet. Zunächst soll das Konzept in Berlin Fuß fassen, dann sollen Events in anderen Städten regelmäßig folgen.
Weitere Herausforderungen
Doch zunächst stehen zwei weitere, außergewöhnliche Herausforderungen in Dominik Strohs Terminkalender. Im August will der Extremsportler zum Gipfelstürmer werden und den 3798 Meter hohen Großglockner erklimmen. Stroh belässt es hierbei nicht bei einer normalen Wanderung, er plant, bei einer sogenannten Kältewanderung oberkörperfrei den höchsten Berg Österreichs zu besteigen.
Und dann ist in diesem Jahr auch noch ein Weltrekord geplant. Beim Berlin Marathon wird der Bietigheimer in Jeans antreten. Sollte er es schaffen, in einer Zeit von unter 2 Stunden und 38 Minuten im Ziel anzukommen, würde er in dieser Disziplin den von einem Amerikaner gehaltenen Rekord brechen – und sicher wieder für Schlagzeilen sorgen.
