Bietigheimer Handballer unterliegen ThSV Eisenach SG BBM setzt Start in den Sand

Von
Auch acht Tore des überzeugenden Neuzugangs Sven Weßeling (am Ball) reichten dem Zweitligisten SG BBM Bietigheim nicht zum Sieg.⇥ Foto: Marco Wolf

Das ging daneben: Der Zweitligist aus Bietigheim verliert beim Liga-Debüt von Trainer Iker Romero in eigener Halle gegen den ThSV Eisenach mit 26:29. Fast 800 Fans sehen den Auftakt.

Die SG BBM Bietigheim hat am Samstagabend den Start in die neue Zweitliga-Saison mächtig in den Sand gesetzt. Gegen den ThSV Eisenach verlor die Mannschaft von Trainer Iker Romero bei dessen Debüt im deutschen Unterhaus vor knapp 800 Zuschauern in der heimischen Halle am Viadukt mit 26:29.

Ganz schön bitter, denn wie schon in den Vorjahren missglückte der SG BBM auch in dieser Spielzeit der Auftakt. Und wie weit eine Mannschaft ein guter Start durch eine Saison tragen kann, weiß Romero dabei schließlich aus eigener Erfahrung. Mit einem 31:29-Erfolg gegen den THW Kiel hatte sich der damalige Co-Trainer von Carlos Ortega zu Beginn der Saison 2017/18 in sein neues Amt beim Bundesligisten TSV Hannover-Burgdorf eingeführt. Nur einen Spieltag später überraschten die Niedersachsen mit der SG Flensburg-Handewitt dann sogar noch den zweiten Hochkaräter in Serie. Dabei hatten die Hannoveraner vor Romeros Antritt zuvor das ganze Jahr über schon nicht mehr gewinnen können. Beflügelt vom Triumph gegen die Spitzenteams von der Förde marschierte Romeros Mannschaft im Anschluss durch die Liga und qualifizierte sich am Ende der Saison sogar sensationell für den internationalen Wettbewerb.

Doch Eisenach liegt nun einmalnicht an einer Förde, sondern an der Hörsel. Und die unangenehm zu spielenden Gäste erwiesen sich als spiel- und kampfstarker Gegner und zogen den Hausherren von Beginn an den Stecker. Mit 4:1 lagen die Wartburgstädter nach acht Minuten in Front. Lediglich Dominik Claus, der drei der ersten vier Bietigheimer Treffer erzielte, sowie Torwart-Neuzugang Konstantin Poltrum, schienen so richtig ins Spiel gefunden zu haben, sodass Eisenach nach 16 Minuten nach dem dritten Tor des bärenstarken Linksaußen Ivan Snajder bereits mit 9:4 führte. Zwei Tore von Kreisläufer Jonathan Fischer brachten die Romero-Sieben zwar wieder auf 7:10 heran, doch es wurde deutlich, dass sich Bietigheim jeden Treffer hart erarbeiten musste, während es dem ThSV wesentlich leichter von der Hand ging.

Besser wurde es erst mit dem Premierentreffer von Sven Weßeling. Der bis dato völlig untergetauchte Neuzugang vom TV Emsdetten verkürzte mit einem Doppelpack zunächst auf 10:12 und dann mit zwei weiteren Treffern auf 12:13. Unmittelbar vor der Pausensirene hämmerte Tim Dahlhaus schließlich den Ball zum 13:14 ins Netz.

Guter Start der Hausherren

Mit drei Treffern in Serie meldete sich die SG BBM aus der Kabine zurück. Doch die Gäste schüttelten sich nur kurz und zogen wieder auf 19:16 davon – auch weil Dahlhaus zwei Hochkaräter innerhalb kürzester Zeit liegen ließ. Doch das größte Manko bei den ambitionierten Hausherren war im Gegensatz zu den Gästen, bei denen der vom Pokalsieger TBV Lemgo verpflichtete Fynn Hangstein Dreh- und Angelpunkt des Spiels war, die fehlende Durchschlagskraft von der Mitte. Regisseur Juan de la Pena strahlte trotz lautstarker Ansagen von Landsmann Romero in spanischer Sprache – in Abwesenheit des verletzten Jonas Link – nur wenig Torgefahr aus. Dementsprechend schwer hatte es Kreisläufer Fischer, dem sich nur wenig Räume boten.

Die Höchststrafe ereilte 18 Minuten vor dem Ende dann mit Alexander Pfeifer den dritten SG-Neuen im Bunde. Der pfeilschnelle Linksaußen wurde nach einem kläglich versemmelten Tempogegenstoß von seinem Trainer kurzerhand wieder zurück auf die Bank beordert.

Die wohl spektakulärste Aktion gehörte kurz darauf Eisenachs Torhüter Johannes Jepsen. Der vor der Saison vom Bundesliga-Ausfeiger TuS N-Lübbecke gekommene Keeper riskierte nach einem Wurf von de la Pena bei einem Sprung ins Tornetz Kopf und Kragen, als er den Ball des Spaniers noch von der Linie kratzte. Überhaupt war Jepsen neben Hangstein der prägendste Spieler auf der Platte. Dabei hatte der 21-Jährige eigentlich keine guten Erinnerungen an die Halle am Viadukt. Denn vor rund einem halben Jahr hatte sich Jepsen noch im Dress seines alten Vereins vor der Partie in Bietigheim beim Aufwärmen schwer am Knie verletzt und war danach monatelang ausgefallen. Doch wie schon in der Vorbereitung präsentierte sich der ehemalige Junioren-Nationalspieler auch in der Viadukthalle in Topform und entschärfte 35 Prozent aller Bälle.

Hektische Schlussphase

Auch dank Jepsen ließen die abgebrühten Gäste Bietigheim in der hektischen Schlussphase auf nie mehr als zwei Tore herankommen. Trotz einer SG-Überzahl in den letzten beiden Minuten und einer offensiven Deckung setzten sich die Thüringer am Ende mit 29:26 durch und verpassten Bietigheim so schon einen frühen Dämpfer.

„Der Druck auf meine Jungs war hoch, denn es war das erste Heimspiel. Das ist immer schwer“, analysierte Romero nach dem Spiel die bittere Auftaktpleite. Doch der Spanier weiß auch, dass das Gute an einem verpatzten Saisonstart der Umstand ist, dass es noch genügend Spieltage in der Hinterhand gibt, um den Bock umzustoßen: „Wir müssen uns weiter und weiter verbessern, die Saison ist noch sehr lang.“ Doch zur Wahrheit gehört leider auch: Für den ersten Eindruck gibt es nun mal keine zweite Chance.

 
 
- Anzeige -