Bietigheimer Handballer zerlegen Hüttenberg SG BBM besteht den Charaktertest

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Mann mit Killerinstinkt: Torjäger Christian Schäfer war am Freitagabend gegen den TV Hüttenberg nicht zu bremsen. Hier bezwingt der Bietigheimer Rechtsaußen Gästekeeper Dominik Plaue. ⇥ Foto: Martin Kalb

Das Bietigheimer Zweitliga-Team zeigt die von Trainer Jonsson geforderte Einstellung und zerlegt Hüttenberg mit 35:26. Christian Schäfer ragt mit elf Toren heraus.

Drei Pleiten in Folge, der Absturz auf Rang 13, die ersten Auguren, die im scheidenden Trainer Hannes Jon Jonsson eine „Lame Duck“ („lahme Ente“) ausmachten und damit auch ein Team, das sich hängenlasst. In dieser kniffligen Situation haben die Zweitliga-Handballer der SG BBM Bietigheim am Freitagabend eine eindrucksvolle sportliche Antwort gegeben und ihre Kritiker Lügen gestraft. Mit 35:26 (17:13) schossen sie den TV Hüttenberg in der Viadukthalle vom Feld, nach einer sowohl offensiv als auch defensiv sehr guten und konzentrierten Vorstellung – von der ersten bis zur letzten Minute, von der Nummer drei (Nikola Vlahovic) bis zur 97 (Jonathan Fischer).

„Die Einstellung war das einzige Thema nach dem Katastrophenauftritt gegen Dormagen. Handball ohne Einsatz ist nie erfolgreich. Ehrlich gesagt waren der taktische Plan oder Hüttenberg keine Themen“, verriet Jonsson später und lobte seine Truppe, die er unter der Woche bei der Ehre gepackt hatte: „Die Jungs haben das richtig gut umgesetzt. Das war eine tolle Reaktion von allen. Jetzt ist es die Aufgabe, so weiterzumachen.“

SG klettert auf Rang neun

Die Topleistung der SG BBM ließ erahnen, was für sie in dieser Saison möglich gewesen wäre, wenn sie konstant auf so einem Level gespielt hätte und ihr keine Corona-Fälle dazwischengefunkt hätten. Mit einem ausgeglichenen Punktekonto von 18:18 Zählern belegt Bietigheim nun wieder den neunten Tabellenplatz.

Vor allem ein Mann war beim neunten Saisonsieg in aller Munde: Christian Schäfer. Der Rechtsaußen und Top-Torjäger, der drei Wochen zuvor in Hamburg noch einen schwarzen Tag erwischt und gleich vier Siebenmeter verballert hatte, glänzte gegen Hüttenberg wieder als eiskalter Vollstrecker. Elf Tore hatte er am Ende in der Statistik stehen, allein in der ersten Hälfte schlug er achtmal zu. Da er auch alle vier Strafwürfe versenkte und nur einen der acht Versuche aus dem Feld vergab, durfte sich Schäfer über eine traumhafte Trefferquote von 92 Prozent freuen.

Nach einem ausgeglichenen Beginn zündete der Hausherr aus Bietigheim den Turbo. Johannes Wohlrab sah sich schon nach zehn Minuten bei einem 8:4-Zwischenstand zu einer Auszeit genötigt. Der TVH-Trainer brachte nun frische Impulse von der Bank und mit Nikolai Weber für Dominik Plaue auch einen neuen, wenn auch ebenfalls glücklosen Keeper. Die SG BBM ließ sich jedenfalls nicht stoppen, drückte weiter voll aufs Gaspedal und lag beim 13:6 (20.) gar schon mit sieben Toren vorne. Immerhin gelang es den Mittelhessen bis zur Pause noch, auf 13:17 zu verkürzen.

Kurz nach dem Seitenwechsel verhinderte Bietigheims Schlussmann Aron Edvardsson mit einigen Glanztaten, dass es noch mal spannend wurde. Der Isländer, der nach verhaltenem Start immer stärker wurde, verbuchte letztlich 17 Paraden – ein Spitzenwert. Zum Vergleich: Seine völlig überforderten Kollegen Weber und Plaue im Hüttenberger Trikot kamen gemeinsam auf nur zwei abgewehrte Bälle. Das lag freilich auch an der hohen Abschlussqualität der Schwaben, die sich kaum Fehlwürfe erlaubten.

Zweite Garde nutzt Chance

In den letzten 18 Minuten durften sich mit Max Öhler und Nils Boschen auch zwei Akteure beweisen, die sonst oft im Schatten stehen. Sie nutzten ihre Bewährungschance und fügten sich nahtlos ins starke Bietigheimer Kollektiv ein – und beide erzielten sogar jeweils zwei Treffer. Die SG-Führung wuchs von anfangs drei Toren auf bis zu zehn Treffer beim 35:25 kurz vor Schluss an. Weil Edvardsson den finalen Wurf von Hendrik Schreiber, Hüttenbergs Besten, in letzter Sekunde nicht ganz zu fassen bekam, hieß es nach 60 Minuten 35:26 für die Spielgemeinschaft.

Neben Schäfer und Edvardsson verdienten sich Dominik Claus und Jonas Link weitere Bestnoten – die Rückraum-Asse steuerten je vier Treffer zum sechsten Heimsieg bei. „Wir haben das auf die Platte gebracht, was wir können“, stellte Boschen zufrieden fest. „Es war wichtig, dass man sieht, dass wir füreinander kämpfen“, sagte Link. Keine Frage: Die SG BBM ist seit Freitag wieder auf Kurs.

 
 
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