Bietigheimer Handballerinnen besiegen Buchholz-Rosengarten Die SG BBM beendet den Pokal-Fluch

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So sehen Siegerinnen aus: Die SG BBM Bietigheim holte sich beim Final Four in Stuttgart das erste Mal in der Vereinsgeschichte den DHB-Pokal.⇥ Foto: Marco Wolf

Die Bundesliga-Handballerinnen aus Bietigheim holen sich beim Olymp-Final-Four in Stuttgart nach zwei Deutschen Meisterschaften ihren dritten großen Titel.

Eigentlich könnten die Verantwortlichen der SG BBM Bietigheim die Stuttgarter Porsche-Arena nun getrost zu ihrem Wohnzimmer deklarieren. Schließlich standen die Bundesliga-Frauen bei den letzten drei Ausgaben des Olymp-Final-Four stets im Finale. Doch während sich die SG in den vergangenen zwei Endspielen jeweils hauchdünn mit einem Tor geschlagen geben musste, ist der Pokalfluch seit Sonntag, 18.45 Uhr, endlich Vergangenheit. Der zweifache Deutsche Meister besiegte den großen Außenseiter HL Buchholz-Rosengarten nach hartem Kampf mit 27:22 und darf sich nun auch endlich Pokalsieger nennen.

Guter Start, dann Einbruch

Bei den in der Bundesliga stark abstiegsgefährdeten Gästen aus dem hohen Norden, die am Tag zuvor mit dem 22:19-Sensationssieg gegen den Tabellendritten aus Blomberg den größten Erfolg ihrer Vereinsgeschichte eingetütet hatten, war im Duell mit Bietigheim vom Spielwitz des Vortages zunächst rein gar nichts mehr zu sehen. Anscheinend hatten die Niedersächsinnen im Halbfinale zu viele Körner gelassen. So zumindest schien es in den Anfangsminuten, als die Spielgemeinschaft schnell auf 6:1 wegziehen konnte. In dieser Phase fanden die Luchse überhaupt kein Mittel gegen den robusten Mittelblock der Bietigheimerinnen um Kim Naidzinavicius, Karolina-Kudlacz-Gloc und Danick Snelder. Nach vorne versuchte es die Truppe von Markus Gaugisch wie gewohnt vor allem über den Tempogegenstoß, den die schnellen Außen Amelie Berger und Antje Lauenroth sicher abschlossen.

Doch plötzlich häuften sich die technischen Fehler aufseiten der SG BBM. Nicht nur Kapitänin Naidzinavicius wirkte in ihren Aktionen fahrig: Pässe der Spielmacherin auf die durchstarteten Außen kamen nicht mehr an und auch vom Siebenmeterstrich, von wo die 30-Jährige im Halbfinale noch souverän abgeschlossen hatte, scheiterte sie. Die Folge: Buchholz holte Tor um Tor auf und war beim 7:8 nach 20 Minuten wieder dran. Auch eine Auszeit von Gaugisch brachte keine Besserung. Seine Sieben wirkte sichtlich nervös, während die Niedersächsinnen offenbar Blut geleckt hatten und merkten, dass sie dem haushohen Favoriten an diesem Tag durchaus ein Bein stellen können. Beim 10:9 durch die schon gegen Blomberg überragende Fatos Kücükyldiz lag Buchholz erstmals in Front, mit 13:11 ging es in die Kabine.

Im zweiten Durchgang baute Buchholz den Vorsprung auf 17:14 aus. Bietigheim verzettelte sich immer mehr in Klein-Klein-Aktionen, der Spielfluss war nun komplett weg. Doch da auch den Luchsen offensiv nicht mehr viel einfiel und auf der Gegenseite Naidzinavicius ihre Durchschlagskraft wieder entdeckte, Julia Maidhof von der Siebenmeterlinie traf und zudem Trine Ostergaard zweimal kurz hintereinander einnetzte, war die SG nach 44 Minuten wieder auf 19:19 heran.

Es dauerte bis zur 52. Minute bis Bietigheim wieder in Front lag. In den Schlussminuten zeigte dann die zum Saisonende in den Handball-Ruhestand gehende Anna Loerper noch einmal ihre ganze Klasse. Die zweifache Handballerin des Jahres zog Buchholz mit zwei Treffern in Serie zum 24:21 den Stecker. Die Luchse gaben sich nun auf, sodass die SG BBM schließlich das Endergebnis auf 27:22 stellte.

Bierdusche für Loerper

Nach der Begegnung stemmte  Anna Loerper als Erste zu den Klängen von Queen „We Are The Champions“ den Pokal in die Höhe und die SG BMM feierte ausgelassen den ersten Pokalerfolg ihrer Geschichte  – und das zusammen mit  Stine Jorgensen. Der Pappaufsteller der werdenden Mutter wurde rechtzeitig zum Gruppenbild dazugeholt. Und auch beim anschließenden Siegerinterview erhielt Loerper einen besonderen Dank ihrer Mitspielerinnen: eine zünftige Bierdusche. Ob sie ihren Abschied vom Handball nun noch einmal überdenken werde, wurde die 36-Jährige gefragt. Keineswegs: „Natürlich war das mein letzter Titel. Ich wollte immer ganz oben aufhören und bin jetzt überglücklich, dass ich meine Karriere so beenden kann.“

 
 
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