Bietigheimer Pferdemarkt 70 Gruppen beim Festumzug

Von Lisa Lorenz
Wenn eine der von Kaltblütern gezogenen Kutschen vorbeikam, klimperte nicht nur die schmuckvolle Ausrüstung der Pferde: Man spürte ihre Schritte sogar über den Boden. Foto: Oliver Bürkle

Beim Festumzug des Bietigheimer Pferdemarkts nahmen zehn Gruppen mehr teil als üblich. Eineinhalb Stunden lang konnten Zuschauer das Geschehen bestaunen.

In den Gassen der Bietigheimer Altstadt gibt es an diesem sonnigen 30-Grad-Celsius-Montag genug Schattenplätzchen, und doch sind schon eine Weile vor Beginn des Festzugs alle davon belegt. Sitzplätze auf Bänken und Treppenstufen wurden sich gesichert, andere haben gleich Campingstuhl oder für die Kinder eine Picknickdecke mitgebracht.

Einige Minuten vor Beginn begrüßt Moderator Günter Dlabal, Vorsitzender des Trachtenvereins Bietigheim, die Zuschauer mit „einem herzlichen Grüß Gott“. „70 Gruppen machen diesmal mit, das sind zehn mehr als üblich“, verkündet er. Um 14.05 Uhr startet der Festzug schließlich am Kronenzentrum und wandert über Löchgauer Straße, Karl-Mai-Allee, Hillerstraße, Hauptstraße und das Untere Tor in die Holzgartenstraße zum Festplatz vor der Sporthalle am Viadukt.

Eröffnet wird der Umzug von der Polizei samt Reiterstaffel bestehend aus vier Polizistinnen, auf ihn folgt der Reiterverein Bietigheim-Bissingen. Es dauert nicht lange, bis man das erste Klingeln und Bimmeln der schwer mit Schmuckausrüstung behangenen Kaltblüter hört. Sie ziehen die acht Kutschen mit den diesjährigen Ehrengästen, darunter Oberbürgermeister Jürgen Kessing. Auch die Landtagsabgeordneten Tobias Vogt und Taifun Tok sowie Landrat Dietmar Allgaier sind unter ihnen. Dlabal wünscht ihnen nach dem Umzug einen guten Durst, „das gehört zum Pferdemarkt dazu“.

Auf den Modellwagen der Stadt mit dem Viadukt als Wahrzeichen folgen der Trachtenverein Bietigheim, die Jupitergruppe Hausen der Privatkellerei Rolf Willy, der Ponyhof Müller mit „Shettys vor der Kutsche“ und Veras Ponyflitzer, die die bereits geringe Größe der Ponys des Ponyhofs Müller noch unterbieten. Aber nicht nur Pferde laufen mit: Auch die Rettungshunde der Malteser sind dabei und sorgen für allgemeines Entzücken.

Most für die Großen, Süßigkeiten für die Kleinen

Es folgen die „Wasserträgerinnen“ der Landfrauen Markgröningen, die das Tragen eines Holzeimers mit Wasser auf dem Kopf demonstrieren und die Folkloregruppe der Suryoye und Deutschen. Nachdem der Schwäbische Albverein die Erwachsenen mit einem, laut Dlabal, „guten schwäbischen ‚Moscht’“ versorgt, und der Musikverein Bissingen sowie Norbert Weissinger mit seinem „Lohnunternehmen aus Opas Zeiten“ passieren, verteilt die Karnevalsgesellschaft Buchfinken Leckereien an die vielen Kinder. „Kriege ich auch etwas?“, fragt eine Frau eines der Mädchen mit Süßigkeitenbeutel, aber das hört das Mädchen nicht: Sie beeilt sich, weiter zu laufen, immerhin hat sie auch noch eine Strecke vor sich.

„Das weibliche Geschlecht hat die Reiterei übernommen, muss ich feststellen“, sagt Dlabal, und bemerkt, dass bei dem Reit- und Fahrverein Bönnigheim und bei den Pferdefreunden aus dem Reitstall Braun vor allem Frauen und Mädchen mitreiten.

Günter Albrecht mit seinem Beitrag „März, Mai – mir langt mei Heu“ und Königin Olga und der Hochadel von Württemberg in Kostümen aus dem Jahr 1860 unterhalten die Zuschauer dann, bevor die Winzergruppe der Felsengartenkellerei Besigheim auf einem Traktor mit Hochsitz darauf entlang tuckert. „Viele der Gürtel, die die Frauen tragen, sind über hundert Jahre alt“, weiß Dlabal zum Verband der Siebenbürger Sachsen mit Trachten zu Festtagen aus Siebenbürgen Sachsen.

Bei den Dick- und Tierschädlern reitet ein (unechter) Hase auf einem Shetlandpony. Der Shettyexpress von Simone Raugust zeigt neben den historischen Standartenreitern mit Fahne von Jacqueline Bolz sowie den Freunden der iberischen Reitkunst die Vielfalt des Reitsports.

Die zu Fuß gehende Frau reicht hier dem reitenden Mann ihr Tuch, das sie um die Schultern trägt, wickelt sich dann ins Tuch ein, dann wieder aus, während der Mann das andere Ende des Tuchs in der einen, die lockeren Zügel in der anderen hält und das Pferd ruhig zwischen den Menschen, Lautsprechern und der Musik. Auf die beachtliche Gruppe der Abteilung Hockey des Bietigheimer Hockey- und Tennisclubs und die Maschinensammlung von Deutz folgt die Gemeinde Pleidelsheim, die auf ihrem Festwagen ein Modell des Rathauses haben. Dort sollten sie es stehen lassen, witzelt Dlabal, dann habe man nicht mehr den Ärger damit, da es mitten in der Straße stehe.

Judo-Zweikämpfe inmitten des Festumzugs

Der Judo-Club Bietigheim demonstriert sein Können mit Kampfvorstellungen, auf ihn folgen der Musikverein Ingersheim, die Erlebnisführer der Stadt Bietigheim-Bissingen und die Theatergruppe der Sportvereinigung Bissingen. Die Weingärtner Stromberg-Zabergäu schleppen eine 80 Kilogramm schwere Weinrebe mit und übertrumpfen damit die 30 Kilogramm der Felsengartenkellerei, die von zwei Kindern getragen wurde.

Die Guggenmusiker der Wefzga Bietigheim kündigen sich nicht nur durch ihre Quietschgrünen Shirts, sondern auch durch ihre Musikstücke in ohrenbetäubender Lautstärke an – spätestens jetzt leuchtet ein, warum einigen Kindern ein Gehörschutz aufgesetzt wurde.

Der ADFC Bietigheim-Bissingen zeigt Räder in allen Variationen: von E-Bike und Tandem über Lastenrad, Rikscha bis zu einem „Sportflitzer“ ist alles vertreten. Dann kündigen sich auch schon die letzten der 70 Gruppen an, und nach eineinhalb Stunden voller Traktoren, Pferde, Vereine und Musik von Groß und Klein verabschiedet Dlabal die Zuschauer: „Ade, bis nächstes Jahr.“

 
 
- Anzeige -