Hat der Nachweis einer Viruserkrankung bei einem Pferd im Landkreis Tübingen, die sogenannt Equine Infektiöse Anämie (EIA), auch Auswirkungen auf den Bietigheimer Pferdemarkt von Freitag, 29. August, bis Dienstag, 2. September? Oberbürgermeister Jürgen Kessing konnte bei der Vorstellung des diesjährigen Programms am Dienstagnachmittag im Festzelt Entwarnung geben. Er verwies dabei auf einen Brief des Landrats. Es gebe keinen Grund zur Panik, sagten Kessing und Tierarzt Dr. Friedrich Lindner. Bis jetzt sind laut Lindner alle Proben von Pferden, die Kontakt zu dem betroffenen Tier oder anderen Kontaktpferden hatten – dazu genüge der Aufenthalt in einem Umkreis von 200 Metern – negativ verlaufen, so auch bei einem Pferd aus dem Landkreis Ludwigsburg.
Bietigheimer Pferdemarkt Kessing erwartet bis zu 250.000 Besucher
Am Dienstag stellten die Verantwortlichen die Höhepunkte beim diesjährigen Bietigheimer Pferdemarkt vor, der am Freitag beginnt. Beim Thema Pferde-Virus gibt es Entwarnung.
Viele Pferde angemeldet
Das Virus ruft Blutarmut hervor und ist häufig tödlich, weshalb infizierte Tiere getötet werden müssen. Menschen können sich nicht anstecken. Lindner zufolge gibt es durchaus eine Angstwelle unter Pferdehaltern, die beruhe aber auf „Missinformation“. Klaus Dieterich, der Turnierleiter des Pferdemarktturniers und Landespräsident des baden-württembergischen Pferdesportverbands, kann jedenfalls keinen Mangel an Pferden verzeichnen, im Gegenteil. Bisher seien über 680 Tiere für die Wettbewerbe beim 89. Bietigheimer Pferdemarkt angemeldet. Auch wenn erfahrungsgemäß nicht jeder Reiter dann auch erscheine, sei das eine gute Nennung. Deshalb könne man am kommenden Freitag auch schon um 9 Uhr mit dem Pferdeprogramm starten, sagte Dieterich.
Anlässlich des Jubiläums „100 Jahre Bietigheimer Pferdemarkt“, der in neuerer Form erstmals 1925 stattfand, ist dieses Jahr am Sonntag das Haupt- und Landgestüt Marbach zu Gast und zeigt sein Schauprogramm „100 Jahre Hengstparade“. Der Auftritt wird am Sonntag um 12 Uhr auf den Festwiesen hinter dem Viadukt gezeigt sowie nochmals um 15.30 Uhr beim Reiterverein auf dem großen Turnierplatz, kurz vor Beginn des abschließenden Springens um den Großen Preis der Stadt Bietigheim-Bissingen. „Wir werden wieder großen Sport sehen“, sagte OB Kessing.
Jubiläum beim Ponyhof
Ergänzt wird das Schauprogramm am Sonntagvormittag mit Auftritten verschiedener Pferderassen (Friesen, Isländer und Noriker), vorgestellt von der Familie Egetemeyr, die schon mehrfach in Bietigheim zu Gast war.
Auch die kleinen Shetlandponys feiern in diesem Jahr ein Jubiläum auf dem Pferdemarkt. Der Ponyhof Müller ist zum 25. Mal mit seiner Großen Süddeutschen Zuchtschau und der „Shetty Sport Süd“ auf dem Platz. Am Samstag werden zahlreiche Shetlandponys in diversen Schauprogrammen ihr Können von 9 bis 17 Uhr vorstellen.
Aeronaut und Gladiator
Festwirt Karl Maier („Göckelesmaier“) zeigte sich sehr zufrieden über die Bewerbungen für den von ihm organisierten Vergnügungspark an den fünf Festtagen. Man habe „die allererste Garde“ an Betrieben zu Gast, die auch auf den großen Festveranstaltungen vertreten seien. Zu den Hauptattraktionen zählten der Aeronaut, das mit 85 Metern höchste XXL-Kettenkarussell, und der Gladiator (62 Meter), ein Fahrgeschäft, das sich laut Maier doppelt über Kopf dreht – „mit kolossaler Geschwindigkeit“. Gemütlicher ist man mit dem Riesenrad oder dem „Swing Up“, laut Maier ein Karussell für jedermann, unterwegs. Weitere Fahrgeschäfte für Erwachsene sind der „Shaker“ und der größte Autoscooter Süddeutschlands der Kritz KG. Insgesamt sind 50 bis 60 Beschicker vertreten, ähnlich wie in den Vorjahren.
Dass die Temperaturen während des Pferdemarkts abkühlen sollen, tut dem Fest aus Maiers Sicht keinen Abbruch. Schlecht seien hingegen große Hitze oder Unwetter.
HIT-Parkplatz nicht freigegeben
Die Göckele im Festzelt kosten diesmal 12,30 Euro, das Festbier 11,20 Euro pro Maß. Letzteres ist laut Oberbürgermeister Kessing auch schon gebraut, wie gewohnt wird als Festbier ein etwas stärkeres Bier angeboten. Aber auch alkoholfreies Bier gibt es, wie Daniel Zimmermann von der Firma Dinkelacker, dem traditionellen Bierlieferanten für das Fest, betonte.
Kessing rechnet mit bis zu 250.000 Besuchern beim Pferdemarkt. Wer mit dem Auto kommt, werde gebeten, nicht auf dem Parkplatz des Einkaufsmarkts Mühlwiesencenter/HIT zu parken, da diese Parkplätze für Festbesucher nicht freigegeben seien und elektronisch überwacht würden. Letztes Jahr hatte es Beschwerden über gebührenpflichtige Verwarnungen durch den Parkkontrolldienst des Unternehmens gegeben. Ebenfalls nicht rund um die Uhr geöffnet habe in den Nächten das Kaufland-Parkhaus in der Mühlwiesenstraße.
Fahrzeugsperren und Poller
Für die Sicherheit auf dem Fest sorgen laut Ordnungsamtsleiter Matthias Volk Polizei, DRK, THW und die städtische Ordnungsverwaltung, unterstützt von privaten Sicherheitsdiensten. Das Sicherheitskonzept sei fortgesetzt und ergänzt worden. Es gebe Durchfahrtssperren an allen Zugangswegen sowie am Montag beim Festumzug ab 14 Uhr auf den Hauptzufahrten. Volk nannte Fahrzeugsperren, Betonsperren und Poller.
Polizeikontrollen dienten nicht nur dem Jugendschutz, sondern auch anderen Auffälligkeiten. Cannabiskonsum ist beim Fest verboten, ebenso das Tragen von Waffen und Messern. Dieses soll durch stichprobenartige Kontrollen des Sicherheitsdiensts an den Eingängen überwacht werden. Stadt und Polizei appellieren auch an die Besucher, möglichst keine großen Rucksäcke oder Taschen mitzunehmen, um keinen Anlass für Unruhen zu stiften. Die Sperrzeiten für die Gastronomie auf dem Festgelände und in der ganzen Altstadt werden laut Stadtverwaltung wie gewohnt kontrolliert.
