Noch kann man sich durchschlängeln am Freitagabend im Reiterzelt, einem Festzelt des Bietigheimer Pferdemarkts. Leute verschiedensten Alters stehen in Grüppchen zusammen, tanzen und quatschen. Einfach das Leben feiern, so mutet die ausgelassene Stimmung bei den Besuchern an. Das Service-Team von den Getränkeständen hat mit dem Ausschank von Bier, Wein, alkoholischen und alkoholfreien Cocktails gut zu tun. Aus dem Partyzelt ziehen Nebelschwaden, der Blick schweift zum Reitparcours, dem imposanten Viadukt bis zum bunten Rummel.
Bietigheimer Pferdemarkt Trubeliger Spaß am Viadukt
Auf dem Reitturnier, Rummel und Krämermarkt vergnügt sich eine Vielfalt an Leuten. Von teuer bis lustig: Wie Händler, Besucher und Reiter das diesjährige Traditionsfest erleben.
Auf dem Weg zum Jahrmarkt ziehen viele Menschen vorbei, Polizisten sind darunter und es gibt vereinzelt Kontrollen. Cannabiskonsum ist auf dem Fest verboten, dennoch kommt einem gelegentlich der süßliche Geruch entgegen.
Junge und ältere Stammgäste
Hinter dem Viadukt auf dem Rummel steht das Fahrgeschäft Shake aus Osnabrück. Mit jeweils mehreren Umdrehungen wirbeln die Looping-Gondeln schnell im Kreis, der Rekommandeur heizt die – meist jungen – Fahrgäste ein. Ein Pärchen aus Bietigheim hat den Adrenalin-Kick soeben genossen. Ob ihnen dabei schlecht wurde? „Nö, ich bin ein Rummelkind“, antwortet die 24-jährige Franzi lachend. Ihr Freund Marco Candolfo, sagt, sie wollen jeden Tag aufs Fest. „Es macht Spaß, weil wir so viele Bekannte treffen“, so der 27-Jährige aus Bietigheim-Sand.
Gisela und Gerd Smida machen sich am frühen Samstagnachmittag zufrieden auf den Heimweg. „Wir gehen eigentlich jedes Jahr auf den Pferdemarkt, das ist unser Fest“, erzählt die 75-jährige Bissingerin. Mittags sei es noch angenehm von der Menge der Leute her gewesen. „Das Reitturnier am Freitag war auch sehr schön“, schwärmt die Seniorin. Am Montag möchte sie auf dem Krämermarkt Gewürze kaufen, ohne ihren 85-jährigen Mann, das sei ihm am Umzugstag zu trubelig.
Krämer vermisst Kunden
Das Paar läuft Richtung Ellentalgymnasien, wo auf dem Parkplatz die Ausstellung „Heim und Garten“ stattfindet mit Ständen zu Grills, Markisen, Haushaltswaren. An dem Nachmittag sind wenige Besucher da, an Biertischen werden entspannt in der Sonne Radler, Steaks und Kuchen genossen.
Ein Händler von Stahl – und Haushaltswaren, Ihsan Elmasli aus Reutlingen, verkauft seine Ware seit 50 Jahren auf dem Markt, der früher „landwirtschaftliche Ausstellung zum Pferdemarkt“ hieß. Der 68-Jährige bedauert sehr, dass nur noch wenige Leute den Weg hierher finden, auch da die großen Schaustellerwagen davor parkten. Es rentiere sich für ihn schon lange nicht mehr. Gekommen seien er und seine Helferin nur noch aus Tradition. „Höchstwahrscheinlich sind wir kommendes Jahr nicht mehr dabei.“
Der Weg führt Richtung Pferdeställe und Wohnwägen, wo es sehr ruhig ist. Die edle Springstute Cascada mit ihrer Reiterin Felicitas Funk und deren Freundin und Besitzerin des Pferdes Sophia Heck aus Sandhausen bei Heidelberg, machen sich bereit. „Ich bin guter Dinge“, sagt die 21-Jährige Profispringreiterin Funk für das kommende M**-Turnier über 135 Zentimeter.
Neben dem Reitturnier findet am Samstag der Württembergische Tag der Shetlandponys statt. Zur Begeisterung großer und kleiner Zuschauer zeigen hier die lebhaften Pferdchen ihr Können. Michael Bächtle sitzt auf einem sogenannten Sulky, einem Fuhrwerk, das mit Zügeln am Pony Karl May befestigt ist. Die beiden aus Denkendorf laufen zugleich einen Parcours, ein Zuschauer staunt: „Wie schnell die sind, der hebt mit seiner Kutsche ja gleich ab!“
Seniorennachmittag kommt an
Im großen Festzelt der Firma Göckelesmaier ist der Seniorennachmittag in vollem Gange. Elf Bewohner der Lebenshilfe Bietigheim sind wie jedes Jahr dabei, teils mit Rollstuhl. „Die haben sich sehr auf den Tag gefreut“, sagt ihre Betreuerin, Jasmin Güvercin. Ein Bewohner erzählt, dass es Schlagerstar Hansy Vogt ist, der die Menge so lustig mit Sprüchen und Liedern zwischen den Bierbänken unterhält.
Weiter geht es ohne Gedränge an Fahrgeschäften wie einer Geisterbahn, den Boxautos und duftenden Essensständen vorbei zum Crêpestand der Bietigheimer Genussmanufaktur Koppe. Der Chef persönlich, Markus Koppe, bereitet hier seit mehr als zehn Jahren frische Crêpes zu, „weil es großen Spaß macht. Es ist wieder mal sehr schön hier.“
Süß, laut und teuer
Franziska Czikmantori aus Weissach im Tal bei Backnang hat ihren Süßwarenwagen mit Magenbrot, gebrannten Mandeln und mehr ebenfalls in der Holzgartenstraße kurz vor dem Krämermarkt. „Mein Urgroßvater kam schon hier her, mit dem Bollerwagen per Zug“, sagt sie lachend und betont, wie sehr es ihr in Bietigheim gefalle: Das Publikum sei so freundlich, sie treffe Stammkunden, und es gebe eigentlich nie Ärger. „Es läuft für uns besser als letztes Jahr, als es so extrem heiß war“, so die 32-Jährige.
Im Eberhards daneben finden seit zwei Jahren abends während des Pferdemarkts „Partys am Wasser“ statt. Freitagabend gab es Afro House auf die Ohren, die Leute tanzten dicht an dicht auf der Terrasse an der Enz. Restaurantleiter Thomas Gkogkas, 25, ist sehr zufrieden: „Wir haben uns mit den ‚Partys am Wasser’ gesteigert und sind mittlerweile echt etabliert.“
Eine Ludwigsburger Familie mit drei Kindern macht sich auf den Heimweg. Sie waren zum ersten Mal auf dem Pferdemarkt. Gut habe es ihnen gefallen. „Aber laut und teuer war es“, sagt der Vater. „Innerhalb von zwei Stunden waren um die 100 Euro weg.“ Am meisten hat dem sechsjährigen Nick und seiner achtjährigen Schwester Lilly das Riesenradfahren gefallen.
