Bietigheimer Silvesterlauf Boch und Reh sind eine Klasse für sich

Von Michael Nachreiner
Rekordsieger Simon Boch hat einen weiteren Erfolg beim Bietigheimer Silvesterlauf zu seinen bisherigen hinzugefügt. Er trug sich zum fünften Mal in die Siegerliste ein.  Foto: Avanti/Ralf Poller

Der Rekordsieger von der LG Telis Finanz Regensburg holt sich den Titel beim Bietigheimer Silvesterlauf von Marcel Fehr zurück. Die Crosslauf-Team-Europameisterin deklassiert die weibliche Konkurrenz. Für beide ist es der fünfte Erfolg unterm Viadukt.

Das ist eine Machtdemonstration von Simon Boch (LG Telis Finanz Regensburg) gewesen: Der 28-Jährige sprintete beim 40. Bietigheimer Silvesterlauf in 31:47 Minuten zu seinem fünften Sieg bei Süddeutschlands größtem Silvesterlauf. Einzig sein Trainingspartner Adane Wuletaw Belete (LG Telis Finanz Regensburg) konnte ihm folgen. Er bewältigte die wegen einer Baustelle um einige Hundert Meter auf 10,75 Kilometer verkürzte Strecke in 31:50 Minuten.

„Es war extrem hart, ich habe es mir etwas leichter vorgestellt mit Adane. Er hat mich ganz schön gefordert und ganz schön gedrückt. Und wie das Äthiopier und Kenianer gerne machen, hat er Tempospielchen gemacht. Jedes Mal, wenn ich gedacht habe, ich kann mich mal ausruhen, ging es an der nächsten Ecke schon wieder weiter mit dem Ackern“, berichtet Rekordsieger Boch. „Immer wieder hing ich sieben, acht Meter hintendran. Ich musste wahnsinnig kämpfen. Ich habe aber immer dran geglaubt, dass ich auf den letzten 400 Metern schneller bin.“ Dritter wurde Florian Röser (TV Konstanz) mit deutlichem Rückstand von knapp zwei Minuten in 33:39 Minuten.

Die beiden Athleten der LG Telis Finanz Regensburg hatten schon nach der ersten Runde von nicht ganz fünf Kilometern eine Lücke von rund 45 Sekunden auf Florian Röser (TV Konstanz) und Paul Specht (Team Franz Weller Automobile) herausgelaufen.

Boch holte sich den Sieg von Marcel Fehr (LG Filstal) zurück, der 2019 bei der 39. Auflage des Bietigheimer Silvesterlaufs gewonnen hatte, als Boch krankheitsbedingt absagen musste. Die folgenden Jahre fiel der Wettkampf Corona zum Opfer. „Der Sieg ist für mich extrem wichtig. Deshalb wollte ich im Rennen auch nicht locker lassen, als ich gemerkt habe, Adane ist brutal gut“, erklärt Boch.

Marcel Fehr überrascht sich selbst mit dem sechsten Platz

Fehr, der in 34:23 Minuten Sechster wurde, war allerdings auch zufrieden. „Die Zeit ist egal, weil die Strecke nicht die gleiche wie 2019 war“, erklärt der 30-Jährige und fügt hinzu: „Ich wusste, dass ich nicht gewinne. Denn ich bin kein Leistungssportler mehr, sondern im Berufsleben angekommen und arbeite ganz normal 40 Stunden in der Woche. Ich habe zwar lange Leistungssport gemacht – das vergisst der Körper nicht –, aber es wäre schlimm, wenn man mit dreimal Training pro Woche das Gleiche läuft wie früher mit zweimal Training am Tag. Deswegen ist der sechste Platz für mich sogar überraschend gut.“

Alina Reh kommt direkt nach den zehn schnellsten Männern ins Ziel

Direkt nach den schnellsten zehn Männern erreichte Alina Reh (SSC Marathon Team Berlin) in 35:02 Minuten das Ziel. Mit ihrem fünften Erfolg unterm Viadukt wandelt sie auf den Spuren von Veronika Maiwald (gebürtige Manz), die mit acht Einträgen in die Siegerliste den Rekord hält. „Die Strecke hat es in sich. Aber die Stimmung ist immer wieder genial“, berichtet Reh. „Der Plan war eigentlich zu schauen, was meine Trainingspartnerin Eva Dieterich macht. Doch ich habe zu schnell die Geduld verloren und schon bei Kilometer drei die Initiative übernommen.“

Und Dieterich (Laufteam Kassel), die in 36:40 Minuten Zweite wurde, ergänzt: „Platz zwei war schon das, was ich mir vorgenommen hatte. Ich wäre aber gerne etwas schneller gelaufen. Vor allem, dass ich Alina nur den ersten Kilometer gesehen habe und sie dann weg war, war etwas frustrierend. Aber es hat übel Spaß gemacht – so eine Stimmung wie zum Beispiel in der Altstadt – hatte ich noch nie bei einem Straßenrennen in Deutschland.“

Als bester Lokalmatador lief Julian Großkopf (Team Optimove by Pudel) in 34:09 Minuten auf den fünften Platz. „Eigentlich war das Rennen ganz gut. Ich lag nach der Crosslauf-EM mit einem Infekt zwei Wochen flach und konnte erst an Weihnachten wieder anfangen zu trainieren“, erzählt der Oberriexinger. „Der Viertplatzierte Paul Specht kam am Ende relativ schnell näher. Er ist auch etwas eingegangen, wie er hinterher sagte. Der Plan war eigentlich, im Zweierteam vielleicht noch mal die Lücke zuzulaufen, als Kurt Lauer auf mich aufgelaufen ist. Er musste sich aber bei Kilometer sieben fast übergeben.“

Großkopfs Trainingspartner beim LAZ Ludwigsburg, Kurt Lauer, kam in 35:59 Minuten als 15. ins Ziel, gewann aber die Altersklasse U20. „Ich hatte große Magenprobleme, musste mehrere Male stehenbleiben und mich fast übergeben. Heute Morgen habe ich noch nichts gemerkt. Das kam erst so ab Kilometer fünf, dass ich jedes Mal, wenn ich Luft geholt habe, einen Brechreiz bekam. Am Ende bin ich eigentlich nur noch durchgejoggt. Denn von den Beinen und vom Puls war alles gut“, berichtet der Ludwigsburger.

Sonderwertungen gehen an Fabian Lafrenz und Nils Friedrichs

Die Bietigheim-Sonderwertung sicherte sich Fabian Lafrenz (Team 175 Jahre TSV). Der ehemalige Langstreckler der LG Neckar-Enz und jetzige Triathlet bewältigte die 10,75 Kilometer in 41:15 Minuten und verwies damit David Schuster (Team Rot) in 43:14 Minuten und Florent Feve (Valveo läuft) in 43:35 Minuten auf die Plätze.

Bei der Ludwigsburg-Sonderwertung stand Nils Friedrichs (Team Optimove by Pudel) ganz oben auf dem Treppchen. Er kam nach 37:15 Minuten ins Ziel. Auf den Plätzen folgten Sven Kratochwil (Team Blau) in 38:24 Minuten sowie Fabian Knobelspies (Team Optimove by Pudel) in 39:17 Minuten.

 
 
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