Bis 10. Dezember Aktionstage Ludwigsburg sagt Nein zu Gewalt gegen Frauen

Von Martin Tschepe
Schon die bloße Drohung mit der Faust ist eine Form von Gewalt. Foto: dpa/Maurizio Gambarini

In Ludwigsburg finden bis 10. Dezember Aktionstage statt, der Auftakt ist an diesem Freitag vor dem Rathaus. Von 16 Uhr an wird ein neues Theaterstück gespielt.

Gewalt beginnt lange vor den Schlägen, Worte können mitunter mehr wehtun als Prügel. Und wenn es um häusliche Gewalt geht, dann sind die Täter in den allermeisten Fällen Männer. Im Jahr 2021 seien allein in Ludwigsburg 715 „Körperverletzungsdelikte“ bei der Polizei angezeigt worden, erklärt die Gleichstellungsbeauftragte der Stadt, Judith Raupp, während eines Pressegesprächs im Rathaus. Anlass waren der Tag gegen Gewalt an Frauen am Freitag, 25. November, und die in der Kommune geplanten Aktionstage. Von diesen 715 Taten seien 568 von Männern begangen worden. Bundesweit, sagt Frau Raupp, seien durchschnittlich etwa 90 Prozent der Täter Männer. Und die Dunkelziffer bei der Zahl von häuslichen Gewaltdelikten sei hoch, sprich: viele Taten würden gar nicht angezeigt.

Junge Frauen erzählen von ihren Erfahrungen

Die Stadt Ludwigsburg organisiert zusammen mit Partnern, unter anderem mit dem Verein Frauen für Frauen und dem Kinderschutzbund, diesen Aktionstag am 25. November. Los geht’s um 13 Uhr in der Wilhelmstraße vor dem Rathaus mit einem Infostand von Frauen für Frauen. Um 16 Uhr werden Szenen aus dem neuen Theaterstück des Ludwigsburger Vereins Kulturwelt gezeigt. In „Das rote Zelt oder Wie sind wir nur so weit gekommen“ erzählen junge Frauen von ihren Erfahrungen mit Diskriminierung und Gewalt. Das komplette Stück wird am 9. und am 10. Dezember in der Karlskaserne aufgeführt.

Bei dem Gespräch im Rathaus berichtet Arezoo Shoaleh, die pädagogische Leiterin von Frauen für Frauen, dass das vom Verein getragene Ludwigsburger Frauenhaus lediglich über 19 Plätze für bedrohte Frauen und Kinder verfüge. 19 Plätze für den gesamten Landkreis mit gut einer halben Million Einwohnern, das seien viel zu wenige Plätze, sagt sie. Christel Holtzhausen, die Vorsitzende von Pro Familia, sagt, Gewalt fange bereits mit Sprüchen gegen Kinder und Jugendliche an, etwa mit „aus dir wird nie was“ oder „stell dich nicht so an“. Kinder, die Gewalt erlebten, würden als Erwachsene oft ebenfalls gewalttätig – ein Teufelskreis, den es zu durchbrechen gelte.

Am 1. Dezember findet eine Online-Fachkonferenz statt

Die Ludwigsburger Aktionstage gegen Gewalt an Frauen dauern bis zum 10. Dezember, dem Tag der Menschenrechte. Vor dem Rathaus wehen Fahnen unter anderem mit der Aufschrift „Stopp Gewalt gegen Frauen“, an mehreren Brücken in der Stadt hängen Banner, auf denen die Telefonnummer zu lesen ist, unter der Frauen Hilfe bekommen. Am 1. Dezember findet eine Online-Fachkonferenz statt, an der jede und jeder teilnehmen kann. Es geht dabei um die sogenannte Istanbul-Konvention, eine Übereinkunft des Europarats zur Verhütung und Bekämpfung von Gewalt gegen Frauen und häuslicher Gewalt.

Oberbürgermeister Matthias Knecht erklärt bei dem Treffen im Rathaus, dass Ludwigsburg die Erklärung „Gemeinsam gegen Sexismus und sexuelle Belästigung“ unterzeichnet habe, so wie bis dato etwa 50 weitere Kommunen in Deutschland und einige Unternehmen. Die Stadt habe damit unter anderem zugesagt, dass alle kommunalen Beschäftigten – immerhin rund 2200 Männer und Frauen – an einem Antidiskriminierungstraining teilnehmen müssen. Das sei nicht von heute auf morgen machbar, aber peu à peu müssten alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter geschult werden. Gestartet würde das Programm mit den Beschäftigten, die neu eingestellt werden, und mit den Führungskräften.

 
 
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