Bis zum 31. August keine Großveranstaltungen Top-Teams weiter in Wartestellung

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Überall, nicht nur im Basketball, ruht der Spielbetrieb weiterhin wegen der Corona-Pandemie ⇥ Foto: Bild: Jan Simecek

Bei den Klubs mit Profi-Spielbetrieb im Raum Bietigheim-Bissingen ist man sich noch nicht sicher, ob und wie sich die Verlängerung des Verbots für Großveranstaltungen auf den eigenen Verein und die Liga allgemein auswirken wird.

In gewisser Weise bietet die Entscheidung der Bundesregierung, Großveranstaltungen bis zum 31. August zu untersagen, Planungssicherheit. Das vorzeitige Ende der Saisons im Basketball, Männerhandball und Fußball, wie in vielen anderen Sportarten bereits vollzogen, scheint mit diesem Beschluss nur noch eine Frage der Zeit. Doch was die Zukunft betrifft, hängen alle weiterhin in der Luft.

„Keiner kann absehen was passiert, wann es wieder wieder losgeht“, nennt Gerit Winnen, Sportlicher Leiter beim nach wie vor amtierenden Deutschen Handballmeister der Frauen, der SG BBM Bietigheim, das Hauptproblem. „Wir können momentan nur abwarten, sind lediglich in einer reagierenden, keiner agierenden Position. Wir sind vollkommen abhängig von den Entscheidungen der Politik und der Handball Bundesliga Frauen.“  Besonders wehmütig wird ihm ums Herz, wenn er daran denkt, dass am Wochende eigentlich das Spitzenspiel gegen Tabellenführer Borussia Dortmund ansteht und die SG BBM da die Chance gehabt hätte, für eine Vorentscheidung im Kampf um den Meistertitel zu ihren Gunsten zu sorgen.

Bei den Basketballern der MHP Riesen Ludwigsburg steht eine Entscheidung noch aus – ob sportlicher Natur oder am Grünen Tisch. „Die Liga-Gremien haben sich von vorne herein bis spätestens Ende April Zeit gegeben. Ich erwarte eine Entscheidung spätestens in der kommenden Woche“, sagt Riesen-Pressesprecher Lukas Robert. Er könnte sich immer noch eine Lösung mit einem Saisonende ohne Zuschauer vorstellen. „Das, was die Bundesregierung jetzt verkündet hat ist sicherlich nur ein Faktor bei der Entscheidungsfindung, wenn auch ein sehr großer“, erklärt Robert seine Sicht und ergänzt: „Ich bin ziemlich sicher, dass die Basketball-Bundesliga die Saison, wenn möglich, irgendwie zu Ende spielen will.“

Kein Eishockey ohne Zuschauer

Ein solches Szenario kann sich Volker Schoch, Geschäftsführer der Bietigheim Steelers, im Eishockey nicht vorstellen. Dort ist die aktuelle Runde zwar längst beendet, doch der 31. August liegt gefährlich nahe am eigentlichen Start der neuen Saison im Eishockey, die in den beiden höchsten deutschen Ligen immer um den 15. September herum startet. „Eishockey ohne Zuschauer geht gar nicht“, betont Schoch. Doch er hat auch Hoffnung, dass es nach Ende der neuen Frist endlich wieder losgehen kann. „Die Vorbereitung müsste dann anders laufen. Die Testspiele sind ja immer im August. Ansonsten könnte aber ganz normal gestartet werden“, meint der Steelers-Geschäftsführer.

Schoch kann sich aber auch vorstellen, dass der Sport eine Sonderrolle einnimmt – in mehrfacher Hinsicht. „Zunächst müsste einmal bundesweit einheitlich definiert werden, was eine Großveranstaltung ist. Unser Spielbetrieb läuft ja über Ländergrenzen hinweg. Wenn es da keine einheitliche Regelung gibt, ist das nicht darstellbar.“ In diesem Zuge ist für ihn sogar eine komplette Sonderregelung für Sportveranstaltungen denkbar. „Sport ist kein Rock-Konzert. Mit Disziplin ist im Spielbetrieb einiges möglich. Und es zeigt sich derzeit jeden Tag, dass das Bewusstsein für Disziplin wächst“, begründet Schoch diese ungewöhnliche Idee. So oder so muss er aber immer noch davon ausgehen, dass die neue Saison planmäßig startet und entsprechend seine Planungen ausrichten. Die Arbeit an den Lizenzierungsunterlagen läuft weiterhin auf Hochtouren, und der Dauerkartenverkauf ist diese Woche auch angelaufen. Die Fans sind hungrig auf Sport-Action, das merkt der Steelers-Geschäftsführer und sagt: „Ich bin zufrieden mit dem Verkaufsstart.“

Im Gegensatz dazu geht es bei den Riesen darum, die bislang unterbrochene Saison noch über die Bühne zu bringen. „Unabhängig davon, was die Liga entscheidet, werden wir demnächst damit beginnen, dass die Fans ihre Dauerkarten für die restliche Saison zurückgeben können. Wenn die Liga doch noch einmal startet, bekommen sie sie natürlich wieder zurück“, berichtet Pressesprecher Robert. Parallel hat auch hier schon die Lizenzierung für die kommende Runde begonnen. „Es kann aber sein, dass die Bedingungen noch angepasst, dass Mindestvoraussetzungen noch reduziert werden“, so Robert.

Denn es ist klar, dass nicht alle Sponsoren kerngesund aus einer längeren Corona-Krise hervorgehen werden. Mancher Standort könnte da gefährdet sein, wenn sich die Bedingungen nicht ändern. Die Riesen haben immerhin schon von ihren großen Geldgebern signalisiert bekommen, dass sie auf sie zählen können. Aber der Ticketverkauf ist bei den Ludwigsburgern eben auch ein großer Faktor. Und der ist auch nach den Beschlüssen der Bundesregierung nicht absehbar.

Gut, dass Geschäfte öffnen

Bei den Zweitliga-Handballern der SG BBM Bietigheim ist die Situation ähnlich wie bei den Ludwigsburger Basketballern. Die Saison ist offiziell noch nicht beendet. „Wir besprechen gerade in der Liga, wie es nun weitergeht“, sagt Männer-Geschäftsführer Bastian Spahlinger, fügt aber an: „Ich glaube, dass nicht mehr gespielt wird.“ Dies sei jedoch keine direkte Auswirkung der Beschlüsse der Bundesregierung, sondern habe sich schon abgezeichnet. Spahlinger ist zwar der Ansicht, dass so langsam alles wieder anlaufen sollte, doch „wir haben eine Verantwortung, und es gibt momentan Wichtigeres als Sport“. Einen positiven Aspekt hat er aber auch in den verkündeten Maßnahmen gefunden: „Ich finde es gut, dass viele unserer Partner ab Montag wieder ihre Geschäfte öffnen können.“

 
 
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