Fälscher Kabinett in Bissingen Echter Kujau zwischen Fälschungen

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Es ist seine erste Auftragsarbeit: Der Kunststudent Kian Bartel (rechts) stellte für Marc-Oliver Boger und sein Kujau-Kabinett in Bissingen eine Büste des berühmten Fälschers her.⇥ Foto: Helmut Pangerl

Marc-Oliver Boger betreibt das Kujau-Kabinett in Bissingen. Er hat bei Kunststudent Kian Bartel eine Büste des bekannten Kunstfälschers, Konrad Kujau, in Auftrag gegeben.

Im Kujau-Kabinett in Bissingen können Besucher ab sofort nicht nur gefälschte und echte Kujaus besichtigen, sondern auch eine lebensnahe Büste mit dem Konterfei des legendären Fälschers, Konrad Paul Kujau. Das Werk stammt von dem 20-jährigen Kunststudenten Kian Bartels aus Ramsau bei Berchtesgaden und ist seine erste Auftragsarbeit.

Das der Kujau-Sammler Marc-Oliver Boger schon als Kind von dem professionellen Fälscher angetan war, erzählt die Geschichte von Bogers Schatzkarte. Das Papier sah einfach zu modern aus für die Schatzsuche. „Frag‘ doch Konrad Kujau“, wurde Boger geraten. So lernte er den Kunstfälscher kennen, der ihm riet, der Schatzkarte mit Schwarztee ein antiquarisches Aussehen zu verleihen. Kujau lebte in der Zwischenzeit in Bissingen, nachdem er sich mit seinem ersten Geld des Verkaufs der gefälschten Hitler-Tagebücher ein Einfamilienhaus in Bissingen gekauft hatte.

Auftragsarbeit Büste

Doch wie kam Marc-Oliver Boger zu dem Kunststudenten Kian Bartels? Er war im Gasthaus dessen Vaters in Oberbayern und das Gespräch kam auf Konrad Kujau, der früher nicht nur das Lokal Alt-Heslach in Stuttgart betrieb und dort kochte, sondern auch ein Kochbuch schrieb und illustrierte. Auch der Sohn der Gastwirtsfamilie hatte bereits eine Kochlehre hinter sich. Danach ließ er sich zum Kunstbildhauer ausbilden und fand dabei seinen Weg in Sachen Berufsfindung. Heute studiert Kian Bartels im ersten Semester an der Kunstschule in Freiburg und bekam deshalb von Boger den Auftrag für eine Büste von Konrad Kujau.

Mit seiner etwa 20 Kilogramm schweren Kujau-Büste auf dem Beifahrersitz trat Bartels die Reise nach Bissingen an. Sie steht jetzt mitten im Kabinett. Der echte Bartels zwischen vielen Fälschungen besticht durch das überlegene Lachen und die wachen Augen Konrad Kujaus. Er ist im Kabinett gegenwärtig, als würde er sich heute noch köstlich über die Opfer amüsieren, die er mit seinen Fälschungen übers Ohr gehauen hat, wie den Kriegsberichterstatter Gerd Heidemann, der ihm im Auftrag der Zeitschrift „Stern“ die gefälschten Hitler-Tagebücher abgekauft hat und dafür zu vier Jahren und acht Monaten Haft verurteilt wurde. Der wegen Urkundenfälschung und Betrugs zu 780 Tagen Haft verurteilte Kujau saß in „Santa Fu“ (Justizvollzugsanstalt Hamburg-Fuhlsbüttel) ein. Seine Zellentür hat Marc-Oliver Boger ersteigert und in seinem Kujau-Kabinett eine Art Zelle nachgebildet, in der alle gefälschten Skandale aus der NS-Zeit eingesperrt sind.

Talent für Skulpturen und Installationen

Für den 20-jährigen Kunststudenten aus Ramsau, der sein Talent in Skulpturen und Installationen sieht, war es das erste Mal, dass er die geballte Ladung an Kujau-Exponaten um sich herum sah. Über den Sammler Marc-Oliver Boger lernte er auch den Menschen Kujau kennen, interessiert sich der Nachwuchskünstler doch für den „Menschen innen und außen“ ganz besonders. Er mag die großformatigen Holzmenschen von Stefan Balkenhol, der Dozent an der Kunstakademie Karlsruhe ist und auch viel mit Bronze arbeitet. Beeindruckt von den Ausmaßen, welche die Verkäufe des Fälschers annahmen und auch nach seinem Tode noch auf dem Kunstmarkt florieren, hat sich Kian Bartels dem Echten verschrieben. Schließlich studiert er, bringt sich nicht alles selber bei, wie der berufslose Autodidakt Kujau, an welchem sich schon so mancher Gutachter die Zähne ausgebissen hat.

Studienzeichnungen muss Bartels, ähnlich wie Kujau, auch machen, aber eben eigene, anstatt Leonardo Da Vinci oder Pablo Picasso nachzuahmen. An einem Teil der Bibliothek sah der Nachwuchskünstler, dass Kujau in allen Lebenslagen gefälscht hat. Mittlerweile verbindet Konrad Kujau den Aussteller Marc-Oliver Boger und den Kunststudenten Kian Bartel. Deswegen plant Boger einen Kujau-Abend im väterlichen Gasthof von Kian Bartels. Dann lädt er sein Auto mit Kujau-Bildern voll und nimmt das Kochbuch gleich mit in die Heimat des Schöpfers der neuen Büste.

 
 
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