Bissingen verliert 0:1 Nullachter sind Ruf als Kickers-Schreck los

Von Andreas Eberle
Der Bissinger Rechtsverteidiger Andre Sirianni (links) behauptet hier den Ball gegen Flamur Berisha. Der im Sommer vom SGV Freiberg zu den Stuttgarter Kickers gewechselte Offensivmann erzielte in der 14. Minute das Siegtor für den Oberliga-Topfavoriten. Foto: Oliver Bürkle

Nach den beiden Überraschungscoups in der Vorsaison verliert die Bruchwald-Elf gegen den Oberliga-Topfavoriten aus Stuttgart-Degerloch knapp mit 0:1.

Rekordbesuch am Bruchwald, ein spannendes Duell bis in die Nachspielzeit und ein Trainer, der am liebten selbst mitgekickt hätte: Die Oberliga-Begegnung zwischen dem FSV 08 Bietigheim-Bissingen und den Stuttgarter Kickers ließ am Mittwochabend das Fußball-Herz höher schlagen. Allerdings konnten die Nullachter vor den 1308 Fans ihren Ruf als Kickers-Schreck diesmal nicht bestätigen. Nach den beiden Überraschungscoups aus der Vorsaison, in denen sie als einziges Team der Liga die Degerlocher zweimal bezwungen hatten, setzte es nun eine 0:1-Heimniederlage.

„Das war eine enge Kiste mit zwei unterschiedlichen Halbzeiten. Klar sind die Jungs jetzt ein bisschen traurig, aber es gibt keinen Grund, mit hängenden Köpfen vom Platz zu gehen“, bilanzierte Markus Lang. Besonders angetan zeigte sich der FSV-Coach von der Zuschauerresonanz: „Das war eine stattliche Kulisse, die das Spiel auch verdient hatte. Auch ich hätte mich da gefreut, als Spieler auf dem Platz zu stehen. Das macht einfach Spaß.“

Ex-Freiberger Berisha trifft

Weniger Spaß hatte ihm die erste Hälfte gemacht, in der seine Truppe heillos überfordert schien. Die Anfangsoffensive der in den gelben Auswärtstrikots spielenden „Blauen” wurde in der 14. Minute mit der Führung belohnt: David Braigs Hereingabe jagte der Ex-Freiberger Flamur Berisha per Direktabnahme aus 15 Metern flach ins linke Eck – unhaltbar für den sich vergeblich streckenden Sven Burkhardt.

Kurz zuvor hatten sich auch die zu Beginn zaghaften Hausherren eine gute Chance erspielt: Der in die Startelf gerückte Roman Kasiar scheiterte an Kickers-Schlussmann Ramon Castellucci, der mit einer Fußabwehr rettete. Ein Freistoß des Ex-Stuttgarters Benedikt Landwehr (5.) und ein Schuss von Valentyn Podolsky nach einer Einzelaktion (45.+1) waren die einzigen weiteren Highlights aus Bissinger Sicht.

Fast schon ehrfürchtig schauten die Nullachter bis zur Pause zu, wie der Topfavorit von der Waldau seine Klasse ausspielte. Obwohl ihr bester Mann, Kapitän Kevin Dicklhuber, wegen einer Schulterzerrung fehlte, dominierten die Gäste an der Waldstraße nach Belieben und zeigten die reifere Spielanlage. Mit dem 0:1 war der FSV 08 jedenfalls noch gut bedient. „Nach 20 Minuten habe ich die Halbzeit herbeigesehnt“, gab Lang später zu. In der Pause nahm er seine Schützlinge dann nach eigenem Bekunden eindringlich ins Gebet: „Zum ersten Mal, seit wir mit der Mannschaft zusammenarbeiten, bin ich in der Kabine lauter geworden – und die Worte haben gefruchtet.“

Worte und Wechsel fruchten

Nicht nur die Worte. Auch die taktischen Korrekturen des Trainers zur zweiten Hälfte wirkten. Nesreddine Kenniche ersetzte Kasiar im Sturm und erwies sich fortan als ständiger Unruhestifter. 1,98-Meter-Mann Pero Mamic rückte für Niklas Mahler in die Mittelfeldzentrale, um den wuchtigen Braig zu neutralisieren – der hatte im ersten Durchgang noch fast jedes Kopfballduell gewonnen. Und der eingewechselte Loris Hoffmann übernahm Mamics Part in der Mittelfeldzentrale.

Prompt war der Herausforderer vom Bruchwald besser in der Partie. Die Nullachter agierten nun viel mutiger und waren das deutlich aktivere Team. Nach einer Attacke von Luigi Campagna an Lukas Böhm im Strafraum konnte der Oberliga-Vizemeister froh sein, dass Schiedsrichter Marcel Lalka keinen Strafstoß für den FSV pfiff (50.). Kenniche kam dem Ausgleich zweimal besonders nah: Eine Parade von Castellucci (52.) und eine Rettungsaktion von Kickers-Ersatzkapitän Nico Blank, der den Ball auf der Torlinie wegköpfte (81.), verhinderten den ersten Oberliga-Treffer des Neuzugangs.

Erleichterung im Kickers-Block

Die Kickers waren nun längst nicht mehr so souverän wie im ersten Durchgang. Dennoch hatten auch sie noch die eine oder andere Chance zum entscheidenden 2:0. Die größte vereitelte Keeper Burkhardt mit einer Glanztat gegen Loris Maier, nachdem der sonst starke Andre Sirianni die Kugel verloren hatte (61.). Nach einer gut vierminütigen Nachspielzeit ertönte beim Abpfiff aus dem Kickers-Block ein lauter kollektiver Jubelschrei, in dem auch eine ordentliche Portion Erleichterung mitschwang.

„Zum Ende des Spiels hin waren die Kickers in einer körperlich sehr schwachen Verfassung. Wir waren da frischer. Wäre das Spiel noch zehn Minuten länger gegangen, hätten wir noch etwas geholt“, sagte Lang. „Jetzt müssen wir uns schütteln, der Blick geht nach vorne.“ Viel Zeit zum Hadern bleibt den Bissingern ohnehin nicht: Bereits am Samstag (14.30 Uhr) steht das Duell beim noch sieglosen Schlusslicht Freiburger FC auf der Tagesordnung.

 
 
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