Bissinger 0:4 gegen Reutlingen Lang übt Kritik an Solokünstlern

Von Andreas Eberle
08-Flügelspieler Filimon Gerezgiher, der hier Reutlingens Denis Lübke entwischt, kam nicht wie gewohnt auf Touren. ⇥ Foto: Oliver Bürkle

Der Oberliga-Trainer des FSV 08 Bietigheim-Bissingen redet nach der 0:4-Heimschlappe gegen den SSV Reutlingen Klartext. Die Gäste feiern am Bruchwald mit 130 Fans den vorzeitigen Klassenerhalt.

Nur wenige Meter trennten die Mannschaften auf dem Feld, die Gefühlswelten lagen aber weit auseinander: Nach dem 4:0-Sieg beim FSV 08 Bietigheim-Bissingen liefen die Oberliga-Fußballer des SSV Reutlingen zu ihrem mit 130 Fans gefüllten Block und entrollten ein Transparent. „Zusammen kämpfen – gemeinsam siegen“ stand darauf. Das Banner hatten einige Anhänger tags zuvor zum Training mitgebracht, um das Team auf die letzten drei Partien einzuschwören. Am Bruchwald feierten die Gäste am Samstag den vorzeitigen Klassenerhalt. Nun spielt es auch keine Rolle mehr, wenn das Sportgericht dem SSV die drei Punkte vom 6:0 gegen Bruchsal wegen eines Wechselfehlers aberkennen sollte.

Trainer legt Finger in die Wunde

Weniger lustig ging’s im Mannschaftskreis der Nullachter zu. Dort bekamen die Kicker die kritischen Worte von Markus Lang zu hören. Diese wiederholte der Trainer kurz darauf auch bei der Presserunde. „Es waren Spieler auf dem Platz, die denken, sie sind Solisten und müssen einzeln glänzen. Das funktioniert nicht – und das habe ich gerade auch angeprangert“, sagte Lang. „Wenn du drei, vier Spieler dabeihast, die nicht wollen, ist das zu viel. Dann gewinnst du kein Spiel.“

So deutlich, wie es das Ergebnis suggeriert, waren die Kräfteverhältnisse beim vorletzten Bissinger Heimduell in dieser Saison allerdings keineswegs. Auch ohne Kreativspieler Alexander Götz, der kurzfristig wegen eines Magen-Darm-Infekts ausfiel, erspielte sich die 08-Rumpfelf ein klares Chancenplus, das Lang später auf „20:6 oder 20:7 für uns“ taxierte. Eine Handvoll Möglichkeiten vergab allein Roman Kasiar. Die beste in der 21. Minute, als der Torjäger eine Flanke von Ken Hauser an den Pfosten köpfte.

Zu dem Zeitpunkt führte Reutlingen bereits mit 1:0. Nach einer Hereingabe von Samuel Mayer ließ sich 08-Keeper Tom Vahldiek aus dem Tor locken. Der Ex-Freiberger Onesi Kuengienda bediente seinen Sturmpartner Jovan Djermanovic mit einem Querpass, und der drückte den Ball aus drei Metern über die Torlinie (14.). Ein Ballverlust von Loris Hoffmann im Mittelfeld leitete kurz nach der Pause das 0:2 ein : Frederik Schumanns Aufsetzer schlug im langen Eck ein (49.).

In der Endphase wurde es ganz bitter für die Nullachter, die zuvor fünfmal in Folge ungeschlagen geblieben waren. Erst köpfte Denis Lübke eine Ecke ein (86.). Dann vertändelte Vahldiek nach einem schlampigen Rückpass von Anil Sarak den Ball an Kuengienda, der zum 0:4 einschoss (89.).

U19-Talente debütieren

„Das Ergebnis ist mir ein Tick zu hoch, unabhängig von unserer personellen Situation“, sagte Lang. „Das sind die Gründe, warum wir den Umbruch brauchen“, konstatierte der Coach mit Blick auf jene Akteure, bei denen er den letzten Biss und Willen vermisste. Zu den wenigen positiven Aspekten zählten die Debüts von Jeff Antwi und David Ladan aus der U19. Speziell der für Riccardo Gorgoglione eingewechselte Antwi sorgte auf dem rechten Flügel für frischen Wind und hätte fast das 1:2-Anschlusstor erzielt – seinen Schuss wehrte Reutlingens Schlussmann Enrico Alejandro Piu mit dem Fuß ab. „Jeff hat in den 20 Minuten mehr Aktionen gehabt als der Spieler davor auf seiner Position“, meinte Lang.

Lindner steht vor Rückkehr

Als weiterer Neuzugang ist ein alter Bekannter im Gespräch: Simon Lindner. Der 27-jährige Offensivmann wechselte 2020 nach sieben Spielzeiten am Bruchwald zum TV Darmsheim und ist bei dem Landesligisten mit 23 Treffern der Top-Torschütze. „Er war in der Vergangenheit ein Gesicht von 08. Es wäre überragend, wenn wir so einen Spieler für uns wiedergewinnen könnten“, kommentierte Lang die Spekulationen um Lindners Rückkehr.

Karoline Wacker pfeift DFB-Pokal-Finale der Frauen

Für Regelhüterin Karoline Wacker war das Oberliga-Duell in Bissingen die Generalprobe fürs DFB-Pokal-Finale der Frauen: Am Samstag (ab 16.45 Uhr) pfeift die in Murrhardt geborene Finanzbeamtin in Köln das Endspiel zwischen dem VfL Wolfsburg und dem 1. FFC Turbine Potsdam. Dies hatte der DFB am Donnerstag bekannt gegeben. „Ich sehe die Nominierung auch als eine Auszeichnung und Wertschätzung für die Arbeit, die mein Team und ich in den vergangenen Jahren geleistet haben“, sagt die 31-jährige Wacker, die inzwischen in Lehrensteinsfeld (Kreis Heilbronn) wohnt. Den anstehenden Einsatz im Rhein-Energie-Stadion bezeichnet sie als „eines der größten Spiele“ ihrer Karriere. Bereits beim Finale 2015 hatte die Fifa- Schiedsrichterin zum Unparteischen-Team gehört, allerdings nur als Vierte Offizielle. Kurios: Auch damals lautete die Paarung Potsdam gegen Wolfsburg.

 
 
- Anzeige -