Spektakel beim MSC Ingersheim BMX-Stars flitzen auf der Hausstrecke um die Wette

Von Andreas Eberle
Spektakuläre Sprünge auf der Ingersheimer BMX-Anlage: Elitefahrer Marco Jäckel vom TSV Betzingen (Nummer 400) gewann am Samstagnachmittag den siebten Bundesliga-Lauf und am Ende auch die Gesamtwertung. Beim Rennen am Sonntag musste er allerdings den beiden MSC-Lokalmatadoren und Kaderathleten Philip Schaub und Stefan Heil den Vortritt lassen. Foto: /Avanti/Herbert Schmerbeck

Trotz Jetlag geben sich die Weltklasse-Fahrer und Lokalmatadore Philip Schaub und Stefan Heil beim Bundesliga-Abschluss in Ingersheim die Ehre.

Das letzte Rennen der BMX-Bundesliga-Saison hatte es in sich. Dass Marco Jäckel vom TSV Betzingen die Gesamtwertung bei der Elite gewinnen würde, war zwar bereits vor dem Finallauf am Sonntag klar. Dennoch herrschte auf der Anlage des MSC Ingersheim Hochspannung, als sich die acht qualifizierten Fahrer zum Start bereit machten. Denn mit den Lokalmatadoren Philip Schaub, Spitzname „Schaubster“, und Stefan Heil hatten sich zwei Stars der Szene spontan zur Teilnahme am achten Lauf entschlossen – die beiden heißen Anwärter auf ein Ticket für Olympia 2024 in Paris sind normalerweise während der Saison meist im Ausland unterwegs und treten bei so kleinen nationalen Veranstaltungen nur in Ausnahmefällen an.

„Wir sind international schon extrem eingespannt. Bei den süddeutschen Meisterschaften 2017 bin ich das letzte Mal in Ingersheim ein Rennen gefahren“, erzählt Heil, der zuletzt dreimal in Folge Deutscher Meister wurde und mit Schaub am BMX-Bundesstützpunkt in Stuttgart trainiert.

Jäckel gewinnt Gesamtwertung

Am Sonntag blieb für den gebürtigen Rosenheimer allerdings nur der zweite Platz hinter „Schaubster“: Sein aus Pleidelsheim stammender MSC- und Nationalmannschafts-Kollege, der praktisch auf der BMX-Bahn am Neckar aufgewachsen ist, flitzte zum Tagessieg. Dritter wurde Jäckel, der sich mit 252 Punkten und 43 Zählern Vorsprung aber die Gesamtwertung vor Lucas Eisenschmidt (Sportfreunde Bispingen) sicherte. Der 23-jährige Reutlinger hatte am Samstag den siebten Lauf noch für sich entschieden – da allerdings noch ohne die Konkurrenz durch das Weltklasse-Duo Schaub und Heil.

Die beiden sowie der dritte Ingersheimer Spitzenfahrer Julian Schmidt – er pausierte am Wochenende – waren erst unter der Woche vom Weltcup in Kolumbiens Hauptstadt Bogotá zurückgekehrt, wo das Trio mit mehreren Viertelfinal- und Halbfinal-Teilnahmen fleißig Punkte für das Nationenranking gesammelt hatte. Trotz Jetlag präsentierten sich Schaub und Heil auf ihrer Heimatstrecke. Sehr zur Freude des Nachwuchses, der zu den BMX-Idolen aufschaut.

150 Euro für Platz eins

„Gerade für den Nachwuchs sind Bundesliga-Rennen wichtige Events. Für die Topfahrer ist der sportliche Stellenwert nicht so groß. Für uns geht es eher darum, Präsenz zu zeigen und unserer Vorbildfunktion gerecht zu werden“, sagt Jäckel. Und etwas Preisgeld lockt auch: Für Rang eins bei einem Elite-Lauf ist eine Prämie von 150 Euro ausgelobt, Rang zwei und drei bringen immerhin noch 100 und 50 Euro ein.

Von 2017 bis 2021 war Jäckel selbst Kaderathlet gewesen, ehe er seinen Platz und damit auch die Sportförderung verlor. Seitdem muss er seine Auslandseinsätze selbst finanzieren. Auf die Leistung habe sich das Aus im Nationalteam aber positiv ausgewirkt, wie der Deutsche Junioren-Meister von 2017 feststellt. Jäckel: „Ich habe mich auf den Spaß sowie auf mich selbst fokussiert und mich nicht mehr so sehr unter Druck gesetzt. Herausgekommen ist meine bisher beste Saison.“

Wie bei der männlichen Elite gab es auch bei den Frauen eine unangefochtene Bundesliga-Siegerin: Franziska Lengger vom MC Peissenberg gewann in Ingersheim auch die beiden letzten Läufe. Mit ihren 356 Gesamtzählern verwies sie ihre Verfolger Ronja Kinmayer von den Radsportfreunden Saarwellingen (271) und Emma Kroll vom RC Zugvogel Bielefeld (222) in die Schranken.

An den beiden Wettkampftagen kämpften jeweils 200 Fahrer aus ganz Deutschland um Punkte und Platzierungen. Zahlreiche Pavillons fungierten als Fahrerlager. „Wir hatten 70 Wohnmobile und Zelte auf dem Gelände. Es war schön, dass wir nach der schwierigen Corona-Zeit wieder so ein Event veranstalten konnten“, sagt Natascha Gerber-Schaub, die Vorsitzende des gastgebenden MSC.

Ein Rat vom Aushängeschild

Das Ingersheimer Aushängeschild Heil, das einst selbst als sechsjähriger Steppke mit der Trendsportart angefangen hat, hält nichts davon, wenn bereits die Jüngsten auf Leistung getrimmt werden. „Eltern und Trainer sollten keinen Stress oder Druck machen. Für Kinder geht’s noch um nichts, sie sollen in erster Linie Spaß haben. Es ist kontraproduktiv, wenn ein Elternteil sein Kind anmotzt, wenn es nicht weiterkommt.“

BMX-Fahrer des MSC Ingersheim zeigen sich am Neckar in Topform

Die 20 Lokalmatadore des MSC Ingersheim haben beim siebten und achten Bundesliga-Lauf ihren Heimvorteil genutzt. Sie verbuchten auf ihrer Hausstrecke an beiden Tagen jeweils acht Finalteilnahmen sowie insgesamt sieben Podiumsplätze. Aaron Joos feierte in der Männer-Klasse 17 bis 29 einen Doppelerfolg. Moritz Baßler wartete bei den Jungen 11/12 mit dem ersten und dem dritten Rang auf. Jona Brosz wurde am Samstag Dritter bei den Jungen 9/10. Hinzu kamen die Topplatzierungen der BMX-Asse Philip Schaub und Stefan Heil am Sonntag bei der Elite. 

Auch in der Gesamtwertung – also nach den acht Rennen in Plessa, Bispingen, Weiterstadt und Ingersheim – schafften fünf MSC-Fahrer den Sprung in die Spitzengruppe. Geehrt wurden Jona Brosz (Platz zwei Jungen 9/10), sein älterer Bruder Emil Brosz (Platz vier Jungen 13/14), Paul Schindhelm (Platz sieben Männer 17 bis 29), Ingo Schneider (Platz sechs Cruiser 45 bis 49) sowie Nick Vordermeier (Platz fünf männliche Elite).

 
 
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