BMX Von National- bis Hobbyfahrer

Von Michael Nachreiner
Leonas Widmann (Startnummer 981) hat in einem der Vorläufe schon am Ende des Startbuckels eine Reifenlänge Vorsprung vor der Konkurrenz. Foto: Ralf Poller/Avanti

Beim Ba-Wü-Cup in Bönnigheim geben sich einige Akteure der nationalen Spitze die Ehre. Für die meisten Athleten geht es aber um eine gute Zeit, auch wenn auf dem Rad der Ehrgeiz geweckt wird.  

Mit dem Nationaltrikot mit dem großen schwarzen Bundesadler auf der Brust und der deutschen Fahne bis zum Hosenbund darunter sticht Ville Walker im Starterfeld des Baden-Württemberg-Cups, kurz Ba-Wü-Cup, auf der BMX-Anlage des MSC Bönnigheim direkt heraus. Eigentlich sucht sich der 14-jährige Kornwestheimer andere Herausforderungen. Am nächsten Wochenende startet er beim Drei-Nationen-Cup in Ahnatal. Dort kämpfen die Auswahlfahrer Deutschlands, Belgiens und der Niederlande um die besten Platzierungen.

Konkurrenz zum Teil gehandicapt

Doch mit seinem Start in Bönnigheim will der Fahrer der Skizunft Kornwestheim „den Kleinen zeigen, wie gut man werden kann durch Training, ich will ein Vorbild sein“, erklärt er und fügt hinzu: „Der Sieg ist dennoch gut.“

Ville Walker dominierte alle vier Läufe der Klasse der 15- und 16-Jährigen mit dem 20-Zoll-Rad in Bönnigheim – auch das Finale. „Es war eigentlich klar, dass es ein Start-Ziel-Sieg von Ville werden wird“, berichtet Theo Heidebrecht, der sich mit dem zweiten Platz zufrieden geben musste. Der 15 Jahre alte Kornwestheimer hätte es seinem Vereinskameraden gerne schwerer gemacht. Doch „ich hatte zu wenig Training, musste nach einer Kopf-/Nackenverletzung drei Monate pausieren“, erzählt Theo Heidebrecht. „Allerdings ist Ville auch einfach schnell, er hat eine richtig gute Trackspeed, also eine richtig gute Geschwindigkeit.“

In die Phalanx der Kornwestheimer in dieser Klasse – unter den besten fünf Fahrern waren vier von der Skizunft – schob sich auf dem dritten Platz Valentin Wollny vom MSC Ingersheim, der sich nach jeweils dem fünften Platz in den ersten beiden Läufen jeweils den letzten Podestplatz im dritten Rennen und im Finale sicherte.

Walker ist international im Einsatz

Als Test der eigenen Form auf den Drei-Nationen-Cup in Ahnatal hat Ville Walker das Rennen in Bönnigheim allerdings auch gerne mitgenommen. „Ich habe gemerkt, dass ich gut drauf bin. Das Training der letzten Wochen und Monate hat sich gelohnt“, berichtet der 14-jährige Kornwestheimer.

Ebenfalls ganz oben auf dem Podest stand Leonas Widmann vom MSC Ingersheim bei den 13- und 14-Jährigen mit dem 20-Zoll-Rad – und verwies im Finale seinen Vereinskameraden Ruben Wollny sowie Paul Masch von der Skizunft Kornwestheim auf die Plätze. „Der Sieg bedeutet mir viel. Denn ich war vor Leuten platziert, die eigentlich besser sind als ich“, erzählt Widmann.

Im Finale hatte ihn aber die Wut gepackt. Lange hatte Ruben Wollny das Rennen angeführt. Doch in der letzten Kurve schob sich Leonas Widmann an seinem Vereinskameraden vorbei und ließ sich den Sieg nicht mehr nehmen. „Ich war sauer auf Ruben Wollny. Deshalb wollte ich unbedingt noch Erster werden“, berichtet er. „Ich habe einfach Vollgas gegeben.“

Der Anspruch, den Leonas Widmann hat, ist aber ein ganz anderer als bei Ville Walker. „Es geht mir vor allem um den Spaß. Und dann schaue ich, wie weit ich komme“, erklärt er. Nach diesem Motto geht er auch die gesamte Serie des Ba-Wü-Cups an, die in diesem Jahr aus sechs Renntagen besteht. „Ich schaue eigentlich von Rennen zu Rennen“, berichtet Leonas Widmann. „Aber dieses Jahr läuft es sehr gut. Deshalb hoffe ich auch in der Gesamtwertung auf eine gute Platzierung.“

Nur ein Sieg eines Lokalmatadors

Die Veranstalter vom MSC Bönnigheim ziehen auch ein positives Fazit, obwohl es mit Jonathan Lück nur ein MSC-Fahrer auf dem Podest ganz nach oben gebracht hat. Er siegte ungefährdet in der Einsteigerklasse der Fünf- bis Siebenjährigen. „Es gibt auch mal traurige Gesichter. Aber am Ende des Tages sind alle glücklich. Wir haben viele junge Fahrer“, berichtet Sportleiter Thimo Lovato. „Es ist bei uns immer noch Hobbysport. Aber wir haben einige Einsteiger dabei, die mehr ziehen wollen.“ Das wird auch gefördert. Mit dem erst 17-jährigen Jona Lanig haben die Bönnigheimer einen „sehr engagierten Trainer“ (Lovato), der trotz Ausbildung zwei Mal in der Woche den Kindern vermittelt, worauf es beim BMX ankommt.

 
 
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