Im Alter von gerade mal sechs Jahren ist Emil Brosz das erste Mal auf einem BMX-Rad gesessen. Mittlerweile ist das Crossrad aus dem Leben des gebürtigen Bietigheimers nicht mehr wegzudenken. Nachdem er auf nationaler Ebene bei den letzten vier Deutschen Meisterschaften in seiner jeweiligen Altersklasse triumphieren konnte, schickte sich Brosz an, auch bei der BMX-WM im australischen Brisbane (18./19. Juli) um die Medaillenränge beim U19-Wettkampf mitzumischen. Doch ein aufziehender Sturm in Down Under sorgte dafür, dass der Wettbewerb vorzeitig abgebrochen werden musste. Sein Viertelfinal-Rennen hatte Emil Brosz zwar gewonnen, konnte allerdings im Vergleich zu den anderen drei Halbfinalisten die schlechteste Zeit vorweisen. Deshalb wurde er schließlich zum WM-Vierten erklärt.
BMX-WM in Brisbane „Mein langfristiges Ziel ist Olympia“
Emil Brosz vom MSC Ingersheim sorgt in der BMX-Welt für Furore. Nachdem vier Deutschen Meisterschaften in Folge trumpft er jetzt auch auf internationaler Ebene auf.
Vor dem Europameister im Ziel
Nach den abgesagten Finalläufen ist das junge BMX-Talent vom MSC Ingersheim aber alles andere als enttäuscht. „Die Entscheidung war schon richtig so“, sagt der junge Mann, der in Brisbane mit der Nummer 854 am Start gewesen ist. „Der Wind hat nicht nachgelassen und es wäre viel zu gefährlich für uns Fahrer gewesen, unter diesen Bedingungen auf die Strecke zu gehen.“ Einen bleibenden Eindruck hat Brosz in Australien so oder so hinterlassen. Bereits im Vorlauf ließ der 17-Jährige den amtierenden Europameister Marco del Tongo (Italien) hinter sich. „Ich war relativ gut vorbereitet auf die WM, es war bei der DM und EM vorher auch gut gelaufen“, erklärt er. „In unserem Sport kann so viel passieren, deshalb bin ich sehr zufrieden, wie es für mich im ersten Jahr in der neuen Klasse gelaufen ist.“
Die Fahrer auf dem Podium waren alle ein Jahr älter als Brosz. Platz eins in der Altersklasse U19 ging an den Kanadier Lucas Zhou. Cameron Gatt (Australien) und Tommy Bruney (USA) belegten die Platze zwei und drei. Damit war Brosz der beste Europäer.
Deutschland sei in der BMX-Welt „keine Topnation“ sagt Brosz, aber es gebe jetzt einige gute junge Fahrerinnen und Fahrer, die von unten nachkommen. Dazu zählt natürlich auch Brosz selbst. Um mit der Weltspitze mithalten zu können, ist viel Fleiß und intensives Training notwendig. Der in Hessigheim aufgewachsene BMX-Fahrer wohnt mittlerweile auf dem Olympia-Stützpunkt in Stuttgart und besucht mit der Johann-Friedrich-von-Cotta-Schule eine Eliteschule des Sports. Dadurch kann er sein immenses Trainingspensum von bis zu zwei täglichen Einheiten aufrechterhalten, ohne viel im Unterricht zu verpassen. Am BMX-Sport fasziniert ihn das Freiheitsgefühl und, „dass man nichts geschenkt bekommt.“ Verletzungen gehören dazu, sagt Brosz. „Vor vier Jahren habe ich mir bei einem Sturz beide Hände gebrochen“, erzählt er. „Bei meinem ersten Europacup habe ich mir Anfang des Jahres in Verona ein Fingergelenk gebrochen und war sechs Wochen raus.“ Kleinere Gehirnerschütterungen treten nach Stürzen immer wieder auf.
Olympia 2032 im Visier
Doch Brosz lässt sich nicht von seiner großen Leidenschaft abbringen. Weiter eifert er seinem großen Vorbild Maik Baier nach. Der gebürtige Bietigheimer Weltmeister nahm an den Olympischen Spielen 2012 in London teil, bei denen der BMX-Rennsport zum zweiten Mal im olympischen Programm vertreten war. Auch Emil Brosz sagt klar: „Mein langfristiges Ziel ist Olympia.“ Doch bis dahin ist es noch ein weiter Weg für den 17-Jährigen. Nach der U19 muss er sich in der U23 bewähren, bevor es über die Elite in Richtung Olympische Spiele gehen könnte.
Anzuvisieren wären für Brosz die Olympischen Spiele 2032, die erneut in Brisbane stattfinden. Die australischen Metropole hat sich jüngst als gutes Pflaster für ihn erwiesen. Nun stehen für Emil Brosz aber sechs Wochen Sommerpause an, ehe es im September mit den Bundesliga-Rennen und einem Europacup-Lauf im belgischen Zolder weitergeht.
