Bönnigheim Abwassersystem bei Regen entlasten

Von Jürgen Kunz
Andreas  Mann bei der Reinigung der Regenüberlaufbeckens „Kläranlage West“. Foto: /Oliver Bürkle

Neun Regenüberlaufbecken betreibt Bönnigheim im Stadtgebiet, die mit den beiden weiteren Becken in der Nachbargemeinde Erligheim vom Team der Stadtentwässerung betreut werden. 

Ein Blick bei Arbeitsbeginn genügt für Abwassermeister Albrecht Hamm und seine Mitarbeiter, um den Zustand der neun Regenüberlaufbecken (RÜB) im Stadtgebiet zu kontrollieren. In Echtzeiten werden die notwendigen Daten über das Prozessleitsystem des Abwassermanagements virtuell auf dem Computer bereitgestellt. Darüber hinaus ist der Betrieb der RÜB elektronisch automatisiert. „Das verringert natürlich den Aufwand ganz erheblich“, erklärt Hamm, der mit seinem Team der Bönnigheimer Stadtentwässerung auch die beiden RÜB in der Nachbargemeinde Erligheim betreut.

In den 1990er-Jahren wurde der erste Bönnigheimer Regensammler zwischen Kirchheimer Straße und dem Schulzentrum gebaut. Sukzessive sind die RÜB „Nord“ (an der Meimsheimer Straße), „Lauffener Feld“, „Kläranlage West“, „Schlossfeld“, „Kläranlage Ost“, „Hofen West“, „Hofen Ost“ und „Hohenstein“ dazugekommen. Vier davon dienen auch als Pumpwerke, die Abwasser bedingt durch die topografische Lage zur Kläranlage zu befördern. So muss beispielsweise durch das Pumpwerk „Hohenstein“ das Abwasser auf einer Länge von 1500 Meter und mit einem Höhenunterschied von 34 Meter zur Bönnigheimer Kläranlage gepumpt werden.

Entlastung der Kläranlage

„Der Schmutz, der sich in Trockenwetterphasen in der Kanalisation ablagert, wird bei Regen zunächst in den RÜB aufgenommen“, erklärt der Abwassermeister deren Aufgabe. Das Regenwasser fließt zunächst in das sogenannte Trennbauwerk vor dem eigentlichen Regenüberlaufbecken. Dort wird der Wasserabfluss – am Beispiel des RÜB Schule – auf 72 Liter pro Sekunde reduziert. Das rückstauende Wasser steigt dadurch an, wird von den beiden Kammern mit jeweils einem Volumen von 450 Kubikmetern aufgenommen und nach dem Erreichen der maximalen Menge über eine Stauklappe in den Vorfluter der Kläranlage abgeleitet. Nach dem Regen werden automatisch nacheinander die Rührwerke des RÜB in Betrieb gesetzt, um den sedimentierten Schlamm in die Schwebe zubringen und letztlich dann in die Kläranlage abzupumpen. „Über alle RÜB werden elektronische Protokolle verfasst mit den Parametern Füllhöhe, Einstaudauer und Entlastungsmenge“, erklärt Hamm und ergänzt, dass alle Regenereignisse von der Stadtentwässerung genau dokumentiert und nachvollziehbar grafisch dargestellt werden.

Monatliche Vor-Ort-Begehung

Nach jedem Regenereignis werden die RÜB über das Prozessleitsystem überprüft, hinzu kommt eine monatliche Vor-Ort-Begehung. Im Rahmen der regelmäßigen Wartung kontrollieren die Mitarbeiter der Stadtentwässerung die Pumpen auf Verschleiß, da das Sand-Wasser-Gemisch auf deren Mechanik „wie Schleifpapier“ wirke, so Hamm. Außerdem werden die Rührwerke, die Sensoren der Messeinrichtungen sowie die Schiebereinrichtungen überprüft.

Abwassermeister Hamm betont: „Jedes RÜB muss einen Explosionsschutzplan und -Dokumentation haben.“ Dies sei unter anderem wichtig, wenn nach einem Verkehrsunfall beispielsweise Benzin in die Kanalisation gelangt.

 
 
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