Bönnigheim Bayern-Power flutet den Kulturkeller

Von Dietmar Bastian
Die „Wellbappn“ im Bönnigheimer Kulturkeller. Foto: Oliver Bürkle

Mit den „Wellbappn“ landet der Verein Kulturfenster einen Glückstreffer.

„Ja, wo sammer denn heit?“, fragt Hans Well, der Frontmann der „Wellbappn“, ins Publikum und bestellt Bönnigheim, der „kleinen Schwester Bietigheims“, Grüße vom BMW-Vorstand und aus der bayerischen Staatskanzlei. „Jo mei, warn mir froh, wia mr wieder aus Bietigheim draußen warn“, versichert er augenzwinkernd.

Well hat seine Tochter Sarah dabei, die nach längerer Pause wieder tüchtig mitmischt. Und den „etwas anderen Bayern“ Komalé Akakpo. Außerdem um die 20 Instrumente, die im Laufe des zweistündigen Abends allesamt zum Einsatz kommen. Die drei Oberbayern aus Türkenfeld am Ammersee sind in friedlicher Absicht angereist. Bayern und Schwaben – des „basst“ halt, auch wenn die bayerischen die besseren Schwaben seien, setzt Well einen kleinen Seitenhieb.

Von Söder bis Wagenknecht

Herrschaftszeiten, haben die ein Mundwerk. Da sprudelt und sprudelt es. Ob sie’s mit der Wahrheit immer so genau nehmen? Dass alle Kinder im Dorf wie der Bofrost-Mann aussehen, dürfte gelogen oder zumindest übertrieben sein. Und alle bekommen ihr Fett weg: Söder, die CSU, die Grünen, und die AfD sowieso: „O heiliger Markus, hilf!“ Mal verschandeln dia „Windradeln“, die anscheinend impotent machen, die wunderbare bayerische Landschaft, in der es ruhiger sei als auf dem Bönnigheimer Friedhof. Mal wird spekuliert, ob „der Höcke“ „die Wagenknecht“ heiraten würde, sollte der Oskar einmal nicht mehr sein.

Dann wird die Einwanderungspolitik in den USA auf die Schippe genommen, die man auf zwei Wörter reduzieren könne: „How up!“ Und dann kommt ein Song, ein Blues, auf die Deutsche Bahn, bei dem das Publikum den Refrain „Schienenersatzverkehr“ mitsingen darf.

Ach ja, die Musik: Die drei „Wellbappn“ sind ausgebuffte Musikanten, die aus und mit allem Musik machen, und wenn’s nur Bierflaschen sind. Hier klingt es wie leichtfüßige „Stubenmusi“, auf die sich wunderbar Reime improvisieren lassen, dort wie katholische Messgesänge, die zu Hohn und Spott einladen: „Illegal, scheißegal, was bringt Stimmen bei der Wahl? Schampus, Prosit, Profit, Jubilate, Syndikate, adoremus Mammon.“

Aber auch flotte Bluesgrass-Titel oder einen Tango – ganz nach dem Motto: Wer ist als Erster fertig? – haben sie drauf. Und dann wird gejodelt und geblödelt, was das Zeug hält. Nicht mal Trumps Eierproblem bleibt unerwähnt, so aktuell sind die Türkenfelder, die sich Sorgen um den Fortbestand des Döners machen – sollte es mit der Remigration klappen.

„Stubenmusi ist halt scho ein bissle älter, beim letzten Mal sind zwei gstorbn, deshalb macha mr jetzt Hip-Hop“, heißt es etwas atemlos, und dann geht es um ein Sondermodell „Mercedes Demenz“, das Penisverlängerung inklusive anbiete – angeblich. Auch ein Reggae, zu dem eine Polizeistaffel zur Rasta-Fahndung ausrückt, darf nicht fehlen.

Weil im Publikum einige Gewerkschafter der GEW sind, widmen sich die drei „Wellbappn“ ausgiebig dem Thema Schule, schwadronieren aber leichtfüßig gleich in den nächsten Aufreger hinein: Trump und seine imperialistischen Ideen. Nein, sagt Hans Well kopfschüttelnd, Grönland und Kanada gingen nicht, aber Thüringen könne er, wenn er unbedingt wolle, haben.

Hells Angels auf Lastenrädern?

Der Ruck beim Klimawandel müsse endlich kommen, heißt es weiter. Geklappt habe es aber erst dann, wenn die Hells Angels auf Lastenfahrräder umgestiegen seien. Sorgen bereite es ihnen, dass die Araber am Arber ein Islam-a-Bad bauen wollten. Denn man wisse doch: „Der Saudi is a Raudi, die Sau-di“.

Die zwei Stunden im vollbesetzten, atmosphärisch einzigartigen Bönnigheimer Kulturkeller vergehen wie im Flug. Der Verein Kulturfenster hat alles im Griff, auch die Bewirtung, die Technik und alles drumherum. Im nächsten Jahr feiert man das 25-jährige Bestehen. Dann wird gefestet – und hoffentlich weitergemacht.  Dietmar Bastian

 
 
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