Bönnigheim/Brackenheim Sorgen bei den Mitgliedern wachsen

Von Jürgen Kunz
Der Standort Bönnigheim der WG Stromberg-Zabergäu wird aufgegeben. Was mit dem Anwesen passieren wird ist noch unklar, zumal der Bebbaungsplan das Areal als Sondergebiet ausweist. Foto: Martin Kalb

Nach den Vorstandsberichten bei der Generalversammlung der WG Stromberg-Zabergäu ist die Stimmung im Kelter. Die BZ hat bei den Mitgliedern nachgefragt.

Die Stimmung ist allgemein mies“, so beschreibt ein Mitglied der Weingärtnergenossenschaft Stromberg-Zabergäu seinen Eindruck von der Generalversammlung am 3. November. Doch nicht nur die von der BZ befragten WG-Mitglieder formulieren ihre Sorgen über den Zustand und die künftige Entwicklung der Genossenschaft, andere Mitglieder haben in einem offenen, aber anonymen Brief an den Vorstand „die aktuelle Notlage unseres Unternehmens und die anhaltenden Fehlentscheidungen“ bemängelt.

Keine Antworten auf BZ-Fragen vom Vorstand

Die schriftlichen Fragen der BZ-Redaktion an den Vorstand wollte Vorstandsvorsitzender Jürgen Conz nicht beantworten und verwies auf die „Informationspflicht gegenüber unseren Mitgliedern“. Deshalb werde man an diesem Donnerstag im Rahmen „einer absolut vertraulichen genossenschaftsinternen Informationsveranstaltung unter anderem auch über die von Ihnen genannten betriebsinternen Themen“ reden. Der Vorstand werde dabei „ausführlich und sachlich die komplexen Zusammenhänge der momentan herausfordernden Lage sowohl bei uns wie auch in der gesamten Weinwirtschaft erläutern und erklären“, so Conz.

Wie die von der BZ befragten WG-Mitglieder betonen, sei die bei der Hauptversammlung vorgestellte Bilanz für 2024 „niederschmetternd gewesen“. Auch die prognostizierte Entwicklung des Traubengelds macht den Mitgliedern Sorgen. Wie bei der Generalversammlung von den Vorständen Conz und Frank Braun sowie im Bericht des krankheitsbedingt abwesenden Vorstands und Geschäftsführers Dr. Bernd Kost erläutert worden sei, habe es in den vergangenen beiden Jahren eine Überbezahlung beim Traubengeld gegeben: „Es wurde mehr ausbezahlt als eingenommen.“ Nach Berücksichtigung dieser Überbezahlung sei ein Traubengeld in Höhe von 40 Cent pro Kilogramm prognostiziert worden. „Davon kann ein Wengerter nicht leben“, betonen die WG-Mitglieder. Zumal das Traubengeld je nach Liquidität der Genossenschaft ausbezahlt werden soll.

Vorstand im ersten Wahlgang nicht entlastet

„Solange ich mich erinnern kann, wurde bei der Generalversammlung der Vorstand immer per Akklamation entlastet“, erinnert sich eines der angesprochen WG-Mitglieder. Bei der Generalversammlung am 3. November wurde eine geheime Abstimmung gefordert, mit dem Ergebnis, dass Conz, Braun und Kost in der ersten Abstimmung nicht entlastet wurden. Im notwendigen zweiten Wahlgang wurden Vorstandsvorsitzender und Stellvertreter mit knapper Mehrheit entlastet, Vorstand und Geschäftsführer Kost jedoch nicht.

Die anonymen Verfasser des offenen Briefs an den Vorstand schätzen dies so ein: „Aus unserer Sicht zeigt sich damit deutlich, dass der Vorstand mit der aktuellen Lage komplett überfordert ist.“

In einem Rundschreiben an alle Mitglieder vom 2. Dezember gehen die beiden Vorstände Conz und Braun auf die in der Generalversammlung erläuterte „negativen Geschäftsentwicklung“ ein und verweisen in ihrer Beurteilung „auf einen tiefgreifenden Wandel, der unsere wirtschaftliche Lage spürbar verschlechtert – sowohl regional als auch europaweit“.

Massive Mitgliederkritik an Unternehmensentscheidungen

Dieser Einschätzung widersprechen die Verfasser des offenen Briefs: „Im Vergleich zu den direkten Nachbarbetrieben, die sich im gleich schwer umkämpften Markt behaupten müssen, sieht man die Folgen eurer unübersehbaren und nachhaltigen Fehlentscheidungen“. Im Rückblick wird von Mitgliedern nochmals die Entscheidung zur Aufgabe des Standorts Bönnigheim kritisiert. „In den vergangenen Jahren hat man in Bönnigheim viel in eine moderne Kellereitechnik investiert, während in Brackenheim in Marketing und Weinpräsentation Investitionen geflossen sind“, so ein WG-Mitglied im Gespräch mit der BZ. Im offenen Brief an den Vorstand wird die alleinige Traubenannahme in Brackenheim massiv kritisiert: „Um dem Ganzen die Krone aufzusetzen, wurden die Mitglieder überredet, dem Bau einer überdimensionierten und vom vom Betriebsleiter laienhaft geplanten Traubenannahme für knapp eine Million zuzustimmen, bei wissentlicher Kenntnis, dass die Fläche massiv sinken muss. Lassen sich doch Weine der Jahrgänge 2021, 2022 und 2023 bereits nicht mehr marktgerecht verkaufen.“

Vorstand will Anbauflächen „deutlich reduzieren“

Wie die beiden Vorstände in ihrem Mitgliederrundbrief betonen, sei bereits im Fusionsgutachten von 2012 ein jährliches Ziel von fünf Prozent Steigerung des Flaschenweinumsatzes festgelegt worden. Diese Ziel sei nie erreicht worden – im Gegenteil, der Absatz von Flaschenwein sei weiter gesunken. „Deshalb ist es dringend notwendig, dass wir unsere Anbauflächen an den realistischen Bedarf der kommenden Jahre anpassen, also deutlich reduzieren müssen. Und das bis zur nächsten Ernte 2026“, schreiben Conz und Braun.

An diesem Donnerstag, 11. Dezember, werden nun „zunächst die aktiven, bewirtschaftenden Mitglieder“ zu der auf der Generalversammlung angekündigten Informationsveranstaltung „zur Restrukturierung unserer Genossenschaft“ eingeladen.

 
 
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