Bönnigheim Damit der Mühlbach nicht zum reißenden Strom wird

Von Birgit Riecker
Bönnigheim will sich mit einem umfassenden Hochwasserkonzept für den Mühlbach, der hinter dem Freibad verläuft, vor einer potenziellen Überschwemmung schützen. Foto: /Martin Kalb

Ein neues Konzept für den Mühlbach soll Bönnigheim vor Flutkatastrophen wie im Ahrtal schützen. 1,6 Millionen Euro soll das  Vorhaben kosten.

Ist es nötig, dass die Stadt 1,6 Millionen Euro für den Hochwasserschutz am Mühlbach ausgibt? Das „kleine Bächle“ fließt eigentlich ganz harmlos vom Stromberg runter. Doch die Bilder aus Braunsbach, vom Ahrtal oder auch aus Mundelsheim, sind den Mitgliedern des Technischen Ausschusses vor Augen: Einstimmig empfahlen sie dem Gemeinderat eine Hochwasserrückhaltung vor den Toren Bönnigheims. Im Westen zwischen Freibad, Sportanlagen und Tennisplätzen könnte die Überschwemmungsfläche entstehen.

Seit 2016 in Planung

Neu ist das Thema nicht. Bereits 2016 gab es eine erste Planung. Damals war ein Becken mit einem Einstauvolumen von 17 800 Kubikmetern vorgesehen. Es sollte ein Hochwasser, wie es alle eintausend Jahre auftritt, auffangen. Die Kosten wurden mit rund 700 000 Euro angenommen. Die Vorbereitungen begannen: Da alle betroffenen Grundstücke im Besitz der Stadt sein müssen, wurden Grundstücksverhandlungen geführt, die artenschutzrechtliche Prüfung sowie die landschaftsplanerische Begleitplanung erstellt.

Neues Konzept steht

Jetzt ist man einen Schritt weiter. Bis auf ein Grundstück gehören nun alle Wiesen und Obstbäume der Stadt. Mit Hilfe eines Hochwasserschutzkonzepts, welches das gesamte Mühlbach-Einzugsgebiet umfasst, folgte eine Überarbeitung der Planung, die dem aktuellen Stand der Technik entspricht.

900 000 Euro Mehrkosten

Wenig überraschend steigen die Kosten auf nunmehr 1,6 Millionen Euro. Das liegt allerdings nicht allein an den gestiegenen Preisen. Das konnte Projektleiterin Ramona Fode von der Firma SI Beratende Ingenieure in Weilheim/Teck erklären: Im ersten Anlauf sei ein Becken mit Blende ohne jegliche Steuerung vorgesehen gewesen. Würde es überlaufen, strömten rund 90 Sekundenliter ungebremst in die Stadt. „Das ist zu heftig“, meinte sie. Daher soll nun technisch aufgerüstet werden. Südlich der Wohnmobilstellplätze beginnt ein Damm bis auf eine Höhe von 3,50 Metern zu steigen. Er tangiert den bestehenden Bolzplatz, der ein wenig verlegt werden müsste und führt entlang des Stadions bis zum Kiosk und den Garagen und endet am bestehenden Feldweg.

Bach wird teilweise renaturiert

Dieser Damm muss natürlich standfest sein und darf eine Neigung von 1:3 nicht übersteigen. Der Mühlbach, der den Damm unterquert soll als Ausgleichsmaßnahme außerhalb der Stadt renaturiert werden. Die unterirdische Kanalisierung (eine sogenannte Verdolung) des Mühlbachs unter dem Sportplatz soll hingegen bis zum Damm weitergeführt und die Wasserführung von dort gesteuert werden können.

„Dann können wir den Ablauf im Notfall auf null drosseln“, erklärte Fode. Denn es hätten sich große Änderungen beim Stand der Technik insbesondere bei der Sicherheit ergeben. So wird es einen zweiten Notüberlauf in Richtung Burgstraße geben, damit die Beckenabwirtschaftung flexibler gestaltet werden könne. Der Erdwall diene als Absperrbauwerk, das befahren werden könne. Das übrige Gelände bleibe unverändert.

Aischbach wird verlegt

Hinzu komme allerdings noch, dass der Aischbach verlegt und einer der Brunnen, die für das Freibad genutzt werden, vor einlaufendem Wasser geschützt oder ebenfalls verlegt werden müsse. „Dieser Brunnen ist sowieso sanierungsbedürftig“, ergänzte Bürgermeister Albrecht Dautel.

Mit seiner Frage, ob die Unterlieger, also die Anrainer des Gewässer unterhalb des Bönnigheimer Mühlbachabschnitts, bei dieser Maßnahme mitzahlen würden, löste Stadtrat Michael Gerdes (UWG) eine gewisse Heiterkeit aus. Denn einer der Unterlieger ist der Stadtteil Hohenstein.

Und der andere Unterlieger, die Gemeinde Kirchheim, bezahle die Hochwasserschutzmaßnahmen auf ihrer Gemarkung, stellte Dautel klar. „Wir benötigen auch keinen Zweckverband“, ergänzte Bauamtsleiter Peter Knoll. „Denn wir bekommen auch so die höchstmögliche Förderung.“ Und die liege bei 70 Prozent der zuwendungsfähigen Ausgaben, wenn auch der Kosten-Nutzen-Faktor erfüllt werde.

Stadtrat Frank Sartorius (FWV/CDU) dachte gleich weiter: Wie wäre es, den Rückhalteraum doppelt zu nutzen und eine Solaranlage zur Erwärmung des Freibadwassers draufzubauen? Doch davon riet Projektplanerin Ramona Fode ab: Gehölz würde sich an der Aufständerung verkeilen, fürchtete sie.

UWG-Rat Markus Stahl erinnerte an den Flächennutzungsplan, der südlich des Mühlbachs die Erweiterung des Freizeit- und Sportgeländes vorsehe. Und sein Fraktionskollege Hans-Martin Jäger brachte es noch einmal auf den Punkt: „Haben wir vielleicht bisher nur Glück gehabt?“, fragte er. Von der ersten Planung bis zur Umsetzung könnten wohl zehn Jahre vergehen, fürchtete Jäger und betonte: „Es darf keinen Aufschub mehr geben.“ Der Bönnigheimer Gemeinderat entscheidet am 26. Mai.

 
 
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