Rund 60 Besucher ließen sich am Samstagabend im „Roten Saal“ des Bönnigheimer Schlosses von einem Auftritt der besonderen Art des Musiktheaters „Das ganze schrecklich schöne Leben“ überraschen. Eine Veranstaltung des „Kulturfenster“-Vereins in Kooperation mit der Stadt. Monika Schmitz, Mike Janipka und Rüdiger Erk entführten ihr Publikum dabei mit Texten und Liedern auf eine Zeitreise zurück bis in die Antike zur griechischen Dichterin Sappho, die als wichtigste Lyrikerin des Altertums gilt. Das Thema über alle Epochen blieb gleich: die Liebe.
Bönnigheim „Das ganze schrecklich schöne Leben“
Musiktheater nimmt das Publikum im Schloss mit auf eine abwechslungsreiche musikalisch-literarische Reise durch die Jahrhunderte zum Thema Liebe.
Alphabet der Liebe
Schmitz mit klassischer Gesangsausbildung und Mezzosopran-Stimme „als führendes Instrument“ spielte Geige und musizierte im Wechselspiel mit Liedermacher Janipka an der Gitarre, der zu einem großen Teil auch eigene Kompositionen vortrug. Das Duo hatte sich vor drei Jahren Rüdiger Erk vom Theater „Rampenfieber“ aus Besigheim dazu geholt, der als Sprecher ins Thema einführte und für literarische Übergänge zwischen den Liedern sorgte. Dabei stellte er immer wieder Bezüge zu Goethes „Die Leiden des jungen Werthers“ her, der sich aus unerfüllter Leidenschaft am Ende bekanntlich das Leben nahm. Erk buchstabierte an seiner alten mechanischen Schreibmaschine ein Alphabet der Liebe zum Beispiel mit „A“ für Anbetungswürdigkeit, „E“ für Eifersucht, „S“ für Sehnsucht und „V“ für Verzückung. Vier von 80 Stichworten des französischen Philosophen Roland Barthes, der diese in seinem Buch „Fragmente einer Sprache der Liebe“ 1977 lexikonartig zusammengestellt hat. Neben dem Tippen des Liebes-ABCs schlug Erk die Tasten auch einfach mal als viertes Instrument neben Geige, Gitarre und Gesang im Rhythmus der Lieder an.
Während Monika Schmitz mit ihrer Stimme den Saal mit Leichtigkeit ausfüllte und unter anderem Francesca Caccini, die „Nachtigall von Florenz“ aus dem 17. Jahrhundert auf italienisch interpretierte („Wenn jemand glaubt, es sei süß, sich der Liebe zu erfreuen, dem sage ich, süßer ist es, der Liebe zu entkommen!“), bediente sich Mike Janipka der eher leiseren, schmeichelnden Töne und trug seine Gedanken über Freude, Fremdgehen, Verliebtsein oder Lügen mit virtuoser Gitarrenbegleitung vor.
Hautnah-Konzert berührt
Das Publikum zeigte sich von dem abwechslungsreichen Auftritt berührt. Auch wenn man die teils englischen und italienischen Texte nicht alle komplett verstehen konnte, seien die Emotionen durch Musik und Stimmen deutlich geworden, so der Tenor. Das passende Ambiente im Schloss, die ergänzenden Texte und der hautnahe Kontakt zu den Künstlern ließen eine ganz besondere Atmosphäre entstehen, war man einig.
Am Ende der Vorstellung zupfte Erk Blütenblätter von einer Blume ab mit den Worten „sie liebt mich, sie liebt mich nicht ...“, welche letztendlich – bei aller Komplexität des Themas Liebe über die Jahrhunderte hinweg – die entscheidende Frage blieben.
Wie es zum Titel des Musiktheaterstücks kam, wurde erst mit der Zugabe verraten, der gleichnamige Song von Konstantin Wecker, der auf die Zeilen endet: „Das ganze Abenteuer noch mal wagen? Das ganze schrecklich schöne Leben? – Ja!“.
