Bönnigheim Das Letzte Abendmahl war keine karge Mahlzeit

Von Gabriele Szczegulski
Auf der Darstellung des Letzten Abendmahls in der Cyriakuskirche ist auch ein typisches Schnapsgefäß aus dem 17. Jahrhundert abgebildet. Kurt Sartorius hat eine Replik dieses Gefäßes in Böhmen fertigen lassen. Foto: /Martin Kalb

Auf dem Hochaltar in der Cyriakuskirche in Bönnigheim ist das Treffen der Jünger mit Jesus am Gründonnerstag detailliert und auch humoristisch dargestellt.

Ein Jünger beim Abendmahl auf der Darstellung am Hochaltar der Cyriakuskirche in Bönnigheim hat keinen Weinbecher und da zupft er doch den unter ihm sitzenden Jünger am Heiligenschein nach dem Motto, „heh, gib mir auch was ab“. So jedenfalls erklärt Kurt Sartorius, Vorsitzender der Historischen Gesellschaft Bönnigheim, die humoristische Szene. Sartorius hat die Abbildungen, die Geschichte und die Bedeutung des Altars genau studiert.

Der Hochaltar ist während der Karwoche zugeklappt

Der eigentliche Hochaltar ist während der Karwoche zugeklappt, man sieht derzeit lediglich zwei Mariendarstellungen. Grund ist die Trauer in der Karwoche, die mit dem Tod Jesu am Karfreitag ihren Höhepunkt findet. Neben dem letzten Abendmahl, das den Sockel des Hochaltars schmückt, thematisiert auch eine Art Holzaltar im Seitenflügel die Geschehnisse in der Karwoche.

Hier wird die Szene im Ölberg am Berg Gethsemane, Schauplatz von Jesu Todesangst und Verhaftung, sehr bildhaft dargestellt. Man sieht einen Olivenhain in Form eines Berges, auf dem der Kelch steht, von dem laut Bibel Jesu möchte, dass er an ihm vorübergeht. Man sieht Judas, den Verräter, mit seinem Geldsack voller Verräterlohn und Zuschauer, die der Verhaftung beiwohnen. Dieses Kunstwerk war laut Sartorius jahrzehntelang auf dem Kirchplatz in einem Verschlag verborgen, bis es seinen Platz in der Kirche fand. Es war auch oft Ziel einer Kinderprozession am Karfreitag, wie ältere Bönnigheimer erzählen.

Aber apropos Judas, der Verräter: Er ist auch auf der Abbildung des Letzten Abendmahls zu sehen, mit seinem Geldsäckel und ohne Heiligenschein. Um nicht auf die Unglückszahl von 13 Anwesenden zu kommen, hat Lucas Cranach, nach dessen Vorlage der Straßburger Künstler Niclas Hagnower im 17. Jahrhundert das Kunstwerk schuf, den Judas-Nachrücker Matthias dem Kreis der Jünger hinzugefügt. So sind es mit Jesus insgesamt 14 Anwesende, die Unglückszahl wird vermieden.

Realistische und lebensfrohe Darstellung des Abendmahls

Es gibt aber laut Sartorius noch mehr zu entdecken auf dem Werk, und zwar vor allem Weltliches: „Oft wird das Letzte Abendmahl als eine karge Mahlzeit dargestellt, aber nicht auf dieser Abbildung“, so Sartorius. Im Gegenteil, das Abendmahl wurde als realistische und lebensfrohe Darstellung im Sinne eines Festmahls umgesetzt. Es gibt Schinken, Hühnerbeine, das seit dem Mittelalter traditionelle Osterbrot, natürlich Wein und sogar Schnaps, wie der Leiter des Schwäbischen Schnapsmuseums in Bönnigheim erkannt hat.

Sartorius entdeckte gar, dass einer der Jünger, der zweite von links, etwas aus einem doppelkonischen Gefäß trinkt. „Das war ein typisches Schnapsgefäß dieser Zeit“, sagt Sartorius, der ähnliche Exponate im Stadtgraben von Bönnigheim bei Ausgrabungen entdeckte. Er ließ sogar eine Replik in Böhmen aus Glas blasen, die er nun immer vorzeigt, wenn es um das Letzte Abendmahl in einer seiner Führungen geht.

Selbst ein kleines Lämmchen ist auf einem Teller vor Jesus drapiert, was Gottes Sohn als Opferlamm symbolisieren soll. Alle Jünger tragen Bärte, bis auf Johannes, der als Jesus Lieblingsjünger neben diesem sitzt und sich sogar an ihn lehnt. „Meine Frau sagt immer Fräulein Johannes, weil er glattrasiert ist und mit seinen langen Locken aussieht wie ein Mädchen“, erzählt Sartorius.

 
 
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