Es verspricht wieder eine interessante und informative Jahresserie zu werden, denn ein Jahr erlauben Abwassermeister Albrecht Hamm und seine fünf Mitarbeiter Einblicke in ihre existenzielle Arbeit für die Bönnigheimer Stadtentwässerung. Das sechsköpfige Team stellt sicher, dass jährlich rund 1,1 Millionen Kubikmeter Schmutz- und Oberflächenwasser in der Bönnigheimer Kläranlage gereinigt und aufbereitet werden – und gewährleistet dies durch den Bereitschaftsdienst abends und an den Wochenende, also 24 Stunden, sieben Tage in der Woche.
Bönnigheim Das Team ist rund um die Uhr im Einsatz
Seit 1987 arbeitet Abwassermeister Albrecht Hamm in der Stadtentwässerung. Über ein ganzes Jahr wird die BZ ihn und sein fünfköpfiges Team begleiten.
Vielfältige Aufgaben
Zu den Aufgaben der Stadtentwässerung gehört nicht nur die Bönnigheimer Kläranlage mit ihren bisher drei Reinigungsstufen – für die vierte zur Phosphorreduzierung hat der Gemeinderat in seiner jüngsten Sitzung die Ingenieurleistungen vergeben –, auch die Kläranlage in Erligheim wird vom Bönnigheimer Team betrieben. Dazu werden neun Regenüberlaufbecken im Bönnigheimer Stadtgebiet und zwei in Erligheim betreut sowie 29 Druckentwässerungsstationen, durch die die landwirtschaftliche Anwesen außerhalb des Stadtgebiets entsorgt werden.
Das Abwasserkanalsystem mit einer Länge von rund 40 Kilometern wird von der Mannschaft der Stadtentwässerung ebenso überwacht, wie die Gewässer-Ökologie auf der Gemarkung und der Hochwasserschutz, etwa durch die regelmäßige Dammüberprüfung des Hochwasser-Rückhaltebeckens „Hofener Teich“. Donnerstags geht’s auf die „Brunnentour“, bei der die Abflüsse der Brunnen im Stadtgebiet kontrolliert werden. Für die Schrebergärten zwischen Forststraße und Bachstraße stellen die Mitarbeiter der Stadtentwässerung in den warmen Monaten die Wasserversorgung sicher und sie betreiben den Brunnen auf dem Amann-Areal, der das Wasser für die Brauchwasserabgabestelle am Ende der Forststraße liefert.
Kläranlage geht 1967 in Betrieb
Ein Abwassermanagement gibt es in Bönnigheim seit fast sechs Jahrzehnten. 1961 begann die Stadt mit der Planung eines Kanalsystems, 1967 ging die Kläranlage in Betrieb. Damals mit nur einer mechanischen Reinigung, durch die rund ein Drittel des Schmutzes aus dem Abwasser entfernt werden konnte. „Bis 1967 wurde das Spülwasser in den Bach abgeleitet, das Schmutzwasser in Latrinengruben zwischengelagert“, erklärt Abwassermeister Hamm, der nach einigen Arbeitsjahren als gelernter Landmaschinenmechaniker, in Essen die Ausbildung zum Ver- und Entsorger absolvierte und 1992 die Prüfung zum Meister in der Ver- und Entsorgern, Fachrichtung Abwasser, ablegte.
Hamm erinnert sich noch gut an die ersten knapp 15 Jahren nach seinem Beschäftigungsbeginn bei der Bönnigheimer Kläranlage am 1. Oktober 1987. Bis 2001 gab es in Bönnigheim die Besonderheit mit der Beschäftigung von drei Abwasser- beziehungsweise Klärmeistern: Bernd Modjesch, Heinz Altmann und ihm. „Heinz Altmann war eine Koryphäe in Bönnigheim, denn er hat die Wasserversorgung, das Gasnetz und die Fernwärme mit aufgebaut“, lobt Hamm.
2001 übernimmt die HVG
Eine weitreichende Entscheidung fällte unter der Leitung von Bürgermeister Gerd Kreiser der Bönnigheimer Gemeinderat 2001. Gasversorgung und Fernwärme sollen künftig von der Heilbronner Versorgungsgesellschaft (HVG) betrieben werden, „die Stadtentwässerung bleibt aber in eigener Hand“, sagt Hamm. Im selben Jahr bestellte Kreiser den damals 35-jährigen Albrecht Hamm zum Betriebsleiter der Stadtentwässerung. Die Belegschaftsgröße betrug 2001 rechnerische 3,5 Mitarbeiter.
2023 wurde um einen Mitarbeiter aufgestockt, nachdem klar war, dass das Bönnigheimer Team – nach dem Ruhestand des Erligheimer Klärwärters Karl-Heinz Fein – die Betriebsführung der Kläranlage in der Nachbargemeinde übernimmt.
Allein in der Bönnigheimer Kläranlage kommen 2,4 Liter Abwasser pro Minute an, aus dem Schwefel, Kohlenstoff, Wasserstoff, Stickstoff und Phosphat als Hauptbestandteile eliminiert werden. Bei einer Analyse des geklärten Abwasser im November 2021 wurden unter anderem pharmazeutische Rückstände von 15 Arzneimittel – darunter Ibuprofen, Diclofenac und Östrogene – festgestellt. Deshalb hat der Gemeinderat die Entscheidung getroffen rund 7,575 Millionen Euro für eine vierte Reinigungsstufe mit Phosphorreduzierung zu investieren.
Bei aller notwendigen modernen Technik betont Betriebsleiter Albrecht Hamm: „Wir sind personell gut aufgestellt, denn das Team ist extrem wichtig.“
