Acht Jahre sind rum“, so beginnt Albrecht Dautel das Gespräch mit der BZ, kurz vor dem Wahlsonntag am 19. April, an dem sich der 51-jährige Familienvater als einziger Kandidat erneut um das Amt des Bönnigheimer Bürgermeisters bewirbt. Bewusst habe er keine Bilanz seiner ersten Amtsperiode in der Ganerbenstadt gezogen, denn dies mache man, „wenn man am Ende steht und ich will ja weitermachen“, sagt Dautel, der mit seiner Amtszeit in Walheim nun auf eine Erfahrung von 21 Jahren als Bürgermeister bauen kann.
Bönnigheim „Der Reiz liegt in der Breite der Aufgaben“
Bürgermeister Albrecht Dautel stellt sich am Sonntag der Wiederwahl. Bewusst verzichtet er nach acht Jahren auf eine Bilanz, weil man die ziehe, wenn man am Ende stehe.
Statt Bilanz, ein kurz Rückblick auf die vergangenen acht Jahre, mit der Erkenntnis: „Vieles ist gelungen, manches nicht und es gibt viele Dinge, die man langfristig umsetzen kann.“ Dautel nennt hier, den lange gewünschten Drogeriemarkt, der nun in der Meimsheimer Straße kommen wird, die Schaffung einer „Sozialen Mitte“ mit 62 Bewohnerzimmern im Pflegeheim der Evangelischen Heimstiftung, aber auch die erste Phase der Digitalisierung in der Verwaltung und in der Schule. Gerade die Verwaltung werde sich in den nächsten Jahren erheblich verändern. „Wir stecken hier noch in den Kinderschuhen“, ist sich der Diplom-Verwaltungswirt sicher.
Er nennt hier das Serviceportal Baden-Württemberg, durch das Bürgern einen umfassenden Zugang zu Verwaltungsdienstleistungen und Informationen erhalten. „Das wird für mich der Punkt sein, der unser Arbeitsleben innerhalb der Verwaltung und auch, wie wir mit der Bürgerschaft im Austausch stehen, in den nächsten Jahren erheblich verändert“, ist sich Dautel sicher.
Kommunale Zusammenarbeit
Er erwartet, dass sich durch den Angleich an moderne Arbeitsprozesse auch die kommunale Zusammenarbeit intensiviert, die es im Gemeindeverwaltungsverband mit Erligheim und Kirchheim etwa bei den Standesämtern, der Sozialstation oder der Musikschule – und künftig bei den Bauhöfen – gibt. „Bönnigheim hat eine kritische Größe, doch was man für 8500 Bürger machen, kann man auch für 15.000 Bürger machen“, betont Dautel. Auch mit Blick darauf, dass es einen Fachkräftemangel in der kommunalen Verwaltung gibt, spiele es verwaltungsintern keine Rolle, ob eine Finanzverwaltung einen Haushalt aufstellt oder den Haushalt für drei Kommunen. „Unsere Verwaltung sieht heute anders aus, als vor acht Jahren“, sagt der Bönnigheimer Bürgermeister und auch nach den nächsten acht Jahren werde sie eine völlig andere Struktur haben.
„Der Reiz in unseren Strukturen liegt in der Breite unserer Aufgaben“, erklärt Dautel auf die Frage, was das Amt des Bürgermeister ausmache. Natürlich gebe es auch Situationen, in denen man den Bürgern erklären müsse, „was vielleicht nicht mehr geht oder was in der Form nicht geht.“ Er sehe aber seine Funktion eher darin, zu überlegen, wo auch andere Formen geschaffen werden können, wie man jetzt auch Leute motivieren kann, sich positiv einzubringen. „Die Herausforderung wird sein, nicht nur hier eine Betroffenheitssicht beim einzelnen zu haben, der sagt, wo habe ich einen Vorteil oder wo habe ich etwas davon, sondern die Bürgergesellschaft zusammenzuhalten und zu sagen, an welcher Stelle man auch als einzelner etwas dazu beitragen kann, dass das ganze trotzdem funktioniert“, blickt Dautel in die Zukunft. Und das hänge nicht nur vom Geld ab – das habe er bereits in einer Kommune gelernt, wo wenig Geld vorhanden war.
Veränderung in der Betreuung
Vor acht Jahren habe er in Bönnigheim Betreuungsmöglichkeiten angetroffen, die sehr differenziert und ausgeprägt in unterschiedlichen Angebotsformen waren, sei es im Kindergarten oder in der Schulkindbetreuung, und die seien im Laufe der Jahre nicht mehr leistbar und darstellbar gewesen, erläutert Dautel. Wenn man es genau betrachte habe man in den letzten Jahren sehr viele Rückschnitte gemacht, mehr Zeiten eingeschränkt, die Betreuung von zehn auf acht Stunden und Betreuungsmodelle zurückfahren, weil sie aus personellen und finanziellen Gründen nicht mehr leistbar waren. „Das ist genau der Punkt. Ich kann dann individuell nicht jedem Wunsch nachkommen und muss sagen, da kann ich nicht jeden zufriedenstellen. Ich kann aber versuchen, einen Kompromiss zu finden zwischen dem, was leistbar ist, und dem, was auch bedarfsgerecht ist“, betont der Rathauschef und ergänzt: „Wir haben zusätzliche Plätze geschaffen, wir haben einen Kindergarten neu gebaut. Also da kommen diese Dinge schon an, aber die Kinderbetreuung sieht trotzdem ganz anders aus als sie vor acht Jahren ausgesehen hat.“
„Lebenswerte Dinge fortsetzen“
Für die Zukunft erwartet Dautel, das weiterhin ins Schulzentrum investiert werden muss, außerdem habe die Stadt viel alte Gebäudesubstanz. Zusammen mit dem Kläranlageumbau werde man versuchen, die Wärmenetze zu transformieren und so das Thema Energie- und Klimaschutz bei allen Dingen, die in der Stadt notwendig sind, mitzubetrachten. „Mir ist es auch wichtig, dass wir versuchen, für die Dinge, die unseren Lebenswert ausmachen, also unseren Freiwilligkeitsbereich, Wege zu finden, wie man diese auch weiterhin in guter Weise betreiben kann.“ Dautel nennt das Freibad, die Musikschule, die Bücherei und die Vereinsförderung – „die wir sehr umfangreich betreiben.“
Mit Blick auf die Wahl am Sonntag, 19. April, sagt er: „Bei der Wahl freue ich mich über eine breite Zustimmung. Dadurch, dass ich wieder antrete, glaube ich, haben die Leute eine gute Wahl, wenn auch keine Auswahl.“ Letztendlich ist es für den 51-Jährigen das Ziel, seinen pragmatischen Ansatz fortzusetzen: „Als Kleinstadt sehen, was machbar ist.“
