Ein Unfall sorgt für ungeahnte Folgen: Ein Autofahrer hat am Schmiedsberger Weg die Friedhofsmauer auf einer Länge von rund 15 Metern so beschädigt, dass sie teilweise vollständig abgetragen werden muss. Auf der innen liegenden Seite der Mauer befinden sich jedoch Gräber. Drei von ihnen werden nun in das Ehrengrabmalfeld umgebettet, beschloss der Ausschuss für Umwelt und Technik.
Bönnigheim Ehrengrabfeld wird erweitert
Die Stadt hat die Gräber dreier verdienter Persönlichkeiten „von Amtswegen“ als erhaltenswert eingestuft und ihre Verlegung veranlasst.
Das Ehrengrabmalfeld hat der Gemeinderat 2019 für Ehrenbürger, Altbürgermeister und verdiente Persönlichkeiten geschaffen. In Abstimmung mit dem Vorsitzenden der Historischen Gesellschaft, Kurt Sartorius, wurden weitere Grabmale als erhaltenswert klassifiziert und daher wird ihre Verlegung von Amtswegen veranlasst. Zu den Bürgern, deren Gräber nun durch ihre Verlegung zu Ehrengräbern werden, hat Sartorius Folgendes recherchiert.
Gottfried Eberhard
In einem von der Landesbibliothek Baden-Württemberg veröffentlichten Aufsatz wurde Gottlieb Eberhard wie nachfolgend beschrieben: „Eine Persönlichkeit in Bönnigheim war Stadtpfleger Gottlieb Eberhard. Sein Geburtsort war Brackenheim, wo er die Schule besuchte“. Bereits mit 20 Jahren kam er auf das Bönnigheimer Rathaus unter Stadtschultheiß Finkh. Im Jahr 1842 gehörte Eberhard zu den Mitbegründern des Gesangvereins „Concordia”, so Sartorius.
Er heiratete die Tochter des Schmiedemeisters und Tierarztes Wilhelm Friedrich Zipperlen und zog in das Haus Kirchstraße, gleich neben dem Fachwerkhaus Jung und gegenüber des damaligen Rathauses, wo er als Verwaltungsaktuar arbeitete. „Aber dieser tätige Mann nahm am 1. Juli 1858 in seinem Wohnhaus die Postexpedition an, die er bis 1884 innehatte. Zugleich war er Stadtpfleger, Steuereinbringer, Armen- und Stiftungspfleger, Schulfondsrechner, Deputierter der Amtsversammlung sowie Agent der Feuerversicherungsgesellschaft“, heißt es in dem Aufsatz in der Landesbibliothek. Interessant sei, dass bei Eberhard auch die Stadtpflege in seinem Privathaus untergebracht war, weil man die unteren Räume des Rathauses für Feuerwehrzwecke dringend brauchte. Neben verschiedenen Ehrungen, wie der goldenen Zivildienstmedaille, dem Ritterkreuz des Friedrichsordens sowie der Erinnerungsmedaille in Bronze erhielt Eberhard als Steuerkommissär der Grundsteuerschätzung einen silbernen Pokal mit Stadtwappen.
Nach der Amtsniederlegung 1898 als Stadtpfleger blieb er noch weiter als Gemeinderat tätig. Gottlieb Eberhard war unter vier Stadtschultheißen tätig. Ihm wurde laut Sartorius als Zweitem in der Stadtgeschichte die Ehrenbürgerwürde am 31. Oktober 1906 verliehen mit einer Urkunde, die heute noch im Besitz der Familie seines zwischenzeitlich verstorbenen Urenkels Dr. Jürgen Meechels ist. Am 8. September 1908 starb Eberhard nach kurzer schwerer Erkrankung.
Karl Seeger
Mehr als zwölf Jahre war Karl Seeger Direktor der staatlichen Gehörlosenschule im Schloss. Er hat sich um die Schule und deren Schüler und Schülerinnen verdient gemacht. Für seine hervorragende pädagogische Arbeit und seine Verdienste für die Allgemeinheit insbesondere die 25-jährige ehrenamtliche Arbeit für das Stadtarchiv Bönnigheim, erhielt Direktor Karl Seeger am 26. März 1982 das Bundesverdienstkreuz am Bande.
Karl Seeger und Elisabeth Zipperlen wurden Ende der 1950er-Jahre vom damaligen Bönnigheimer Bürgermeister Gottlob Stierle beauftragt, das Archiv der Ganerbenstadt wieder herzustellen.
Adolf Bruder
Adolf Bruder war von 1888 bis 1904 Stadtschultheiß von Bönnigheim. Er verstarb jedoch bereits im Alter von 45 Jahren. Über die genauen Umstände seines Todes ist in den Geschichtsbüchern nichts dokumentiert.
