Rund 70 Neugierige versammelten sich am Samstagnachmittag in der Nähe des Gewächshauses im Sülzer in Bönnigheim auf einer Obstbaumwiese. Auf Einladung des Obst- und Gartenbauvereins Bönnigheim nahm Alexander Weißbarth vom Fachbereich Landwirtschaft der Beratungsstelle Obst- und Gartenbau im Landratsamt Ludwigsburg Birnen-, Zwetschgen-, Pfirsich-, Kirsch- und Apfelbaum genau unter die Lupe und gab sein Fachwissen an die Anwesenden weiter. Er sprach an, welche Schnitttechnik an welchem Baum notwendig ist, und packte gleich das passende Werkzeug dafür aus. Dazu gehört, als seine wärmste Empfehlung, die Japansäge. Mit ihrem biegbaren Sägeblatt ermögliche sie, anders als der starre „Fuchsschwanz“, mühelos den Schnitt auch durch dickere Äste, so der Experte.
Bönnigheim Eigenheiten der Obstbäume erlernen
Das Angebot des OGV Bönnigheim wurde auch am vergangenen Samstag wieder gut angenommen.
Frauen-Kurs ist geplant
Der OGV Vorsitzende Peter Allmendiger und sein Team haben immer wieder Freude daran, diese fachpraktischen Kurse anzubieten. Die Nachfrage beflügelt ihr Engagement. Aus diesem Grund soll es mit dem Start in den Frühling am 14. März einen weiteren Baumschnittkurs nur für Frauen in Bönnigheim geben, den dann zwei Fachfrauen abhalten. „Mir fällt auf, dass verstärkt jüngere Leute kommen, die die Pflege des Gartenstücks zum Beispiel vom Großvater übernommen haben und nun wissen wollen, wie sie den besten Ertrag im Baumstück erzielen können“, so Allmendinger. Um jungen Leuten einen Zugang zum OGV zu bieten, gibt es auch Kooperationen mit anderen Vereinen, wie zum Beispiel mit dem OGV Sachsenheim, der immer wieder Sensenkurse anbietet.
Schäden durch Pilzbefall
An diesem Samstagnachmittag in der Bönnigheimer Obstbaumwiese stimmte alles, um Baumwissen zu erlernen: Die Probandenbäume waren seit viele Jahren nicht geschnitten worden – zu lange, um Schäden durch Pilzbefall an den Stämmen zu vermeiden. „Flechten, die sich schon an jüngeren Bäumen ansiedeln, sind ein Zeichen dafür, dass die einzelnen Äste zu wenig Luft und Sonne abbekommen haben“, erklärte der Experte vom Landratsamt, umringt von Wissbegierigen.
Der Birnbaum neige dazu, sogenannte Schösslingen zu bilden. Das sind Triebe, die senkrecht aus dem Stamm heraus wachsen, den Baum eine Menge Kraft kosten und keine Frucht bringen. Sie sollten Baumbesitzer zuerst entfernen. Oft wachsen Birnenäste auch parallel. Erstrebenswert sei, dem Baum seine Mitte zu erhalten, und diese aufzubauen. Gespannt verfolgten die Gartenbesitzer jeden Schnitt am Birnbaum, der übersäht war mit wilden Asttrieben. Es dauerte nicht lange bis Weissbarth diesem eine neue Richtung gegeben hatte. „Für den ersten Schnitt ist das ausreichend“, erklärte der Fachmann. Der Feinschliff komme ein paar Monate später.
Der Apfelbaum sei der dankbarste unter den Obstbäumen, betonte Weißbarth: „Da kann man auch mal einen dickeren Ast abschneiden und es wächst dort wieder etwas nach. Das würde bei der Zwetschge nie funktionieren. Sie braucht immer Zugäste, um sich weiterzuentwickeln.“
„Wenn, dann richtig“
Seit Jahren sind die beiden Brüder Oliver und Florian Flaig Zuhörer bei den Schnittkursen und freuen sich jedes Mal, wieder etwas dazuzulernen. „Wenn schon Obstbaumwiese, dann richtig“, sagt Oliver Flaig und schmunzelt.
Dann ging es ins Detail. Fragen zur richtigen Düngung wurden gestellt, zur Behandlung von Ungeziefer und zur optimalen Bodenbeschaffenheit. Alexander Weissbarth beantwortete ausführlich alle Fragen der Anwesenden. „Wie schön, dass er sich am Ende des Jahres die Zeit freischneidet, und zu uns kommt“, dankte ihm Peter Allmendiger. Am Ende fand sich die Versammlung im Gewächshaus wieder, wo auf die Kursteilnehmer Punsch und eine heiße Rote warteten.
Susanne Yvette Walter
