Es war ein Mittwochabend, an dem die Luft in der Bönnigheimer Turn- und Festhalle stand. Ein extrem heißer Sommertag verlangte allen Beteiligten auf und hinter der Bühne das Äußerste ab – Scheinwerferlicht und Kostüme taten ihr Übriges. Doch wer glaubte, die tropischen Temperaturen würden die Energie des Unterstufenchors des Alfred-Amann-Gymnasiums (AAG) bremsen, wurde eines Besseren belehrt. Mit enormer Spielfreude, mitreißender Livemusik und einer hochaktuellen Botschaft brachten rund 50 Schüler am Mittwochabend das Musical „3 Wünsche frei“ auf die Bühne und sorgten für einen Abend voller Fantasie, Musik und Gemeinschaft.
Bönnigheim Ein Abend voller Fantasie und Musik
Der Unterstufenchor des Alfred-Amann-Gymnasiums begeistert trotz tropischer Temperaturen mit dem Musical „3 Wünsche frei“ in der Bönnigheimer Festhalle.
Auftakt mit Gesangssolo
Bereits der Auftakt gelang hochdramatisch und emotional: Die Siebtklässlerin Natalie Bross eröffnete als Abendstern das Musical mit einem glänzenden Gesangssolo – ganz allein auf der Bühne vor mehreren hundert Zuschauern. Für Musiklehrer Martin Wahlers ein Gänsehautmoment: „Da steht eine Darstellerin ganz alleine am Anfang auf der Bühne und singt. Da muss man in dem Alter erst einmal den Mut haben.“
Wie viel Herzblut in der Aufführung steckte, zeigte sich in der einjährigen, intensiven Vorbereitungsphase. Die Idee dazu hatte Chorleiterin und Musiklehrerin Karin Kammerer von einem Besuch aus Chemnitz mitgebracht: „Ich habe das Stück dort letztes Jahr gesehen und sofort gedacht: Das hat etwas, das passt perfekt zu dieser Altersgruppe.“ Dass das Ensemble am Mittwoch eine logistische und künstlerische Meisterleistung vollbrachte, zeigte sich auch mit Blick auf die erschwerten Probenbedingungen im Vorfeld. Da die Turn- und Festhalle der Schule gleichzeitig als Mensa dient, gestaltete sich die finale Phase durchaus herausfordernd. Zwischen Essensbetrieb, Stühlerücken und engen Zeitfenstern musste die Inszenierung an Probensamstagen und bei der Generalprobe Stück für Stück erarbeitet werden.
„Wir haben jetzt ein Jahr lang darauf hingearbeitet und sind natürlich heiß darauf, dass wir es endlich zeigen können“, verriet Kammerer kurz vor dem Startschuss. Im Mittelpunkt des Musicals steht die Frage, welchen Einfluss digitale Medien auf den Alltag von Kindern und Jugendlichen haben. Die Geschichte erzählt von einer Fantasiewelt, die durch die Macht der Monitore bedroht wird.
Als die Traumflieger verschwinden, macht sich der aufgeweckte Herbert gemeinsam mit einer bunten Schar – dem Wurzelzwerg Kalli, der Elster Dorothea, der Feldmaus Mathilde und einer fröhlichen Maulwurfbrigade – auf den Weg, um die Fantasie zu retten. Die bösen Monitore wurden als düstere Gegenspieler eindrucksvoll in Szene gesetzt und vom sichtlich mitschwitzenden Publikum immer wieder mit spontanem Szenenapplaus bedacht. Besonders bemerkenswert war die musikalische Umsetzung. Da für das Musical im Handel lediglich eine Play-back-Version auf CD existierte, entschied sich Kammerer gegen die einfache Tonspur und für den maximal aufwendigen Weg: Sie arrangierte die komplette Musik eigenhändig für die Schulband um. „Als ich wusste, wer mitspielt, habe ich die Noten über Monate so herausgeschrieben, dass es für uns spielbar ist und trotzdem richtig gut klingt“, so die Musiklehrerin.
Das Ergebnis war ein echter Gewinn für das Stück: Lenya Klug und Noel Petruschin (Keyboards), Martin Wahlers (Gitarre), Kjell Baisch (E-Bass) sowie Emily Joos und Silas Flaig (Schlagzeug) sorgten für einen lebendigen, rockigen Sound. Auch Wahlers, der eigentlich Sport und Physik unterrichtet, hob den verbindenden Charakter des jahrgangsübergreifenden Projekts hervor: „Wenn man so etwas zusammen gemacht hat und sich dann später im Schulhaus trifft, ist das natürlich schön.“
Unterstützung im Hintergrund
Dass das Großprojekt unter den extremen Bedingungen reibungslos funktionierte, war auch den vielen unsichtbaren Händen im Hintergrund zu verdanken. Die Technik-AG unter der Leitung von Angelika Töpfer und Martin Wahlers steuerte nicht nur stimmungsvolles Licht bei, sondern meisterte bravourös den erstmaligen Einsatz von mehreren Headsets für die Hauptrollen. Ältere Schüler halfen beim aufwendigen Schminken der Darsteller, während die Sanitätsdienst-AG für die Sicherheit in der aufgeheizten Halle bereitstand – „in der Hoffnung, dass wir sie gar nicht brauchen, aber sie sind einfach da“, so Kammerer dankbar.
Am Ende gab es in der Festhalle kein Halten mehr: Das Publikum honorierte die schweißtreibende Höchstleistung aller Beteiligten mit lang anhaltendem, stehendem Applaus. Mit „3 Wünsche frei“ gelang dem AAG nicht nur ein wunderbarer Musicalabend, sondern auch ein eindrucksvolles Plädoyer für eine Kernbotschaft im digitalen Zeitalter: Fantasie, Träume und echte Gemeinschaft sind durch keinen Bildschirm der Welt zu ersetzen.
