Wolfgang Amadeus Mozart möge verzeihen: Seine „Kleine Nachtmusik“ ist zwar ein Klassiker, aber was bei der Bönnigheimer Nachtmusik geboten wurde, war eine große Nachtmusik. Die ganze Innenstadt war von Musik erfüllt, das Abschlusskonzert war vom Feinsten.
Bönnigheim Eine große Nachtmusik
Beim Abschlusskonzert war die ganze Innenstadt von Musik erfüllt. Die großen und kleinen Nachwuchsmusiker traten an fünf Standorten gleichzeitig auf.
Schon beim Näherkommen hörte man die Dudelsäcke der Stromberg District Pipes and Drums über den Schlosshof schallen. Ihr Ensemble unter der Organisation von Alexander Trefz war in schottischen Kilts auch ein Hingucker. Und ihrem musikalischen Beitrag hörte man an, dass da fleißig geübt wird. „Sie können das ja“, staunte eine Zuhörerin.
Und ins Staunen kamen die zahlreichen Besucherinnen und Besucher in den folgenden drei Stunden oft. Denn sie konnten bei einem kleinen Rundgang dem kleinen und großen Nachwuchs in der Musikszene an fünf Stationen in der Innenstadt lauschen. Ernst, aufgeregt oder auch erleichtert strömten die jungen Musikerinnen und Musiker mit ihren Notenständern und ihren Instrumenten durch die Straßen und Gassen. Denn das Programm machte klare zeitliche Vorgaben: An jeder Station spielten die Ensembles zweimal zwanzig Minuten, dazwischen war nur eine kleine Umbaupause von zehn Minuten.
„Klassik in der Kirche“
Doch was genau war geboten? „Klassik in der Kirche“ war ein Themenschwerpunkt. Dort präsentierten sich beispielsweise fünf fingerfertige Flötenspielerinnen um Ulrike Rembold, die Tangomelodien darboten oder auch die blühende englische Landschaft intonierten. Bei den „Jungen Wilden“ im Meiereihof spielten die Schüler- und Jugendorchester sowie die Bläserklassen aus Bönnigheim, Kirchheim und Erligheim mit Schwung und Begeisterung auf. Sitzplätze gab es angesichts der stolzen Eltern und Großeltern keine mehr. Und als „Pippi Langstrumpf“ ertönte, konnte man die Familienangehörigen identifizieren: Sie summten oder sangen den Song, den der Nachwuchs offenbar oft geprobt hatte, spontan mit.
Ein wenig verhaltener reagierte das Publikum beim „Streicher allerlei“ an der Kronenscheuer. Hier hatten die Nachwuchsgeiger ihren Auftritt. Mit einer Ouvertüre aus „Hänsel und Gretel“ zeigte die Gruppe, die sich aus 30 Schülerinnen und Schülern gebildet hat, wie komplex das Geige spielen ist und wie viel sie bei Angelika Wollasch schon gelernt haben. Benno Reinhard hatte im Zwinger das „Tieefe Blech“ um sich versammelt. Die Musiker stimmten Film- und Musical-Melodien aus Casablanca und Harry Potter an. Alle Ensembles an allen Stationen konnten die Besucher nur hören, wenn sie sich zuvor ihren eigenen Plan gemacht hatten. Doch der kam dann schnell durcheinander, weil die Auftritte des Nachwuchses so faszinierten, dass an ein Weiterkommen eher nicht zu denken war.
Nicht unerwähnt bleiben sollen jedoch die weiteren Gäste im Schlosshof: Der Evangelische Posaunenchor aus Kirchheim überraschte dort mit einer tollen Interpretation von „New York, New York“ und Da Capo begeisterte mit „Dancing Queen“ und einer interessanten Choreografie. Ihr Solist Tim Hainsworth-Appel ließ bei „Stay in Touch“ aufhorchen, die Gospel-Interpretationen stimmten auf die Herbstkonzerte des Chores ein.
Auftritt der Stadtkapelle
Doch der Höhepunkt sollte um 22 Uhr noch kommen, der Auftritt der Stadtkapelle. Kaum mehr einen Stehplatz war im Schlosshof frei, als Stadtmusikdirektor Rainer Falk, der Hauptorganisator der Bönnigheimer Nachtmusik, den Dirigentenstab hob. Die „Men in Black“ und natürlich auch die ebenfalls schwarz gekleideten Frauen des Orchesters rissen die Zuhörer mit wie die Filmhelden. Tosenden Applaus gab es bei „Victory“ oder der berühmten Pucchini-Arie „Nessun Dorma“, beim Marsch „Sissy“ oder auch einem Bon Jovi-Song. Als krönenden Abschluss spielten die Dudelsackbläser zusammen mit der Kapelle „Highland Cathedral“. Solistin Saskia Tabler und Da Capo stimmten beim abschließenden „We are the World“ mit ein.
Wie kann eine solche Mammut-Veranstaltung gestemmt werden? „Wir hatten über 400 Mitwirkende und Ehrenamtliche, die hinter der Bühne und hinter dem Tresen, beim Auf- und Abbau geholfen haben“, erklärt Rainer Falk.
Birgit Riecker
