Bönnigheim Entscheidung über Rathaussanierung vertagt

Von Birgit Riecker
Bei der zweiten Planungsvariante soll der Aufzug in einen Anbau an der Südseite (Foto) kommen. Die erste Variante sieht vor, ihn in das Treppenhaus zu integrieren. Foto: /Oliver Bürkle

Der Gemeinderat setzte sich in seiner Sitzung am Donnerstagabend intensiv mit der Planung auseinander. Die Entscheidung wurde vertagt. 

Vor zahlreichen Zuhörern und nach gut eineinhalbstündiger Diskussion stand am Donnerstagabend fest: Manches bei der geplanten Rathaussanierung soll noch einmal hinterfragt und Alternativen geprüft werden. Die Entscheidung wurde vertagt.

Gestartet war der Rat mit einer Grundsatzentscheidung zur Sanierung des bestehenden Rathauses im Dezember 2024. Grundlage war damals eine Machbarkeitsstudie des Büros KMB, die Kosten von rund drei Millionen Euro ohne Haustechnik in Aussicht stellte. Jetzt hat sich diese Zahl drastisch geändert. Nach genauerem Hinschauen und mit Hilfe von Fachplanern kam das Büro KMB bei zwei Vorplanungsvarianten auf Kosten von rund sieben Millionen Euro.

Eine Variante sieht dabei den Aufzug für eine behindertengerechte Erschließung in der Mitte des Gebäudes, also im bestehenden Treppenhaus, vor. Die zweite Variante plant den Aufzug in einem Anbau auf der Südseite. Das hätte den Vorteil, dass hier auch die Leitungskanäle versteckt und die Risiken beim Einbau in den Bestand minimiert werden könnten. Angesichts der prekären Haushaltslage kam der weitestgehende Vorschlag von Stadtrat Tilo Staudenrausch (ABö). Zunächst betonte er, dass die ABö nicht gegen eine Sanierung des Rathauses seien. „Aber wir sind strikt dagegen heute einen Beschluss zu fassen, der auf unvollständigen Zahlen, Pseudo-Alternativen und einer fehlenden langfristigen Vision basiert“, sagte Staudenrausch. Und er betonte, es gehe nicht darum das Rathaus um jeden Preis ins Schloss zu zwingen (die BZ berichtete). Vielmehr müsse man die bestmögliche, wirtschaftlichste Lösung finden und das unter transparenter Einbeziehung der Bürger.

ABö befragt Bürgerschaft

„Wir haben die Bürgerschaft in den letzten Tagen befragt“, so Staudenrausch. „Die erste Auswertung von knapp 100 Rückmeldungen aus allen Altersgruppen ist ein unübersehbares Warnsignal an diesen Gemeinderat“, betonte er. Massive Zweifel bestünden an der Kostenschätzung, mehr als 85 Prozent der Teilnehmer bevorzugten den Umzug der Verwaltung ins Schloss. Weiter sprach er von einem „finanziellen Blindflug“, die angeführten Kosten seien eine Illusion, weil unter anderem die Umzüge der Verwaltung während der Bauzeit in das Containergebäude auf dem Schulgelände nicht einkalkuliert seien. Die Schlussfolgerung der ABö: „Wenn wir heute zustimmen, unterschreiben wir einen Blankoscheck für ein Projekt, das in der Realität eher bei zehn bis zwölf Millionen Euro landen wird.“ Sein Vertagungsantrag wurde bei vier Ja-Stimmen, elf Gegenstimmen und zwei Enthaltungen klar abgelehnt.

Stadtrat Frank Müller (FWV/CDU) stellte fest, dass er der Vertagung hätte zustimmen können. Er habe es aber nicht getan, da er sich klar von den Aussagen Tilo Staudenrauschs distanziere. Zusammen mit seinen Fraktionskollegen bat er um Aufschub, um wirklich alle Alternativen und auch Einsparmöglichkeiten zu prüfen. Michael Gerdes (UWG) hingegen sprach sich für den Vorschlag der Verwaltung aus, in der Sanierungsplanung fortzufahren. Das Rathaus werde auf sein Skelett zurückgebaut und mit neuer Technik, die halt Geld koste, ausgerüstet und gemäß den heutigen Anforderungen wieder aufgebaut. Sein Fraktionskollege Markus Stahl bekräftigte ebenfalls den Willen „mit der Sanierung des 54 Jahre alten Rathauses voranzuschreiten. Die Fachplaner sind seriös und keine Würfler.“

Auch für Dorothea Bechtle-Rüster (SPD) war klar, dass ein Umzug ins Schloss nicht funktionieren würde. „Da ist der Denkmalschutz drauf“, erinnerte sie. Schon bei der letzten Sanierung habe man nur Fenster mit Einmalverglasung einbauen dürfen, die Heizung ist alt und eine vernünftige Dämmung könne man sich gar nicht vorstellen.

Bürgermeister Albrecht Dautel gab einen wichtigen Hinweis: Zuschüsse aus Förderprogrammen der KfW und des Landessanierungsprogramms könnten zusammen rund 3,5 Millionen Euro betragen. Damit lägen die Kosten gar nicht so weit von den anfangs geschätzten Kosten weg. Wie könnten Alternativen ohne Förderung wie ein Umzug ins Schloss da mithalten?

Die Fachfirmen hinter der Planung und ihre Ideen

Eine Idee von Mike Geers vom Büro KMB ist, den Sitzungssaal um eineinhalb Meter nach Norden zu vergrößern. Im Süden könnte der Aufzug angebaut und das Gebäude für Büro und Nebenräume erweitert werden. Das Ingenieurbüro Gutbrod stellte die mögliche Einzel- und Gesamtförderung vor.

Tragwerksplaner Armin Lenz musste einer Aufstockung des Anbaus mit Bürgerbüro eine Absage erteilen: Die Tragfähigkeit reicht nicht aus. Die Technikplanung von Pfähler und Rühl brachte die höchsten Ausgaben mit sich: Rund drei Millionen Euro kostet die Ertüchtigung auf einen zeitgemäßen Stand einschließlich einer Photovoltaikanlage mit rund 45 KWpeak.

Hier will der Bönnigheimer Gemeinderat noch einmal genauer hinschauen: Kühlung, Lüftung und digitale Versorgung. Zum Brandschutz-Gesamtthema schlug das Büro Nolte auch ein festinstalliertes Notstromaggregat vor.

 
 
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