Rund 60 Einsatzkräfte, zehn Fahrzeuge und mehr als hundert Schaulustige: Über den Dächern des 500-Seelen-Fleckens Hohenstein ging es am Samstag hoch her. Knapp eine Stunde lang dauerte ein simuliertes Szenario, bei dem die Freiwillige Feuerwehr Bönnigheim in ihrer Hauptübung vor der Herausforderung stand, Menschen und Schloss aus einem Inferno zu retten – was auch effektiv gelang.
Bönnigheim Feuerwehr rettet Mensch und Schloss
Spektakuläre Hauptübung bei den Hohenstein Instituten wird zum Großeinsatz für drei Wehren und Rotes Kreuz.
An der Schloßsteige des Bönnigheimer Stadtteils haben sich bekanntlich seit 1952 die inzwischen international renommierten Hohensteiner Institute – heute unter Hohenstein Laboratories GmbH & Co. KG firmierend – etabliert. Und dort war im Kavaliersbau, in dem neben Büros und Kantine auch Labore, zu deren Aufgabenfeldern Brandversuche gehören, ein Feuer ausgebrochen.
Für die Bönnigheimer Aktiven um Kommandant Mike Etzel, den Bönnigheimer Ortsverein des Deutschen Roten Kreuzes mit Einsatzleiter Jens Kübler samt Notarzt und fünf DRK-Hilfskräften, aber auch für das Drehleiter-Team aus Besigheim und eine Löschfahrzeug-Einheit aus Kirchheim bedeutete dies kurz vor 18.30 Uhr „B4“ – Großeinsatz.
Großeinsatz simuliert
Sechs Minuten später herrschte auf der Forschungshochburg mit dem Eintreffen des ersten Hilfeleistungslöschfahrzeugs dann auch schon Hochbetrieb: Schläuche wurden verlegt und an das 2000 Liter fassende Fahrzeug oder an einen Hydranten angeschlossen, eine Leiter zu mehreren eingeschlossenen Personen angelegt, Frauen und Männer mit Atemschutzgeräten eilten couragiert in den verrauchten und nebligen Trakt des umfassenden Gebäudekomplexes. Schnelles „Wasser marsch!“ war kein Problem.
Im Nu waren die ersten „Opfer“ über die Leiter, kurz darauf über die noch effektivere Drehleiter der Kameraden aus Besigheim geborgen und hinter den Kavaliersbau rauf vor den Otto-Mecheels-Bau transportiert worden. Dort hatte das DRK ein Erstversorgungseinsatzzentrum für die akut an Verbrennungen und Rauchgasvergiftungen leidenden Patienten eingerichtet und die Betroffenen auch mit Sauerstoffzufuhr und mehr versorgt.
Nicht zu vergessen das Entkontanimierungszelt, in dem die bei sommerlichen Temperaturen mit roten Köpfen ankommenden Atemschutzträgerinnen und -träger hygienemäßig betreut wurden, um so ein Verschleppen der Kontaminierung zu vermeiden. Für die zahlreichen Zuschauer, die mit Kind und Kegel den steilen Anstieg zum Schloss nicht gescheut hatten, ein weiteres Highlight bei diesem ganzen Spektakel – das zum Glück nur eine Übung war.
Übungsziel erreicht
Mike Etzel, Chef der 70 bisher in diesem Jahr mit Ernstfällen nicht sonderlich oft geforderten weiblichen und männlichen Aktiven der Bönnigheimer Feuerwehr, konnte nach rund einer Stunde zufrieden sein: Alle Menschen und die gesamte Schloss-Anlage, die seit 1952 der Familie Mecheels gehört, waren vor der Feuersbrunst gerettet, deren Ausbreitung verhindert worden. Das abschließende Vesper mit kühlem Getränk im nahen Magazin hatten sich alle Beteiligten ganz offensichtlich redlich verdient.
