Am vergangenen Samstag kam er bereits zum zweiten Mal nach Hohenstein. Und stand er 2024 noch vor rund 120 Teilnehmern, stieg die Zahl diesmal auf 175. Die Rede ist von Hanjo Gäbler, der – eigens aus Harsefeld angereist – wieder einen Gospel-Workshop in der Wiesentalhalle geleitet hat. Der große Zuspruch ist für Janina Lohrer, zuständig für die Öffentlichkeitsarbeit beim veranstaltenden Gesangverein Concordia Bönnigheim, ein Zeichen für die wachsende Popularität von Gospels. Mit dabei seien neben 20 Sängerinnen und Sängern aus dem Jugendchor und 50 Da-Capo-Chormitgliedern 105 externe Gospelinteressierte zwischen 30 und 65 Jahren – zum Teil gläubige oder spirituelle Menschen, zum Teil auch einfach nur Singbegeisterte und viele davon nicht zum ersten Mal, stellte sie fest.
Bönnigheim Gospels lernen aus Freude am Singen
175 Sängerinnen und Sänger in der Wiesentalhalle studieren mit Hanjo Gäbler drei Songs an einem Tag ein.
Gemeinschaft im Vordergrund
Die religiös geprägten Inhalte der Lieder stehen für Lohrer beim Workshop nicht im Vordergrund, es gehe vor allem um die Freude am Singen, die gute Stimmung in der Gemeinschaft, die Kraft der Musik und nicht zuletzt um neue Lieder für den Chor oder für einen Ohrwurm morgens unter der Dusche. „Die Leute sollen einen schönen Tag haben und fröhlich und ausgelassen sein“, so ihr Wunsch.
Klar zum Glauben bekennt sich der studierte Jazzpianist, Filmmusiker, Produzent, Verleger und Familienvater Hanjo Gäbler, der seine Wurzeln in der Chormusik hat und im afroamerikanischen Kulturraum groß geworden ist. „Ich liebe die Musik und bin gerne Christ“, verriet der 48-jährige in der Mittagspause. Und in Zeiten von Trump, der mit seinem Verhalten den Glauben diskreditiere, wolle er etwas entgegensetzen, so Gäbler. Er leitet etwa 15 Gospel-Workshops im Jahr, fünf davon im Ausland – von Skandinavien bis ans Mittelmeer.
Der Workshop am Samstag war, wie der Name schon sagt, Arbeit für Leiter und Teilnehmer gleichermaßen, mussten doch drei Lieder zwischen 10 und 16.30 Uhr bis zur Vortragsreife einstudiert werden. Gäbler machte das mit und ohne Musik, begleitete den Tageschor am E-Piano, sang schwierige Passagen immer wieder vor und kümmerte sich intensiv und separat um die vier unterschiedlichen Tonlagen Alt, Tenor, Bass und Sopran.
Drei Lieder erarbeitet
Mit Anekdoten von Aretha Franklin und Heidi Kabel sorgte er humorvoll für Aufmerksamkeit, Konzentration und eine resolutere Körperhaltung bei den Sängern. Langsam aber sicher erarbeitete sich der 175 Stimmen starke Chor so „Come as a child“ (Glenn und Jan Christianson), „Stay in touch“ (Gäbler) und „If it had not been“ (traditionelles Kirchenlied). Am Ende wurden alle Songs noch einmal in „gemischter Aufstellung“ vorgetragen. Die verschiedenen Stimmen singen dabei nicht im Block, sondern nebeneinander, was eine besonders hohe Konzentration verlangt und ein homogeneres Klangbild ergibt.
Zum Schluss gab es für den aus dem Norden stammenden Gäbler als Gastgeschenk Linsen, Spätzle, Essig, einen Trollinger-Lemberger, Schäumle und Wibele – „ein echt schwäbisches Survival-Paket“, so Lohrer.
2027 Pop-Projekt geplant
2027 will der Concordia-Verein, der im vergangenen Jahr sein 185-Jahr-Jubiläum feierte, ein Chorprojekt mit Popmusik veranstalten. Dies im zweijährigen Wechselturnus mit den Gospels, um so allen Vorlieben in den Chören Rechnung zu tragen. Aber auch das nächste Zusammentreffen des Gesangvereins mit Hanjo Gäbler steht bereits fest. Und zwar auf dem European Gospel Festival in Stuttgart vom 1. bis 3. Mai. 5000 Sängerinnen und Sänger werden erwartet, jeder kann mitmachen. Oliver Gerst
