In der Vorweihnachtszeit Konzerte in der katholischen Heilig Kreuz Kirche in Bönnigheim abzuhalten, hat eine lange Tradition: Der Chor der katholischen Gesamtkirchengemeinde Bönnigheim setzte sie am Vorabend zum Vierten Advent fort mit moderner geistlicher Musik verstärkt von Projektsängern, Solisten und einem exzellenten kleinen Orchester. Regie und den Dirigentenstab führt seit Jahren schon Gudrun Ulrich, ehemalige Musiklehrerin und C-Musikerin.
Bönnigheim Kontraste sichtbar machen
Der Projektchor der katholischen Gesamtkirchengemeinde hat zum Weihnachtskonzert der Gegensätze eingeladen.
Die frühe Dunkelheit in den sogenannten Sperrnächten, den besonders finsteren Nächten bevor die eigentlichen Rauhnächte beginnen, bietet Gelegenheit zur Innenschau. Wer bin ich Mensch und welches Verhältnis habe ich zu meinem Schöpfer?
Damit befasste sich dieses Weihnachtskonzert. Es verband ein Werk, das in der böhmischen Weihnachtstradition eine tragende Rolle spielt, nämlich die Hirtenmesse von Jakub Jan Ryba mit einer modernen zeitgenössischen Auseinandersetzung zum Thema Glauben.
Solisten im Wechsel mit dem Chor
Die „Hirtenmesse“ ist in Tschechien in der Weihnachtszeit in aller Munde und gehört zu Weihnachten wie bei uns das Weihnachtsoratorium von Johann Sebastian Bach. Ihr gegenüber stellte Projektleiterin Gudrun Ulrich die Adventskantate „Gott und ich Mensch“ des Komponisten Michael Schmoll. Sie macht zum Thema, dass Gott Mensch geworden ist.
Für die Aufführung der Hirtenmesse waren professionelle Solisten im Einsatz, die mit dem Chor im Wechsel auftraten. Sie war volkstümlich gehalten und erinnerte an eine Pastorale. Zum Vierten Advent erlebte die Gemeinde eine überzeugende Konfrontation der beiden Mammutwerke mit Jasmin Joos im Sopran, Gertrud Eisenhardt im Alt, Wolfgang Zinnbauer im Tenor und Dominik Hoffmann im Bass. Es blieb spannend bis zur letzten Minute, denn als Hörbonbon setzte der Projektchor noch ein zeitgenössisches Werk obendrauf: „Christmas Lullaby“ von John Rutter, einen modernen Lobgesang auf die Gottesmutter, ein weihnachtliches Wiegenlied. Längst hat es Einzug gehalten in unsere Kirchen im Advent und wird von vielen Chören geliebt und nur zu gerne umgesetzt. Dazu gehört auch der Chor der Gesamtkirchengemeinde.
Spielwiese für Gefühle
Rutters Musik zeichnet sich aus durch den Reichtum an eingängigen Melodien im Dreivierteltakt aus - sie ist eine Spielwiese für Gefühle, die alle um die Weihnachsgeschichte herum kreisen. Chor und Orchester verstanden es sehr gut, diese emotionale Dichte mit Leben zu füllen. Er konfrontiert seine Zuhörer mit den Ärmsten, die letztlich für die Verbreitung der Frohen Botschaft zuständig waren: Hirten und das einfache Volk. Engel singen an der Krippe für das Jesuskind - was für ein Auftrag für einen Chor, in diese Rollen zu schlüpfen.
Das ist Weihnachtsmusik, wie man sie nicht alle Jahre wieder erlebt und doch serviert der Chor hier diese Auswahl an Charakterstücken nicht zum ersten Mal.
