Seit 1919 ist die alte Schleifmühle in der Kirchheimer Straße im Besitz der Familie Seybold, seit 2017 renoviert und erhält das Fotografen-Ehepaar Silke und Daniel Seybold das historischen Gebäude (die BZ berichtete mehrfach). Jetzt erfüllt sich Silke Seybold, die sich der künstlerischen analogen Schwarz-Weiß-Fotografie verschrieben hat, einen lang gehegten Wunsch: In einen Anbau, der jahrzehntelang als Lager- und Gerümpelkammer genutzt wurde, hat das Ehepaar eine Dunkelkammer gebaut, in der Silke Seybold ihre Fotografien vergrößern und entwickeln kann.
Bönnigheim Kunstpräsentation nur für einen kurzen Moment
Silke und Daniel Seybold laden am Samstag zu einer halbtägigen Pop-up-Galerie in die Schleifmühle ein.
„Bevor die Dunkelkammer in Betrieb genommen wird, wollen wir diesen Raum und darüber hinaus weitere Flächen im Gebäude für eine einmalige besondere Veranstaltung nutzen“, erklärt Daniel Seybold im Gespräch mit der BZ. Am Samstag, 28. März, wird die Hohensteiner Schleifmühle – die erstmals im Jahr 1534 erwähnt wurde – ab 16 Uhr zur Pop-up-Galerie. Hinter dieser ungewöhnlichen Kunstpräsentation steht die Idee, einen temporärer Kunstraum, meist in leer stehenden Ladenlokalen oder ungewöhnlichen Orten, für begrenzte Zeit zu eröffnen.
Sieben Künstler zeigen ihre Arbeiten
Neben den Fotografien von Silke und Daniel Seybold, die einige Jahre als Fotografen in Detroit lebten und arbeiteten, stellen fünf weitere Künstler ihre Arbeiten aus. Dabei soll die Pop-up-Galerie keine Ausstellung im klassischen Sinn sein. Das Künstlerehepaar will vielmehr in ihrer historischen Schleifmühle Räume schaffen, in denen sich Künstler begegnen, austauschen, vernetzen und wo sie vor allen Dingen mit den Besuchern in Gespräch kommen. „Alle Künstler sind vor Ort. Es ist das Schöne, dass man mit den Künstlern reden kann“, betont Silke Seybold.
Mit analoger und Polaroid-Fotografie beschäftigt sich Sabine Kranich-V. aus Stuttgart. Ihre Arbeiten zeichnet ihr ausgewöhnlicher Blick auf die Natur aus. Während Silke und Daniel Seybold die Stuttgart Künstlerin bislang nur aus Online-Kontakten kennen, ist dies bei Julian Tabler völlig anders. Der Bönnigheimer Bäckermeister, den nach eigenen Angaben die verschiedensten Facetten des künstlerischen Schaffens seit Kindesbeinen an interessieren, wird am Samstag Fotografien und Kollagen zeigen. Ungewöhnliche analoge Doppelbelichtungen kennzeichnen die Arbeiten von Robin Franzmann (Stuttgart). Moritz Wörner aus Schwäbisch Hall hatte einen besondern Ausstellungswunsch: Sein dreidimensionales Stadtbild-Diorama will er unbedingt im Schaufenster der Schleifmühle installieren.
Der fünfte im Bunde ist Bernard Grabant, der 1969 in Besigheim geboren wurde. Er wuchs in einem interkulturellen Milieu auf, prägten ihn doch die Einflüsse seiner kroatischen Eltern, die Mitte der 60er-Jahre nach Deutschland kamen. Er gilt heute als ein vielseitiger Künstler, der nicht nur seine eigene kreative Vision in mit großflächigen abstrakten Kompositionen in Öl und Acryl verfolgt, sondern auch seine Betrachter zu einem Dialog mit den eigenen Emotionen und Gedanken einlädt.
Für die erhoffte Leichtigkeit der ersten Bönnigheimer Pop-up-Galerie sollen nicht nur Häppchen und ein Sektempfang sorgen. Die Bönnigheimer Sängerin „Myuna“, besser bekannt als Saskia Tabler, und Pianist Stephen Brielmayer werden mit eigenen Kompositionen den musikalischen Rahmen übernehmen.
