Wenn man mit einer Landwirtin über das Wetter plaudert, bekommt das sonst eher unverfängliche Smalltalk-Thema eine ganz andere Wertigkeit. Denn das Wetter kann über Gedeih und Verderb – und das wortwörtlich – entscheiden. Und doch bleibt Landwirtin Christine Bayha entspannt bei dem Thema. „Es ist ja eigentlich nie genau so, wie man es sich wünscht“, sagt sie im Gespräch mit der BZ und lacht. Jedoch überlässt die 35-Jährige auch wenig dem Zufall.
Bönnigheim „Landwirtschaft ist wie ein Hochrisikoinvestment“
Erst zu wenig Regen, dann viel auf einmal. Es gab sehr heiße und zu kühle Tage. Die BZ hat mit Landwirtin Christine Bayha über die Auswirkungen auf die Ernte gesprochen.
Natürlich müsse man das Wetter so annehmen, wie es kommt – was sollte man auch dagegen unternehmen. Aber: „Wir haben uns so aufgestellt, dass wir mit Trockenheit zurechtkommen“, sagt sie.
Familienbetrieb in Bönnigheim
„Wir“, das sind sie und ihre Eltern, Gerhard und Marianne Bayha. 2014 hat die Tochter das Hofgut Bellevue in Bönnigheim übernommen und hat seitdem das Sagen, was den Hof und die 140 Hektar Ackerfläche betreffen. Angebaut werden Kartoffeln, Zwiebeln, Zuckerrüben, Knoblauch und Getreide. Die Schweinemast hat der Hof, der schon in dritter Generation betrieben wird, schon lange aufgegeben, einige Legehennen gibt es, deren Eier im Hofladen erhältlich sind – neben den verschiedenen Gemüsesorten.
Die Lösung gegen die immer häufiger werdenden Dürreperioden ist das hofeigene Wasserspeicherbecken. Steht man davor, wirkt das Becken wie ein See. Er hat ein Fassungsvermögen von 17.000 Kubikmetern und ist sechs Meter tief. Das Wasser aus dem Becken ist nicht etwa Regenwasser. Das mache sich kaum bemerkbar. Es ist Grundwasser aus ihrem Brunnen, das in den Speicher gepumpt wird, berichtet Bayha. Aus dem Becken wiederum wird das Wasser durch die in den Feldern verlegten Erdleitungen gepumpt, um die Pflanzen, die bei Trockenheit beregnet werden müssen, zu wässern. Das wiederum geschieht mit den drei Beregnungsmaschinen, die zur Ausstattung des Hofs gehören. Um Grundwasser zu entnehmen, brauche man natürlich eine Genehmigung, zuvor muss ein Gutachten erstellt werden, das die Notwendigkeit der Entnahme bezeugt. Auch die Entnahmemenge ist gedeckelt. „Getreide zu beregnen ergibt keinen Sinn“, sagt Bayha und erklärt, dass nur bestimmte Kulturen, bei ihr etwa Kartoffeln, Knoblauch und Zwiebeln, gewässert werden. Und das nur nachts, um die Verdunstung zu minimieren. Leitungen sind nur in den naheliegenden Feldern verlegt. Daher ist es ab und zu nötig, Ackerflächen für eine Saison mit Nachbarn zu tauschen, um die Fruchtfolge einhalten zu können.
Die Trockenheit im Frühjahr habe optimale Aussaat- und Pflanzbedingungen geschaffen. Empfindliche Saatkulturen wie Zwiebeln brauchen dann jedoch Wasser, um aufzukeimen. Aber es gibt auch ein zu viel an Wasser. „Wenn die Zwiebel ihren Reifegrad erreicht hat, kann Wasser schaden.“ Der Wasserbedarf wird nicht nur abgeschätzt, Bayha hat eine eigene Wetterstation, die den Bedarf genau ermitteln kann. Die Getreideernte sei in der Region abgeschlossen, das habe noch gut vor dem großen Regen geklappt. Auch der Knoblauch wurde im Juni bereits geerntet. Der möge es zum Ende seiner Vegetationszeit eher trocken. „Die langanhaltenden Niederschläge im Juni hätten wir nicht gebraucht.“ Die Zwiebelernte ist seit Juni in vollem Gange. Die Kartoffelernte laufe auch noch. Den aktuell häufigen Regen können Zuckerrüben wiederum gut gebrauchen.
Rüben für die Zuckerproduktion
Die Rüben, die zur Zuckerproduktion zur Firma Südzucker nach Offenau gebracht werden, haben aber ein anderes Problem: Schilf-Glasflügelzikaden (siehe Infobox). Durch die Klimaerwärmung nehmen die auch im Kreis zu. „Sie verändern den Zuckergehalt, was den Ertrag mindert“, sagt Bayha. Auch Kartoffeln werden von dem Schädling befallenen. Natürliche Feinde habe das Insekt nicht. Man versuche ihm über die Fruchtfolge auf die Pelle zu rücken oder auf Frühsorten zurückzugreifen.
Auch wenn ihr Beruf sie immer wieder vor neue Herausforderungen stellt, bereut habe es Christine Bayha nie, in die Fußstapfen ihrer Eltern getreten zu sein. „Landwirtschaft ist abwechslungsreich und wie ein Hochrisikoinvestment. Aber das macht’s spannend“, sagt Bayha. Man könne eben nicht alles beeinflussen. Wünschen würde sie sich jedoch, dass ein Umdenken in der Politik stattfinde. „Manche Fristen widersprechen der fachlichen Praxis“, gibt sie zu bedenken.
Das Problem mit der Schilf-Glasflügelzikade
Das Problem an den Schilf-Glasflügelzikaden ist die Pflanzenkrankheit Stolbur. Stolbur wird durch ein Bakterium namens Candidatus Phytoplasma solani übertragen. Auch gibt es das Syndrom der niedrigen Zuckergehalte (Syndrome Basses Richesses, kurz: SBR), bei dem verringerte Zuckergehalte erreicht werden. Blätter welken, Wurzeln und Knollen werden gummiartig, Ertrag und Lagerfähigkeit sinken, die Pflanzen büßen Qualität und Geschmack ein.
