Eigentlich sah die Tagesordnung des Gemeinderats bei der baulichen Erweiterung von Bau II im Schulzentrum eher harmlos aus: Ob die Toiletten erneuert oder saniert werden und ob Einsparungen bei den Elektroarbeiten umgesetzt werden sollen, waren die Fragen. Doch der dritte Punkt, die Information zum Projektstand, hatte es dann in sich: Von der Holzbaufirma waren wenige Tage vor der Sitzung drei Nachträge von insgesamt rund 400.000 Euro angemeldet worden. „Das kam überraschend und ist noch nicht geprüft“, versuchte Architekt Prof. Gerhard Bosch die Räte zu beruhigen. Doch das Entsetzen im Rat wurde bei der anschließenden rund eineinhalbstündigen Aussprache deutlich.
Bönnigheim Mehrkosten beim Holzbau im Schulzentrum drohen
Entsetzen im Gemeinderat: Firma meldet drei Nachträge in Höhe von insgesamt 400.000 Euro an.
Komplexe Angelegenheit
Wie konnte das passieren? Die Sanierung im Bestand sei eine sehr komplexe Angelegenheit, erklärte Architektin Irene Bidlingmaier und nannte als Beispiel die Fenster, die wieder verwendet werden. Erst nach dem Ausbau habe sich herausgestellt, dass sie nicht das erforderliche Sicherheitsglas vorwiesen. Eine zusätzliche Splitterschutzfolie habe aufgebracht werden müssen, ergänzte Bosch.
Außerdem seien weitere Auflagen des Prüfstatikers für den Holzbau gekommen, die zu den Nachträgen der Holzbaufirma führten. Das Architekturbüro habe sie erst vor wenigen Tagen bekommen und müsste sie erst noch prüfen. Bidlingmaier betonte, dass der Baufortschritt aber wie geplant voranschreite und die Architekten mit der Holzbaufirma ansonsten sehr zufrieden seien. Bosch räumte aber auch ein, dass er so eine Kostenüberschreitung bisher nie erlebt habe. Er gehe davon aus, dass es nicht bei dem befürchteten Betrag bleibe. Bis zur Januar-Sitzung werde alles geprüft.
„Abartige“ Mehrkosten
Diese Mehrkosten, so ABö-Stadträtin Ulrike Staudenrausch, finde sie geradezu „abartig“. Sie hätte sich gewünscht, das verpflichtende Vergaberecht umzuwandeln und mit Festpreisen zu bauen. Ob man solche Nachträge nicht verhindern könne, wollte ihre SPD-Kollegin Dorothea Bechtle-Rüster wissen. Es gebe feste Regeln, an die sich die öffentliche Hand halten müsse, so Bürgermeister Albrecht Dautel.
Will die Stadt also trotz der drohenden Mehrkosten die WCs erneuern? Dann könnte die Kostenberechnung, die bisher bei 14,166 Millionen Euro lag, um insgesamt rund 600 000 Euro steigen. Bislang waren im ersten und zweiten Obergeschoss des Treppenhauses keine neuen Toiletten vorgesehen, da sie außerhalb des zu sanierenden Teils von Bau II liegen.
„Das hätte man von Anfang an mitplanen sollen“, kritisierte Tilo Rommler (FWV/CDU). Denn ihr Zustand und das alte Rohrleitungssystem, das dahintersteckt, lasse kaum Zweifel daran, dass es notwendig und sinnvoll ist. Stadtrat Hans-Martin Jäger (UWG) widersprach seinem Fraktionskollegen Markus Stahl, der hier sparen wollte. „Wir müssen die Installationen richten“, sagte er und schlug vor, den gleichen Standard beim Ausbau wie im neuen Gebäudeteil zu schaffen. Denn zuvor hatten mehrere Räte gefordert, Alternativen zu prüfen. Doch Bauamtsleiter Peter Knoll plädierte dafür, Anschlussaufträge an die bereits beauftragen Handwerker zu geben. „Sie waren bei den Ausschreibungen die Günstigsten“, betonte er. Mit breiter Mehrheit votierte der Rat schließlich für die Erneuerung der WC-Anlagen zum geschätzten Preis von 197 000 Euro.
Weniger spektakulär waren die vorgeschlagenen Einsparungen bei den Elektroarbeiten. Hier entschied der Rat, einige Pendelleuchten im Eingangsbereich Mensa und der Bücherei einzusparen und durch günstigere Lampen zu ersetzen. Die Idee, auf die fest eingebaute Medientechnik im künftigen Mehrzweckraum der Mensa zu verzichten, wurde verworfen.
