Bönnigheim Menschenleben retten und Schwimmen lehren

Von Corinna Müller
Auch Aquafitness gehört zum vielschichtigen Angebot der DLRG Bönnigheim-Kirchheim. Foto: /Oliver Bürkle

1962 gegründet, hat die DLRG Bönnigheim-Kirchheim eine Vielzahl an Angeboten im Programm. 

Ein Bersten und Brechen, entsetzte Schreie – dann brach die Seebrücke auf der Insel Rügen zusammen und nahezu 80 Menschen stürzten ins Meer. Einzig dem beherzten Eingreifen eines Einzelnen und der Besatzung in der Nähe liegender Marineschiffe war es zu verdanken, dass bis auf 16 Menschen alle geborgen werden konnten. 14 Erwachsene und zwei Kinder fanden den Tod. Zwei weitere Personen starben in den Folgetagen. Dies war 1912.

Doch das furchtbare Unglück löste die Gründung einer Gemeinschaft aus, die seither unzählige Menschen in Wassernot gerettet und Generationen von Kindern das Schwimmen beigebracht hat: Die Deutsche Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG).

Verein hat 470 Mitglieder

„Trotzdem sind in diesem Jahr in Deutschland bis zum Juli mehr als 300 Menschen beim Schwimmen ertrunken,“ berichtet Rüdiger Bausch, Vorsitzender der DLRG-Ortsgruppe Bönnigheim-Kirchheim mit ihren 470 Mitgliedern. „Das meiste waren übermütige junge Männer, die sich selbst überschätzt haben.“ Wenige der Unfälle seien im Freibad geschehen, die häufigsten an unüberwachten Gewässern.

„Gerade in Flüssen wie dem Neckar ist das Baden aufgrund der Strömungen extrem gefährlich,“ warnt Bausch, der seit 1973 Mitglied bei der DLRG ist. Auch die seit 1962 bestehende Ortsgruppe verfügt über erfahrene Rettungstaucher, von denen zwei bereits mehr als 40 Jahre lang Tag und Nacht in Bereitschaft stehen, um bei Wasserunfällen Hilfe zu leisten. „Die tiefen Bewässerungsseen der Bauern oder der Steinbruch in Hofen bilden eine permanente Gefahr“, bedauert Bausch. Aber dort wird auch geübt. Teilweise sogar im Winter, wenn Löcher in das Eis gehackt werden und die Taucher, versehen mit Sicherungsleine und Tauchertelefon, ins Wasser steigen. Sie verlassen sich dabei genauso auf den Sicherungsmann wie die Strömungsretter, die es seit zwei Jahren bei dieser Ortsgruppe gibt. „Beim Hochwasser in Walheim standen alle unsere Einsatzkräfte parat, um die Leute notfalls aus den Häusern holen zu können.“ Dennoch ist gerade die Schwimmausbildung ein wesentliches Thema der DLRG. Im Winter werden bereits für Kinder ab sechs Jahren im Kirchheimer „Bädle“ Schwimmkurse angeboten, die meist mit dem „Seepferdchen“-Abzeichen abgeschlossen werden. „Manchmal kommen Kinder zu uns, die panische Angst vor dem Wasser haben“, so Bausch, „aber selbst die finden ihre Freude am Schwimmen.“ Trainiert wird in den anschließenden Kindergruppen bis zum Schwimmabzeichen in Bronze, Silber oder Gold sowie zum Rettungsschwimmer in denselben Farben. „Zwölfjährige, die das bronzene Rettungsschwimmabzeichen erworben haben, gelten als Junior-Retter und dürfen im Freibad beaufsichtigen – mit einem Retter, der das silberne Abzeichen besitzt,“ erklärt Bausch.

150 Abzeichen pro Jahr

„Pro Jahr werden in Bönnigheim rund 150 Abzeichen vergeben. Vom Seepferdchen bis zum Rettungsschwimmabzeichen in Gold“. Doch auch das Aqua-Training ist ein gern besuchtes Angebot der DLRG. Neu sei das Jugendeinsatz-Team mit einem Mindestalter von zwölf Jahren, das mit Übungen auf die späteren Aufgaben der DLRG hingeführt werde: Rettungstaucher, Strömungsschwimmer, Sicherungsleute oder Höhenretter.

Manche Angehörige der Ortsgruppe Bönnigheim-Kirchheim sind seit über 50 Jahren dabei. Sie kommen nicht nur aus den Landkreisen Ludwigsburg und Heilbronn, sondern auch aus München und der Schweiz. „Wir sind wie eine große Familie“, sagt Bausch und lacht. Corinna Müller

 
 
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