Die Schulsozialarbeiterinnen Katharina Stuber, Dorothea Vogel und Tina D’Souza sowie ihre AWO-Fachbereichsleiterin Katharina Dirnberger stellen in einem Interview mit der BZ ihre Arbeit an den Schulen vor. Dabei gehen sie auch auf ihren Arbeitsumfang und die offene Jugendarbeit, die nicht mehr stattfindet, ein.
Bönnigheim Schulsozialarbeit hat sich etabliert
Die Schulsozialarbeiterinnen stellen ihre Arbeit und Erfolge vor.
Der letzte Jahresbericht der Schulsozialarbeit liegt schon lange zurück. Wie stellt sich die Situation an den Schulen heute dar?
Katharina Stuber: An den weiterführenden Schulen hat sich die Schulsozialarbeit mittlerweile fest etabliert. Sowohl an der Realschule als auch am Gymnasium haben wir in diesem Schuljahr mehr Einzelgespräche geführt als im Jahr davor. Gleichzeitig ist es uns wichtig, im Schulalltag präsent zu sein. Das machen wir zum Beispiel durch Klassenprojekte, Präventionsveranstaltungen oder Aktionen wie das Tippspiel zur Fußball-WM. So lernen die Schülerinnen und Schüler uns gut kennen und wissen, dass sie jederzeit zu uns kommen können. Wir hoffen weiterhin, dass wir bei der Eröffnung von Bau II mit Räumlichkeiten für die Schulsozialarbeit eingeplant werden.
Tina D’Souza: Ich bin im vergangenen September an der Ganerbenschule gestartet und habe erst einmal alle Klassen und das Kollegium kennengelernt. Durch die offene Aufnahme an der Schule konnte ich schnell beginnen, verschiedene Präventionsprojekte und Klassenangebote durchzuführen. Es freut mich besonders, dass die Kinder inzwischen wissen, wer ich bin, und ganz selbstverständlich auf mich zukommen, wenn sie etwas beschäftigt.
Wo liegen die Schwerpunkte Ihrer Arbeit?
Tina D’Souza: An der Grundschule arbeite ich viel mit den ganzen Klassen. In den Klassen 1 und 2 führe ich das Präventionsprogramm „Benni” durch. Dabei geht es darum, Gefühle wahrzunehmen und das soziale Miteinander zu stärken. In den Klassen 3 und 4 arbeite ich mit dem Programm „Echt Stark”. Hier geht es darum, das Selbstbewusstsein der Kinder zu stärken und sie darin zu unterstützen, ihre Grenzen wahrzunehmen und sich vor Gewalt zu schützen. Ein weiterer großer Schwerpunkt sind die Einzelgespräche. Die Kinder kommen mit allem, was sie gerade beschäftigt: Streit mit Freunden, Problemen zu Hause oder Sorgen in der Schule. Dabei arbeite ich bei Bedarf auch eng mit Lehrkräften und Sorgeberechtigten zusammen.
Dorothea Vogel: An der Realschule ist die Arbeit mit den Klassen ebenfalls ein wichtiger Schwerpunkt. Vor allem in den fünften Klassen führen wir den Klassenrat ein und begleiten die Klassen oft über das ganze Schuljahr hinweg. Dabei geht es um Themen wie Teambuilding, Konflikte lösen oder ein gutes Miteinander. In diesem Schuljahr haben wir außerdem Präventionsveranstaltungen zum Thema mentale Gesundheit für die achten Klassen und zum Thema Essstörungen für die siebten Klassen organisiert. Einen großen Teil unserer Arbeit machen jedoch weiterhin die Einzelgespräche aus. Die Schülerinnen und Schüler kommen mit ganz unterschiedlichen Anliegen zu uns. Wir haben für die verschiedenen Themen ein offenes Ohr und überlegen gemeinsam, welche Unterstützung noch hilfreich sein kann.
Katharina Stuber: Am Gymnasium sind die Schwerpunkte ähnlich, wie an der Realschule. Ich führe viele Einzelgespräche und bin regelmäßig in den Klassen unterwegs, um gemeinsam mit den Schülerinnen und Schülern über Themen zu sprechen, die sie gerade beschäftigen oder wichtig für die persönliche Entwicklung sind. Jeden Mittwoch findet außerdem unsere Mädchen-AG für die Unterstufe statt. Dort wird gemeinsam gebastelt oder kreativ gearbeitet, vor allem aber haben die Mädchen einen Ort, an dem sie sich austauschen und einfach sie selbst sein können.
Welche Erfolge sehen Sie?
Dorothea Vogel: Wir merken an allen Schulen, dass die Schulsozialarbeit nicht nur wertgeschätzt wird, sondern auch immer selbstverständlicher geworden ist. Das zeigt sich auch daran, dass in diesem Schuljahr mehr Schülerinnen und Schüler zu uns gekommen sind als im vergangenen Jahr. Für uns ist das ein gutes Zeichen, weil es bedeutet, dass die Hemmschwelle, zu uns zu kommen, immer kleiner wird. Schön sind aber auch die kleinen persönlichen Erfolge: Wenn ein Schüler oder eine Schülerin nach einer schwierigen Zeit wieder gerne in die Schule kommt, Konflikte besser lösen kann oder einfach wieder mehr Selbstvertrauen gewinnt.
Tina D’Souza: An der Grundschule freut mich besonders, wie offen die Kinder auf die Schulsozialarbeit zugehen. Viele kommen vorbei, wenn sie etwas beschäftigt. Auch die gute Zusammenarbeit mit den Lehrkräften und Sorgeberechtigten trägt dazu bei, dass wir die Kinder früh unterstützen können, bevor aus kleinen Problemen große werden.
Das Sozialministerium definiert die Schulsozialarbeit als eine „weisungsfreie Pflichtaufgabe“ der Kommunen. Gibt es eine Richtlinie oder Empfehlung, welchen Umfang Sozialarbeit in Zusammenhang mit der Zahl der Schülerinnen und Schüler haben sollte?
Katharina Dirnberger: Es gibt keine verbindliche Richtlinie, wie viele Stellen für Schulsozialarbeit es pro Anzahl an Schülern geben muss. Das Land Baden-Württemberg unterstützt die Kommunen finanziell bei der Schulsozialarbeit, aber schreibt keinen festen Personalschlüssel vor. Das Netzwerk Schulsozialarbeit Baden-Württemberg empfiehlt mindestens eine 50-Prozent-Stelle an einer Schule. Die GEW empfiehlt eine Fachkraft für rund 150 Schüler. Gleichzeitig sollte jede Schule mindestens über eine Vollzeitstelle in der Schulsozialarbeit verfügen.
Wie hoch ist Ihr Beschäftigungsumfang?
Katharina Dirnberger: Frau Vogel arbeitet zu 50 Prozent an der Sophie-La-Roche-Realschule. Frau D’Souza ist mit einer 50-Prozent-Stelle an der Ganerbenschule tätig. Frau Stuber teilt ihre Arbeitszeit auf zwei Schulen auf: Sie arbeitet jeweils zu 40 Prozent an der Sophie-La-Roche-Realschule und am Alfred-Amann-Gymnasium.
Was unterscheidet die Schulsozialarbeit von der Sozialarbeit in der Kommune?
Katharina Dirnberger: Die Schulsozialarbeit ist ein eigenständiges Angebot der Jugendhilfe mit klarem Bezug zur Schule. Sie begleitet Schüler im Schulalltag, berät bei persönlichen, sozialen oder schulischen Herausforderungen und arbeitet eng mit Lehrkräften und Eltern zusammen. Kommunale Sozialarbeit beziehungsweise Offene Kinder- und Jugendarbeit richtet sich dagegen an alle jungen Menschen im Sozialraum, findet überwiegend außerhalb der Schule statt und setzt auf freiwillige Freizeit-, Begegnungs- und Beteiligungsangebote.
Seit Bönnigheim sich aus der freien Sozialarbeit verabschiedet hat, nehmen Vandalismus, Schmierereien und möglicherweise auch Drogendelikte zu. Daher die Frage, ob eine Kombination aus Sozialarbeit und Schulsozialarbeit aus fachlicher Sicht denkbar ist.
Katharina Dirnberger: Schulsozialarbeit und kommunale oder Offene Jugendarbeit ergänzen sich sinnvoll, übernehmen jedoch unterschiedliche Aufgaben. Schulsozialarbeit ist an den Lebensraum Schule gebunden und unterstützt junge Menschen bei schulischen, sozialen und persönlichen Herausforderungen. Die Offene Kinder- und Jugendarbeit erreicht Jugendliche dagegen in ihrer Freizeit und im Sozialraum unabhängig von Schule und Leistung. Gerade im Hinblick auf das Vertrauensverhältnis ist diese Unterscheidung wichtig: Für viele Jugendliche wäre es hilfreich, neben der Schulsozialarbeit eine weitere Bezugsperson außerhalb der Schule zu haben. In der Offenen Kinder- und Jugendarbeit können sie Themen ansprechen, ohne dass diese unmittelbar mit ihrem schulischen Umfeld verknüpft sind. Oft fällt es jungen Menschen leichter, sich in einem freiwilligen und schulunabhängigen Rahmen zu öffnen. Dadurch können Probleme frühzeitig erkannt und bearbeitet werden, bevor sie sich verfestigen oder in andere Lebensbereiche verlagern. Aus fachlicher Sicht ist daher eine enge Zusammenarbeit beider Bereiche sinnvoll. Die Schulsozialarbeit kann die Offene Kinder- und Jugendarbeit jedoch nicht ersetzen, da beide unterschiedliche Zugänge, Rahmenbedingungen und Schwerpunkte haben.
Was wird sich für die Schulsozialarbeit an der Grundschule mit der Einführung des Ganztagsbetriebs ändern?
Tina D’Souza: Schulsozialarbeit kann Projekte oder Präventionskurse während des Ganztags anbieten, aber ist kein fester Teil des Ganztagsangebots. Ich bin einmal die Woche während der Nachmittagszeit an der Schule für Elterngespräche, und Einzel-Angebote mit Schülern.
