Das „Zensationfestival“ in Hohenstein brachte die Teilnehmer am Wochenende mächtig ins Schwitzen. Bei Temperaturen wie im Herkunftsland Indien ließen sich die Gäste nicht vom Yoga in der Wiesentalhalle und auf den Wiesen davor abhalten. Organisatorin Chiara Bethke und ihr Team hatten sich einiges einfallen lassen. um die „Yoginis“ zu erfrischen und fit zu halten.
Bönnigheim Temperaturen erinnern an die Ursprünge in Indien
Beim „Zensationfestival“ traf sich die Yogafamilie am Ortsrand von Hohenstein im Schatten und unter Sprühneblern.
Morgens bei der Begrüßung erhielten alle nicht nur ein selbstgeknüpftes Festivalbändchen ums Handgelenk gebunden, sondern auch ein Beutelchen Elektrolyte – letzteres gab es sogar an beiden Tagen, um den Mineralienverlust ausgleichen zu können. Wasser – und zwar basisches Wasser – gab es für alle kostenfrei, so viel sie wollten, Trinkwasser aus dem Hahn natürlich auch. Zusätzlich sorgten ein Wassernebel versprühendes, aufblasbares Einhorn und ein Bewässerungssystem mit Sprühnebel entlang des Sonnensegels für eine willkommene Abkühlung und Erfrischung.
Yoga mit geschlossenen Augen
Wer beim Zensationfestival teilnimmt, beschäftigt sich seit Jahren mit Yoga, zum Teil seit Jahrzehnten, kennt den eigenen Körper und dessen Bedürfnisse sehr gut. Zusätzlich gab es eine Reihe Ersthelfer, die nicht eingreifen mussten, weil alle Pausen einhielten, genug tranken und sich im Schatten aufhielten. Die Kursleiter mit langjähriger Erfahrung beim Anleiten von Yoga hatten sich für ruhige Sequenzen entschieden.
Doch was bedeutet „Augen zu und durch-Yoga“? Was zunächst dramatisch anstrengend klingt, erklärt Kursleiter Eddy Gonzales mit wenigen Worten: „Wir schließen die Augen – nicht nur zu Beginn. Versuche deine Augen die ganze Zeit geschlossen zu halten. Hier geht es um den Blick nach innen.“ Natürlich dürfen zur besseren Orientierung zwischen einer Position im Sitzen und der nächsten im Stehen die Augen geöffnet werden – alles kann, nichts muss. Doch wer die Augen geschlossen hält, bleibt mehr bei sich, es ist nicht wichtig, wie die Nebensitzerin ihre Arme in die Höhe streckt. „Fühle nach innen – schau nach innen.“
Dabei sind Lachen und Freude bei Eddy sehr wichtig, etwa wenn die Teilnehmer sich trauen sollen und so lange in den Kreis krabbeln, bis sie auf andere treffen. Wer das nicht möchte, bleibt einfach auf seiner Matte, doch zum Schluss sind alle beisammen - Schulter an Schulter. Wer mag, bekommt zum Abschluss eine Umarmung. Und einen Witz hat der quirlige Mann aus Bayern auch immer in petto, was ihn nicht daran hindert, Lyrik in seine Abschlussmeditation einzubauen – eine Originalaufnahme von Hermann Hesses „Jedem Anfang wohnt ein Zauber inne“. Die Wahl ist kein Zufall, der Dichter beschäftigte sich einst intensiv mit Yoga.
Alle miteinander verbunden
„Wir sind alle miteinander verbunden – öffne dein Herz, lerne neue Leute kennen“, hatte Chiara Bethke bei der Eröffnungsmeditation allen gewünscht. Und hier am Ortsrand von Hohenstein ist es einfach, mit jemandem ins Gespräch zu kommen. Alle gehören zur großen Yogafamilie, manche haben sich bereits im Vorjahr an gleicher Stelle bei ebenfalls heißen Temperaturen kennengelernt, andere sich zum ersten Mal da.
Auch die Leute, die einen Stand am Rand der Übungsplätze haben, beschäftigen sich seit Jahren mit Yoga – und beispielsweise Schamanismus, so wie Daniela. In ihrem Frauenkreis geht es ebenfalls um Begegnung, um ein Netzwerk. Um die Verbundenheit zu symbolisieren, werfen die Teilnehmerinnen zum Schluss ein Seil von einer zur nächsten Frau, jede sagt ein Wort oder ein Gefühl, hält den Faden fest und wirft das Knäuel weiter. Oder Caro, sie beschäftigt sich seit mehr als zwei Jahren mit Astrologie und bringt in ihrem Vollmondzirkel nicht nur Frauen bei, dass sich das Leben im Zyklus des Mondes bewegt.
Yogalehrerin Ina aus Bönnigheim fragt bei ihrem Yin Yoga, das Handpan-Spieler Timo mit Klängen bereichert: „Wer bist du?“ Während die Yoginis lang in den einzelnen Positionen liegen, dürfen sie darüber nachdenken. Sandhya ist Weltenbummlerin und nimmt bei Atemübungen die Teilnehmer auf den Matten mit auf eine Reise zu sich selbst.
Tanzen unter Sprühneblern
Und Yogalehrer Kai erzählt erst einmal aus seinem Leben mit vielen Stationen, bevor er beim „Health today“ über Ernährung und Bewegung spricht und dann Übungen zum Stressabbau zeigt, bevor er alle zum Tanzen unter den Wasserneblern bringt. Das greift Chiara beim Abschluss auf, dabei werden nicht nur Mantras gesungen, sondern noch einmal Rhythmen aufgelegt, die zum Tanzen unter den Sprühneblern locken.
Zum Abschluss gibt es noch einmal Umarmungen als Dankeschön oder einfach so.
