Die ehrenamtlichen Museumsmacher um Kurt Sartorius sind immer für einer besondere Idee bekannt, um das Schwäbische Schnapsmuseum im Steinhaus für Besucher interessant zu machen. Am Valentinstag – außerhalb der Museumsöffnungszeiten zwischen April und Oktober – hat man Paare dazu eingeladen, sich im Museumskeller zu küssen und dafür einen kostenlosen Liebeslikör zu genießen. Mehr als 20 überwiegend ältere Paare folgten am Samstag der Aufforderung. Diese 40 Personen sind nun Teil der inzwischen mehr als 140.000 Besucher, die sich seit 1993 über Schwarzbrennereien und Brenntechnik, die Kulturgeschichte des Alkohols und die Dauerausstellung Kindesglück sowie etliche Sonderausstellungen informierten.
Bönnigheim Ungewöhnliche Museumsidee wird zum Publikumsmagnet
Das Schwäbische Schnapsmuseum feiert am 3. März eine Schnapszahl. Die Ausstellung gibt es seit 33 Jahren und hat mehr als 140.000 Besucher angelockt.
Förderverein investiert 700.000 Euro ins Museum
So wird, ganz nach der besonderen Ausrichtung des Museums im Steinhaus, am 3. März die Schnapszahl 33 Jahre Schwäbisches Schnapsmuseum gefeiert. „Es ist doch erstaunlich, was wir in diesen 33 Jahren erreicht haben. Wir bekamen über Jahrzehnte 1000 Euro als städtischen Zuschuss und haben die größte alkoholgeschichtliche Museumssammlung Deutschlands aufgebaut. Unser Förderverein hat schon über 700.000 Euro in die Museumsarbeit investiert. Wir gehören zum Immateriellen Kulturerbe der UNESCO und erwarten den 144.444. Besucher. Als letztes Highlight haben wir eine einmalige Sammlung von 185 Spieluhren-Schnapsflaschen bekommen. Und das alles ehrenamtlich“, freut sich der ebenfalls ehrenamtlich arbeitende Museumsleiter Sartorius.
Schon bei der Begrüßung des 133.333. Besucher im Oktober 2022 hat er selbstbewusst eine bemerkenswerte Rechnung aufgestellt: „Die Uni München hat 2015 für Stuttgart Marketing ermittelt, dass jeder Besucher für Verzehr und den Kauf von Souvenirs durchschnittlich 31,10 Euro umsetzt. Das ergibt bei 133.333 Besuchern einen Umsatz von 4.15 Millionen Euro, was die Besucher eingebracht und damit 787.864 Euro Steuereinnahmen für die Stadt generiert haben. Wir tun etwas für die Allgemeinheit.“
Im Jahr 1977 wurde die Historische Gesellschaft Bönnigheim ins Leben gerufen, deren Vorsitzender Kurt Sartorius bis heute ist. Auslöser war die Brennerei Krebs, die verschrottet werden sollte. Bereits damals wurde die Einrichtung eines Museums in der Satzung verankert und eine stadtgeschichtliche Sammlung angelegt. War zunächst ein Heimatmuseum das Ziel, wurde 1985 vom Landesmuseum empfohlen, ein Spezialmuseum aufzubauen. Von da an trugen die Mitglieder alles zum Thema Schnaps zusammen.
Größte Sammlung an Brennereien in Deutschland
Im Jahr 1993 zeigte die Historische Gesellschaft das Ergebnis unter dem Titel „Geistreich“ in einer großen Ausstellung im Landespavillon Baden-Württemberg in Stuttgart. Die Resonanz ging bereits damals weit über Baden-Württemberg hinaus. Im provisorisch gerichteten Steinhaus von 1296 gestalteten danach die Mitglieder mit dieser Ausstellung im Jahr 1993 Anfänge des Schwäbischen Schnapsmuseums. Mit 112 Brennereien, von der kleinen Schwarzbrennerei bis zur großen industriellen Anlage, steht zwischenzeitlich in Bönnigheim die größte Sammlung in Deutschland. Weitere Themen wie Streuobstwiesen, Alkoholometrie, Spiritusverwendung, Zoll- und Steuerrecht, Sozialgeschichte, Suchtproblematik, Tresterkäsherstellung oder Alkohol in der Medizin wurden erarbeitet und dargestellt. Die Schwarzbrennerei ist für viele Besucher der interessanteste Raum.
Bedeutender Werbeträger für die Stadt
Seit Kurt Sartorius im Jahre 1984 im Keller ausgegrabene Töpfe zum ersten Mal in Deutschland mit der Nachgeburtsbestattung in Verbindung brachte, erforscht er diesen Brauch. Er hat jetzt bereits 39 Keller mit Töpfen ausgegraben. Seit er diesen Brauch bekannt gemacht hat, werden plötzlich in ganz Deutschland solche Töpfe gefunden. Beim internationalen wissenschaftlichen Kolloquium „Damit’s Kind g’sund bleibt – Tabu Nachgeburtsbestattung“ das 1997 die Historische Gesellschaft in Bönnigheim ausrichtete, diskutierten Wissenschaftler den Brauch. Das Ergebnis publizierte der Verein.
Da in Bönnigheim damit die Erforschung des Brauches Nachgeburtsbestattung begonnen hat, und die Historische Gesellschaft eine große Sammlung zum Thema angelegt hat, wurde in einer weiteren Abteilung „Kindesglück – magische Bräuche um Liebe und Geburt“ der Mythos der Nachgeburtsbestattung präsentiert.
Seit vielen Jahren ist Kurt Sartorius im Beirat des Museumsverbandes Baden-Württemberg, wo er sich für die Interessen der ehrenamtlich geführten Museen einsetzt. Dort leitet er den Arbeitskreis der ehrenamtlich geführten Museen in Baden-Württemberg. Bei der Gesellschaft für Geschichte des Branntweins, Sitz Bonn, leitet er den Arbeitskreis der alkoholgeschichtlichen Museen.
Durch die Präsentation des Schwäbischen Schnapsmuseum auf verschiedenen Veranstaltungen, wie beim Stand Baden-Württemberg auf dem Maimarkt Mannheim, der Südwestmesse Villingen-Schwenningen, CMT Stuttgart, dem Schäferlauf Markgröningen, auf dem Spätlingsmarkt im Landesratsamt oder auf Festzügen beim Cannstatter Volksfest wird Werbung gemacht sowie Prospekte an die Besucher verteilt. Das Museum wird in Medien wie Rundfunk, Fernsehen, Tageszeitungen und Fachzeitschriften dargestellt. Damit ist das Schwäbische Schnapsmuseum für die Stadt Bönnigheim ein wichtiger Werbeträger.
