Ich freue mich darauf, mich bei der Landtagswahl politisch beteiligen zu können“, sagt ein Schüler im Gemeinschaftskundeunterricht in der Oberstufe des Alfred-Amann-Gymnasiums in Bönnigheim. Die Schülerinnen und Schüler von Sarah Auer, von denen viele gerade 18 Jahre alt geworden sind, wollen gerne mit der BZ darüber sprechen, wie sie sich über die Wahl informiert haben, welche Themen sie interessieren und ob sie persönlich ins Wahllokal gehen werden. Aber ihre Namen möchten die meisten von ihnen nicht in der Zeitung lesen.
Bönnigheim „Viele Jüngere wählen extremer“
Die BZ hat mit 18-jährigen Schülerinnen und Schülern des Alfred-Amann-Gymnasiums über die Landtagswahl gesprochen. Viele freuen sich darauf.
Ein weiterer Schüler freut sich auf die Wahl, ein anderer betont die Verantwortung, die man trägt, wenn man wählen gehen darf. Und wie haben sie sich im Vorfeld über die Parteien informiert? Manche der Schüler haben sich Diskussionsrunden im Fernsehen angeschaut, mit den Eltern diskutiert, den Wahl-O-Mat befragt oder sogar die Parteiprogramme gelesen, erzählen sie. Und natürlich war die Wahl am 8. März auch Thema im Unterricht.
Darüber hinaus sei es gar nicht so leicht, sich zu informieren, findet ein Schüler: „Richtig gut informiert fühle ich mich nicht.“ Beiträge in Social-Media-Kanälen müsse man kritisch begegnen und nach der Quelle fragen – ob etwa die Tagesschau dahinter steckt oder eine Künstliche Intelligenz, findet eine Schülerin. Aufgrund des Algorithmus stecke man zudem schnell in einer Meinungsblase fest.
ÖPNV und Klimawandel
Fühlen sich die Schülerinnen und Schüler von den landespolitischen Themen angesprochen? „Ein Thema wie Migration betrifft mich wenig“, meint ein Schüler. Der Öffentliche Personennahverkehr würde ihn da schon mehr interessieren. Aber ob ein kostenloser ÖPNV umsetzbar wäre, da ist er skeptisch. Mit Blick auf Studium und Ausbildung würde sie das Thema Hochschulförderung und Bafög interessieren, sagt eine Schülerin. „Das Thema Klimawandel geht völlig unter“, findet eine andere Schülerin.
Wahlkampf ist das eine, die politische Umsetzung eine andere. „Mir ist bewusst, dass manches nur im Wahlkampf gesagt wird“, sagt ein Schüler. Bei Themen, die ihn betreffen, würde er wahrnehmen, wie sie sich jenseits von Wahlen entwickeln. Oft gehe es im Wahlkampf um Schuldzuweisungen in negativen Kontexten, findet eine Schülerin.
Wähler können nun zwei Stimmen vergeben – macht das neue Wahlrecht es für sie komplizierter? Ja, meint ein Schüler. Einerseits sei der persönliche Bezug zu den Kandidaten gut, aber wenn man diese nicht kennt, werde es schwieriger.
Bei manchen ist es nach der Kommunalwahl schon die zweite Wahl, an der sie sich aktiv beteiligen. Ein Schüler möchte die Wahl weniger strategisch angehen, sondern seine Kreuzchen bei der Partei und dem Kandidaten machen, die seine Interessen vertreten. Bei einer strategischen Wahl würde es in erster Linie „um das kleinere Übel gehen“, sagt er.
Wählen mit 16: Ist das zu früh?
Wählen mit 16, finden das die jungen Wähler gut? Als „sehr früh“ empfindet es ein Schüler. Die Jugendlichen würden dann stark von der Meinung ihrer Eltern oder durch Social Media beeinflusst, befürchtet er. „Viele Jüngere wählen extremer“, glaubt ein anderer. Die Volljährigkeit mit 18 sei sinnvoll, erst dann sei man auch selbstständig. Ein anderer Kursteilnehmer meint, dass sich die meisten Schüler vor der Wahl besser informieren als ältere Wähler. „Man darf den Jüngeren nicht die Kompetenz absprechen“, sagt er. Ältere Wähler würden eher die Partei wählen, bei der sie schon immer das Kreuz gemacht hätten.
Die meisten der Kursteilnehmerinnen und -teilnehmer wollen am 8. März ins Wahllokal gehen. Einer der Schüler hat seine Stimme schon per Briefwahl abgegeben. Ein anderer Kursteilnehmer hat kein Wahlrecht, obwohl er schon lange in Deutschland lebt.
„Keine hohe Erwartungshaltung“ hat einer der Schüler an das Wahlergebnis. „Es wird sich nicht viel ändern“, glaubt ein anderer. Aber darin sieht er auch einen Vorteil der Demokratie: dass im Parlament lange diskutiert und abgewogen werde, könne vor Fehlentscheidungen schützen.
