Bönnigheim Andreas Kümmert und Michael Germer rocken bei ihrem Gastspiel beim Kulturfenster Bönnigheim das Publikum. Von Helga Spannhake

Von allen Seiten strömte das Publikum auf den Eingang zum Bönnigheimer Kulturkeller zu. Innen wurden weitere Stühle vorgeholt, denn der Name Andreas Kümmert zieht. Schon bei den „The Voice of Germany“ Blind Auditions im Jahr 2013 riss er mit seiner unglaublichen Stimme Jury und Publikum von den Sitzen. 2015 sollte er sogar zum Eurovision Song Contest nach Wien fahren, aber er lehnte ab und auch wenn er sich inzwischen aus persönlichen Gründen von den ganz großen Bühnen zurückgezogen hat, Musik ist immer noch sein Leben.

Ein „wolla mir schdarda“ war zu hören, das Licht erlosch und Ute Pfeil vom Vorstand des Bönnigheimer Kulturfensters begrüßte das Publikum mit den Worten: „Wir freuen uns saumäßig, dass der KulturKeller mal wieder voll ist“. Sie versprach, dass der „Bär tanzen werde“ und damit behielt sie Recht. Andreas Kümmert erhielt schon viel Vorschusslorbeeren in Form von Applaus und Jubelschreien, bevor er überhaupt einen Ton gesungen hatte. Ganz allein war er auch nicht auf der Bühne, sondern wurde begleitet vom Perkussionisten und Künstlerfreund Michael Germer.

Mit dem gefühlvollen Song „Something in My Heart“ seines letzten Albums „Harlekin Dreams“ eröffnete er den Konzertabend. Locker füllte seine Stimme den Raum, die elektronisch verstärkte Gitarre lieferte gemeinsam mit dem Schlagzeug den satten Sound dazu. Für den doch kleineren Kellerraum war der Beat fast etwas zu heftig, aber dem Publikum gefiel es und noch bevor der letzte Akkord verklungen war, klatschten alle erneut begeistert.

Wechsel von Musik und Jubel
Zum Song „Hard Times“, den Andreas Kümmert mit den Worten „denn es sind harte Zeiten“ ankündigte, war die Bühne in rotes Licht getaucht und überall waren mitwippende Füße zu sehen. Der Künstler selbst allerdings war mit dem Licht etwas unzufrieden, da es ihn zu sehr blendete und er nicht sehen konnte, was er auf seiner Gitarre spielte. Nachdem diese kleine Diskrepanz beseitigt war, beeindruckte sein Gitarrensolo umso mehr. Andreas Kümmert hat nämlich nicht nur eine gewaltige Stimme, sondern beherrscht auch sein Instrument perfekt. Außerdem bewies er fast schon Entertainerqualitäten, als er Rudi Carrell imitierte und kurz dessen berühmten 70er-Jahre-Schlager „Wann wird’s mal wieder richtig Sommer“ anstimmte. Schnell kehrte Andreas Kümmert aber mit „Simple Man“ zu seinen eigenen Songs zurück und erntete dafür erwartungsgemäß noch größeren Beifall.

Vaterschaft als Inspiration
Berührend sein ganz aktueller Titel „Spaceship“, denn er seelenvoll präsentierte und geschrieben hat, als er erfuhr, dass er Papa wird. Schon in zwei bis drei Wochen ist es soweit mit der Geburt, verriet er in der Pause, in der er sich unter seine Anhänger mischte. Dabei ließ er sich bereitwillig und oft von und mit seinen weiblichen Fans fotografieren.

Liedwünsche erfüllt
Mit seiner Version von Prince „Purple Rain“ begann der zweite Konzertteil, in dem neben Liedwünschen und eigenen Songs auch ein Gitarrensaitenwechsel anstand. „Spiel einfach irgendwas“ wandte sich Andreas Kümmert bestimmt, aber entspannt an Michael Germer, der sich das nicht zweimal sagen ließ. Es entspann sich das musikalische Muster des „Call and Response“, wobei das Publikum den Chorpart übernahm. Andreas Kümmert improvisierte textlich mit viel Elan, begann mit dem Namen seines Bühnenpartners und ging über zur Nennung von Karl Lauterbach. Als nächstes durften alle die Phrase „Michael ist super, der Kümmert, der geht so“ nachsingen und als die Saite ersetzt war, bedankte sich Andreas Kümmert für die Mithilfe bei der Überbrückung.

Die letzte Nummer des Abends war schließlich „Rocket Man“, der Song mit dem alles bei „The Voice of Germany“ begann und den alle im Publikum noch sehnsüchtig erwartet hatten. Donnernder Applaus sowie Rufe nach einer Zugabe ließen den KulturKeller abschließend beben.